Was Zalando anders macht

Zalando – immer wieder taucht die Mode-Plattform, die schon lange viel mehr als nur ein Onlineshop ist, auch in unseren Posts und in Beiträgen auf. Warum? Wir haben kein Abkommen mit Zalando, unsere Posts sind nicht gesponsert. Vielmehr sehen wir das Unternehmen in vielerlei Hinsicht als Pionier im E-Commerce. Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben. Doch kann man nicht von der Hand weisen, dass Zalando vieles tut, was andere nicht tun – neue Wege zu finden, das Angebot zu erweitern und mit Kunden zu kommunizieren.

Wenn Zalando nämlich eines verstanden hat, dann ist es seine Zielgruppe. Und die gibt sich nicht zufrieden mit einem starren Konzept, welches so gefahren wird, wie es schon vor x Jahren funktioniert hat, „….weil wir das eben schon immer so machen“. Die Online-Shopper von heute erwarten ständig Neues, Aufregendes, Innovatives. Immer wieder kommen Studien zu dem Ergebnis, dass das Internet mit seiner Fülle an Informationen die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen reduziert. Und das lässt sich auch auf Online Shopping übertragen.

Denn natürlich haben wir uns daran gewöhnt, dass im Internet alles schnell geht. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns geduldig ins Internet eingewählt haben, eingehüllt in das klangvolle Rauschen unseres 56k Modems. Wir sind eigentlich ununterbrochen online und haben Zugriff auf alles. Ob Produktinformationen, Kundenrezensionen oder die Produkte selbst: We want it all and we want it now.

Mobile First – Kunden dort ansprechen, wo sie sich herumtreiben

Ein zweiter wichtiger Punkt, der die Kundenansprache in Zeiten ständig mit dem Internet verbundener Millennials ausmacht ist, dass man immer dort sein muss, wo sich der Kunde befindet. Und das funktioniert am besten über das Smartphone. Natürlich ist all das schon lange kein Geheimnis mehr und Zalando bei Weitem nicht der einzige Player, der dies verstanden hat. Dennoch setzt sich das Unternehmen in diesem Punkt von vielen seiner Konkurrenten ab.

Schon 2012 begann Zalando parallel zu seinen Online-Verkaufsaktivitäten, in Softwareentwicklung zu investieren. Erweitert wurde dies 2015 um sogenannte „Tech-Hubs“ in Dublin und Helsinki. Mit mittlerweile 7 Standorten forscht und entwickelt Zalando auf Hochtouren im Tech-Bereich. Auch durch den Kauf von App-Startups wie Amaze oder des etablierten Marktplatz-Spezialisten Tradebyte arbeitet Zalando kontinuierlich an seinem Ziel, zu einer Fashion-Tech-Plattform zu werden.

Über die Plattform-Strategie haben wir bereits berichtet. In diesem Beitrag wollen wir uns Zalandos App-Aktivitäten einmal genauer anschauen. Neben der Haupt-App hat das Unternehmen zahlreiche andere an den Start gebracht, übernommen oder miteinander verbunden.

Zalon – Curated Shopping mit Messenger-App

Beginnen wir mit Zalon, der Messenger-App für Zalandos hauseigenes Curated Shopping Programm. Persönliche Stilberatung und individuell ausgewählte Outfits stehen hier im Fokus. Das Zalon-Programm verbindet Kunden mit einem persönlichen Stylisten, der ihnen dabei hilft, das perfekte Outfit für jede Gelegenheit zu finden. Mit der Zalon-App haben sie dann einen direkten Draht zu diesem Stylisten und können ihn direkt kontaktieren.

© Zalando

© Zalando

Unsere Einschätzung:

Persönliche Beratung ist einer der Hauptgründe, aus dem Kunden weiterhin im stationären Handel einkaufen. Zalon bietet genau das – und zwar ohne, dass der Kunde das Haus verlassen muss. Andererseits fällt der Aspekt des inspirierenden Schaufensterbummels weg. Für die entsprechende Zielgruppe (hohe Ansprüche an Qualität, Passform, wenig Zeit oder Muße zum Shoppen gehen) kann Zalon aber sehr gut funktionieren.

Fleek – Mobile Shopping meets Influencer Marketing meets Social Commerce 

Zugegeben – das ist eine üppige Überschrift. Doch genau so lässt sich Fleek in einem Satz beschreiben. Nach der Übernahme der Shopping-App Amaze fusionierte Zalando deren Funktionen mit der eigens entwickelten App Fleek. Zum Einen hat die App eine Marktplatzfunktion. Hierüber können Kunden ihren Lieblingsmarken folgen und sehen direkt in der App deren Social Media Posts. Jeder Post ist mit Links zu den gezeigten Produkten versehen, sodass diese direkt in der App gekauft werden können.
Mit Fleek 2.0 wurde dann Amaze integriert und ergänzte die App um einen Tab, der „Styles“ heißt. Hier posten einflussreiche Blogger ihre Lieblingsoutfits und verlinken ebenfalls die genutzten Produkte, welche dann in der App gekauft werden können. Diese „Influencer“ werden dann am Umsatz beteiligt, wenn ein Kunde über ihren Link ein Produkt kauft.

