Interview mit den Gründern von store2be – der Buchungsplattform für temporäre Aktions- und Verkaufsflächen

Immer mehr eCommerce Pure-Player suchen ihren Weg in die Offline-Welt. Vielen ist jedoch einerseits evtl. das Risiko des Investments zu groß oder sie wollen die Offline-Welt auch erst einmal testen. Den passenden Standort bzw. die richtige Ladenfläche zu finden und dann anzumieten stellt außerdem einen zusätzlichen Aufwand dar. Viele wollen sich evtl. auch nicht sofort langfristig binden. Eine Möglichkeit für Online-Händler ohne großes Investment einen ersten Schritt in Richtung stationärer Handel zu machen bietet die Online-Buchungsplattform store2be. Das junge Unternehmen vermittelt Laden- und Aktionsflächen von bestehenden stationären Händlern an Online-Händler. Beispielhaft könnte dies wie folgt aussehen…

Beispielhaftes Einsatzgebiet von store2be

Soziale Netzwerke begleiten uns auf Schritt und Tritt. Tagtäglich werden Unmengen an Content über die verschiedenen sozialen Kanäle verbreitet. Visueller Content in Form von Fotos bildet einen großen Anteil hiervon. Nicht nur via Instagram und Facebook lassen sich lustige, bewegende, wichtige und auch nicht so wichtige Momente in Sekundenschnelle teilen und verewigen. Doch manchmal möchte man doch mal wieder ein gedrucktes Foto in der Hand haben. Die Tatsache, dass heute kaum noch jemand akribisch Familienfotos sichtet und in Handarbeit in Fotoalben sortiert, heißt nicht, dass das gedruckte Bild ausgestorben ist. Im Gegenteil: Moderne Technologie ermöglicht eine große Vielfalt an Fotoprodukten, mit denen sich Erinnerungen verewigen lassen. Vor allem mit Hilfe von Onlinetools kann man schnell und unkompliziert die gewünschten Produkte erstellen und personalisieren. Doch wie könnte man eine solche Dienstleistung auch offline verfügbar machen?

Angenommen es gäbe ein junges Unternehmen, welches hochwertige Drucke von Social Media Produkten wie z.B. Instagram-Fotos im Polaroid-Format oder auch Facebook-Alben als gebundene Fotobücher anbietet. Die Jungunternehmer haben sich schon im Bereich Social Printing etabliert und einen festen Kundenstamm aufgebaut. In der näheren Zukunft möchten sie nun gerne ihren Produktkatalog erweitern und ihre Kunden aktiver in die Erstellung der Prints einbinden. Bisher können Bestellungen ausschließlich online abgewickelt werden. Das Drucken und Fertigstellen der Produkte erfolgt dann in einem kleinen Raum, den die Jungunternehmer gemeinsam mieten. Dort gibt es gerade genug Platz für ihr Arbeitsgerät.
Was sie nun brauchen ist eine Verkaufsfläche. Nur so schaffen sie den Sprung vom reinen Onlineunternehmen und steigern ihren Bekanntheitsgrad. Das Unternehmen möchte nicht einfach nur Fotoprodukte erstellen, sondern Social Printing als Erlebnis für den Kunden anbieten. Die Idee ist, zukünftig kleinere Produkte wie Magneten oder Polaroid-Prints direkt vor Ort erstellen zu können. Außerdem möchten sie gerne eine Fotobox aufstellen, aus der die Kunden per App ihre Fotos selbst drucken können. So hoffen sie, ihr Onlineunternehmen buchstäblich unter das Volk zu bringen und mit Offline Erlebnissen zu verbinden.

