Lokale Marktplätze

Local Commerce ist derzeit ein großes Thema. Im letzten Post haben wir ja schon darüber gesprochen, dass zwei der Big Player im E-Commerce – Amazon und Zalando – immer stärker auf den lokalen Handel setzen. Auch die Internet-Mogule Google und Apple bieten immer mehr Möglichkeiten, sich als lokaler Händler zu positionieren. Via Google My Business und Apple Maps Connect können Händler für ihr Unternehmen ein Online-Profil anlegen – kostenlos. Die Einträge werden von den Unternehmen natürlich geprüft und gerade für kleinere Unternehmen kann es mitunter schwierig sein, sich hierüber zu positionieren. Nichtsdestotrotz zeigt sich auch hier: Local Commerce ist und bleibt Thema.

Neben den Bemühungen der Big Player versuchen auch lokale Plattformen wie Locafox oder Atalanda, den lokalen Handel zu stärken. Der Gedanke – vor allem bei Atalanda – ist, dass die Anonymität, die beim Einkauf im Internet zwischen Händler und Kunden oft herrscht, aufgehoben werden soll. Der Laden um die Ecke, der das gesuchte Produkt vielleicht gerade im Regal liegen hat, während der Kunde es bei Amazon bestellt, hat eigentlich keine Chance, wenn er sich nicht online präsentiert. Der stationäre Handel ist in vielen Fällen weiterhin davon abhängig, dass Kunden beim Schlendern in der Stadt durch ein ansprechendes Schaufenster in den Laden gelockt werden. Da wollen lokale Marktplätze ansetzen und vor allem kleineren Händler, die sich vielleicht keinen eigenen Webshop leisten können, die Möglichkeit geben, ihr Sortiment online abzubilden. So erscheint auch z.B. der kleine, aber feine Käseladen in der Innenstadt auf dem Radar der Online-Shopper.

Die Frage ist nur: Bringt die Onlinepräsenz automatisch auch mehr Kunden in den Laden? Dies sehen viele noch skeptisch. Das zeigt auch eine Studie, durchgeführt in Zusammenarbeit vom ECC Köln und eBay. Aus Händlersicht besteht laut den Ergebnissen der Mehrwert der Anbindung an lokale Marktplätze vor allem darin, online präsent sein zu können, ohne das Risiko eines eigenen Webshops einzugehen. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Händler sieht Marktplätze jedoch als Möglichkeit, mehr Kunden in den Laden zu bekommen.

Quelle: Marktplatz-KIX von ECC Köln und eBay

Quelle: Marktplatz-KIX von ECC Köln und eBay

Locafox – Onlinemarktplatz mit Produktfokus

Lokale Plattformen wie Locafox oder auch Simply Local stellen das Produkt in den Vordergrund. Als Kunde gibt man seinen Standort an und sucht nach einem bestimmten Produkt. Die Seite präsentiert dann im Idealfall eine Übersicht an Händlern in der Nähe, die das Produkt vorrätig haben. Man kann das Produkt direkt online reservieren und es dann in der Filiale vor Ort abholen. Im Vordergrund steht hier also das Produkt – der Kunde weiß, was er will und kauft es dann bei dem lokalen Anbieter, der am nächsten ist – oder den besten Preis hat.

Screenshot Locafox Startseite

Screenshot Locafox

Wählen kann der Kunde hier zwischen klassischer Onlinebestellung über den Shop des Händlers oder Click&Collect, also Online kaufen, vor Ort abholen. Ab Juni 2016 will Locafox auch Same Day Delivery anbieten. Zunächst beschränkt auf das zentrale Berlin sollen Kunden ihre online bestellten Waren auf Wunsch innerhalb von 90 Minuten geliefert bekommen können. Auch will der Marktplatz die Lieferung zur Wunschzeit anbieten – ein Service, der ebenfalls immer populärer wird. Der Marktplatz orientiert sich scheinbar am Amazon- oder Zalando-Modell und will die Ware dort anbieten, wo der Kunde ist.

Atalanda und die Online Cities

Atalanda setzt den Fokus auf den (lokalen) Händler. Begrüßt wird man beispielsweise auf der Startseite des „Mein Heilbronn Shops“ von den freundlichen Gesichtern lokaler Händler. Das ist nett – doch ist es der optimale Einstieg für den Heilbronner, der gerade akut nach einem bestimmten Produkt sucht? Natürlich bietet die Produktsuche die Möglichkeit, gezielt zu suchen. Dennoch ist fraglich, ob eine Startseite mit aktuellen Angeboten der einzelnen Läden nicht auf den ersten Blick ansprechender wäre. Doch egal wie man diesen Aspekt sieht – das Atalanda Konzept scheint zu funktionieren.