Unsere Einschätzung:

Fleek verbindet optimal Social Media mit Mobile Shopping. Bevor ein potenzieller Kunde ein Outfit auf Instagram sieht und dann das Internet danach durchforsten muss, kann er es sich einfach machen und seinen bevorzugten Marken und Bloggern über Fleek folgen. So ist alles an einem Ort und der ungeduldige Online-Shopper spart Zeit.

Zipcart – Schrei vor Glück, und zwar innerhalb der nächsten 2 Stunden!

Mit Zipcart brachte Zalando eine App an den Start, die das Unternehmen selbst als „schnellste Shopping-App der Stadt“ bezeichnet. Kunden können Produkte über die App bestellen, die dann entweder aus dem nächstgelegenen Zalando-Logistikzentrum oder direkt aus einer Filiale des Händlers innerhalb von zwei Stunden geliefert werden. Bisher ist die App nur in Berlin und Köln verfügbar, doch Zalando plant vor allem den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit stationären Händlern, und wird Zipcart in Zukunft vielleicht sogar deutschlandweit ausrollen.

Zipcart

© Zalando

Unsere Einschätzung:

Die Anbindung des stationären Handels mit Zipcart ist sehr vielversprechend, da alle Seiten profitieren. Händler können online verkaufen , ohne zwingend einen eigenen Online-Shop zu benötigen. Außerdem haben sie potenziell Zugriff auf den riesigen Zalando-Kundenstamm. Zalando kann schneller liefern, macht seine Kunden glücklicher und kann ein erweitertes Sortiment anbieten. Und der Kunde hat sein Produkt innerhalb kürzester Zeit in der Hand.

Neben diesen Apps arbeitet Zalando oft klammheimlich mit und an weiteren. Und da Mobile Shopping weiter wächst, können wir sicherlich noch viel mehr erwarten.

Bonus: Project Muze – Zalando und Google kreieren künstliche Fashion-Intelligenz

Vergangenes Wochenende veranstaltete Zalando wieder das Modefestival Bread & Butter im Rahmen der Berliner Fashion Week. Diesmal stellte das Unternehmen ein Kooperationsprojekt mit keinem geringeren als der Online-Supermacht Google vor: Project Muze nennt sich das Ganze und ist eine Plattform, die auf Googles Open-Source-Plattform TensorFlow basiert.

Die Nutzung ist einfach: Mit fünf einfachen Fragen beeinflusst man als User das Design eines einzigartigen „Kleidungsstücks“. Die Anführungszeichen haben wir deshalb gesetzt, weil man das, was Project Muze ausspuckt, nicht unbedingt so tragen würde. Nachdem man sein Geschlecht, Alter, aktuelle Stimmung und Lieblings-Kunstbewegung oder -Musikrichtung ausgewählt hat, kann man die Maschine noch mit einer kleinen Zeichnung füttern.

Project Muze

© Project Muze

Durch Machine Learning arbeitet Project Muze mit Informationen aus dem Google Fashion Trends Report und Zalandos Expertise im Mode-Trend-Bereich. So kreiert es dann einige interessante Outfits und liefert Informationen dazu, wie diese entstehen. Der Nutzer kann das Design anpassen, indem er weitere Fragen beantwortet. So kann man z.B. sein „Spirit Animal“ angeben oder auswählen, was einen glücklich macht. Das Design wird dann neu berechnet und erstellt. Ob das, was dabei herauskommt, tragbar ist – darüber lässt sich streiten. Aber Spaß macht es in jedem Fall. Hier einige Kreationen:

Project Muze

© Project Muze

Project Muze

© Project Muze

Kaufen kann man die entworfenen Styles (noch) nicht. Dennoch ist das Projekt, das zunächst aus Kundensicht eine nette Spielerei ist, unheimlich spannend und es bleibt abzuwarten, was genau Zalando und Google damit vorhaben.

Fazit

Zalando ist in vielerlei Hinsicht Vorreiter und Innovator im Bereich E-Commerce und Kundenansprache. Natürlich kann jedes Unternehmen kritisch betrachtet werden und auch wir wissen, nicht alles was glänzt, ist Gold. Daher ist dieser Post keinesfalls als Hymne and das große Z zu verstehen, sondern vielmehr als eine Sammlung interessanter Aktivitäten eines großen Online-Players. Vieles wird sich durchsetzen, vieles wird wieder von der Bildfläche verschwinden. Zalando hat sich soweit entwickelt, dass das Unternehmen es sich leisten kann, verschiedene Dinge auszuprobieren. Diesen Luxus haben die wenigsten. Daher ist es einfach spannend, zu beobachten, wie Zalando die Mode-Tech und Shopping-Branche beeinflusst und verändert.

Was Zalando anders macht
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