Was also tun? Einen ganzen Laden anzumieten birgt ein großes Risiko. Außerdem überstiege eine Ladenmiete langfristig das Budget der jungen Gruppe. Optimal wäre es, für ein paar Tage z.B. eine kleine Ladenfläche mieten zu können. Durch eine Internetsuche stoßen sie auf ein anderes Startup, welches die ideale Lösung für ihr Problem zu bieten scheint. Store2be, ein junges Unternehmen aus Karlsruhe, bietet eine Onlineplattform, über welche stationäre Händler kleine bis mittelgroße Ladenfläche zur kurz- oder längerfristigen Miete anbieten. Die Buchung erfolgt über store2be.
Da dieses Konzept noch nicht allzu vielen bekannt sein dürfte, haben wir uns mit den Gründern von store2be unterhalten, um genauer herauszufinden, wie ihr Unternehmen funktioniert.

  1. Wer steht hinter store2be und wie lässt sich euer Startup in einem Satz beschreiben?
Gründerteam store2be

Das Gründerteam von store2be

store2be ist die Buchungsplattform für temporäre Aktions- und Verkaufsflächen in Einzelhandelsgeschäften, Shoppingcentern und an außergewöhnlichen Orten wie Fitnessstudios oder Universitäten. Hinter store2be stehen die vier Gründer Marlon, Sven, Emil und Peter. Marlon und Sven kennen sich aus ihrem Studium an der WHU in Vallendar und bilden die betriebswirtschaftliche Seite des Gründerteams. Auch Emil und Peter kennen sich aus ihrer gemeinsamen Studienzeit am Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Sie treiben als technische Seite des Gründerteams das Produkt voran.

  1. Wie ist eure Idee entstanden?

Die Idee zu store2be ist während unserer Arbeit in diversen anderen Startups entstanden. Dort ist uns aufgefallen, wie wichtig und zugleich komplex das Thema Offline Marketing ist. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass vor allem solche Unternehmen langfristig erfolgreich sind, die auf mehrere Customer Touchpoints und Kanäle (Stichwort: Omnichannel-Marketing) setzen. Eine stationäre Präsenz ist jedoch mit hohem Aufwand verbunden und der Erfolg solcher Aktionen schwer messbar. Genau da setzen wir mit store2be an und bieten unseren Kunden alles für eine erfolgreiche Aktion. Gleichzeitig lässt sich in unseren Augen eine zunehmende Uniformität und ein starker Druck zur Weiterentwicklung im Einzelhandel beobachten. Indem wir neuartige Marken und Produkte mit stationären Händlern und ihrer Infrastruktur zusammenbringen, stärken wir beide Gruppen und bringen wieder mehr Abwechslung in den Einzelhandel.

  1. Wer nutzt store2be bisher hauptsächlich?

Die buchenden Unternehmen sind aktuell viele Online-Unternehmen und Konsumgüterunternehmen. Künftig wird store2be aber vermutlich auch für Einzelhändler interessant, die temporär an neuen Orten auftreten möchten.

  1. Inwieweit seid ihr in die Umsetzung der temporären Stores vor Ort involviert?
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Eine Verkaufsaktion, organisiert von store2be

Unser Ziel ist der Aufbau einer „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt. Das heißt: Neben der richtigen Fläche bieten wir unseren Kunden auf Wunsch auch die entsprechenden Zusatzleistungen wie Standbau, Logistik und Personal. Somit lassen wir unseren Kunden nicht mit der Fläche alleine, sondern teilen unsere Erfahrungen und Ressourcen, um ihm den maximalen Erfolg auf der Fläche zu ermöglichen. Auf der Fläche selbst sind wir dann nicht mehr involviert. Hier steht der Kunde im Fokus. Während junge Gründer meist noch selbst vor Ort aktiv sind, setzen gerade unsere größeren Kunden Promotion-Personal ein.

  1. Welche Marketingmaßnahmen nutzt ihr, um store2be zu vermarkten?

Die Vermarktung von store2be ist unsere größte Herausforderung. Wir merken, dass unsere Lösung sowohl auf Vermieter- als auch auf Mieterseite Anklang findet. Allerdings sind wir als B2B-Lösung kein klassisches Online-Marketing-Produkt und nutzen deshalb alternative Wege, um unsere potenziellen Partner und Kunden zu erreichen. Derzeit setzen wir viel auf Tele-Sales und E-Mails, um zunächst eine Grundbekanntheit zu erlangen. Darüber hinaus merken wir, wenn zufriedene Kunden oder Medien positiv über uns berichten und uns aktiv als Lösung weiterempfehlen.