Denn auch die „Online City Wuppertal„, das Vorzeigeprojekt lokaler Marktplätze, ist ein Atalanda-Projekt. Seit Anfang 2015 läuft es nun schon und ist laut Presseberichten ein voller Erfolg. Die stationären Händler von Wuppertal verzeichnen erhöhte Umsätze seit Beginn des Projekts – scheinbar auch offline. Die Onlinebestellung kann über die Atalanda-Plattform als Sammelbestellung abgegeben werden. Der Kunde hat einen Warenkorb und kann damit Waren verschiedener Händler kaufen. Auf Seiten von Atalanda wird die Bestellung jedoch gesplittet und an die jeweiligen Händler weitergegeben. Deshalb können für den Kunden mehrfach Liefergebühren anfallen. Ausgeliefert werden die bestellten Waren dann von Atalandas eigenem Lieferdienst Atalogics.
Alternativ können Kunden – zumindest in Wuppertal – ihre online bestellten Waren gesammelt an einem zentralen Drive-In Schalter abholen.

Screenshot Talkontor Wuppertal

Screenshot Talkontor Wuppertal

Mittlerweile sind neben Wuppertal auch Attendorn, Göppingen, Heilbronn und Wolfenbüttel zu Atalanda-Städten geworden. Das Unternehmen plant weitere Stadt-Plattformen. Das Angebot wird stetig erweitert und immer persönlicher. Dies zeigt ein Praxisbeispiel aus der Schweiz.

SMS-Shopping – Local Commerce in Bern

In Bern startete Atalanda in Zusammenarbeit mit der Schweizer Post einen Onlinemarktplatz names Kaloka. Das Prinzip ist dem der Online City Wuppertal ähnlich – mit einem besonderen Service. Die sogenannte SMS Shopping Funktion lässt Kunden per SMS mit einem Kaloka-Mitarbeiter chatten, um das perfekte Produkt zu finden. Hier kommt man zurück zum Herzstück des lokalen Handels – personalisierte Einkaufserlebnisse.

SMS Shopping Kaloka

© Kaloka

Onlinemarktplätze tun also viel, um den stationären Handel zu stärken. Aus Händlersicht können diese Plattformen eine größere Reichweite des E-Commerce Geschäfts darstellen, oder – besonders für kleinere Händler – eine vergleichsweise kostengünstige Alternative zum eigenen Onlineshop sein. Ohne den Aufwand, der mit der Eröffnung einer „Online-Filiale“ verbunden ist, positionieren sie sich so trotzdem im Web und stärken ihre Chance gegenüber Ketten und Kaufhäusern. Der viel erwähnte ROPO-Effekt (Research Online, Purchase Offline) kann außerdem genutzt werden, um diese Onlineshopper in die stationären Läden zu leiten.

Den Mehrwert für den Kunden beim Einkauf auf lokalen Onlinemarktplätzen sehen wir in den folgenden Punkten: Online-Shopping ist bequem, schnell und unabhängig von Ladenöffnungszeiten. Click & Collect in lokalen Geschäften ermöglicht das Anprobieren vor dem Kauf. Außerdem sind solche Marktplätze eine gute Möglichkeit, neue Geschäfte in der eigenen Stadt zu entdecken. Same Day Delivery ist ein attraktiver Service, wenn man das Produkt unbedingt sofort haben möchte. Da viele Kunden jedoch auch unterwegs online shoppen, ist ein weiterer Service wichtig, den (noch) nicht alle Plattformen anbieten. Und zwar die Lieferung zur Wunschzeit. Natürlich ist es unglaublich angenehm, bestellte Waren innerhalb kürzester Zeit zu bekommen. Doch nicht immer ist man gerade zu Hause oder will die Ware unbedingt sofort in Empfang nehmen können. Als attraktive Alternative zur klassischen Lieferung „in 2-3 Tagen“ ist der Wunschtermin ein Service, der verstärkt angeboten werden sollte – und vermutlich auch wird. 

Spannend dürfte es auch werden, zu sehen, ob sich Locafox, Atalanda & Co. gegen die Online Riesen durchsetzen können.

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