  1. Beschränkt sich die Zusammenarbeit auf die Vermittlung der Flächen?

Unsere Lösung von store2be beschränkt sich explizit nicht auf die reine Vermittlung der richtigen Flächen. Zusatzleistungen, die wir bereits heute anbieten können, umfassen Stände für den stationären Auftritt, Logistik, Einlagerung aller Materialien, Personal und mobile Bezahlsysteme. Darüber hinaus arbeiten wir derzeit eifrig an unterschiedlichen Offline-Tracking Lösungen, um den Erfolg der stationären Aktionen unserer Kunden messbar zu machen. Unser großes Ziel ist wie gesagt die Entwicklung einer „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt!

  1. Könnt ihr etwas mehr sagen über die Offline-Tracking Lösungen, an denen ihr derzeit arbeitet?

Vor allem durch unsere ersten Kunden, die oft aus der Online-Welt kommen, haben wir erfahren wie wichtig die Messbarkeit von stationären Aktionen ist. Natürlich wollen sie wissen, wie viele Leute ihren Stand gesehen haben und wie viele Leute letztlich auch stehen geblieben sind. Online ist das einfach möglich, Offline ist das eine technische Herausforderung. Gemeinsam mit einem Partner arbeiten wir derzeit aber an einer technischen Lösung, um auch Offline einen gewissen „Conversion Funnel“ abbilden zu können. Mehr möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, wir werden es aber rechtzeitig ankündigen.

  1. Inwiefern denkt ihr, dass store2be dabei helfen kann, dem Aussterben der Innenstädte langfristig entgegenzuwirken?

Wir denken, dass store2be einen wertvollen Beitrag dazu leistet, dass sich der stationäre Einzelhandel im Zuge der Digitalisierung weiterentwickelt und die Vorteile nutzt, die diese Entwicklung mit sich bringt. Unsere Vision ist es, dass Innenstädte künftig die Orte sein werden, an denen soziale Interaktionen und reale Begegnungen mit Marken stattfinden. Dazu muss sich der stationäre Einzelhandel aber vom reinen Produktverteiler hin zu einem Ort wiederkehrender Erlebnisse wandeln – ansonsten haben Endkunden künftig keinerlei Gründe, in Geschäfte zu strömen und Stunden in Innenstädten zu verbringen. store2be wirkt also nicht unmittelbar, definitiv aber mittelbar, dem Aussterben der Innenstädte entgegen, weil wir den stationären Handel auf dem Weg in die zunehmende Digitalisierung begleiten und ihn durch Abwechslung und Erlebnisse attraktiv für Endkunden halten.

  1. Nach welchen Kriterien wählt ihr aus, ob die Kleinunternehmer zu den Anbietern von Ladenflächen passen?

Neben der Kundenfrequenz ist vor allem die Kundengruppe entscheidend, wenn es darum geht, ob eine Fläche zu einem bestimmten Mieter passt. Derzeit fragen wir von unseren Vermietern beispielsweise die klassischen Kundenkriterien wie Alter, Geschlecht und Einkommen ab. Die meisten werbetreibenden Unternehmen haben ein genaues Bild ihrer Zielgruppe und können anhand dieser Informationen die richtige Fläche für sie finden. Während beispielsweise einer unserer Kunden (ein natürlicher Anti-Kater-Drink) explizit junge, eher männliche Kunden anspricht (die richtige Fläche war ein Fitnessstudio in Universitätsnähe), fragte ein anderer Kunde (eine Speicheranlage für Solarstrom) nach einer Zielgruppe mittleren Alters mit höherem Einkommen – die richtigen Flächen fanden wir hier in Baumärkten und Shoppingcentern in eigenheimstarken Wohngebieten. Natürlich werden wir diesen „Matching-Prozess“ zwischen Flächen und werbetreibenden Unternehmen künftig weiter verbessern. Hier haben wir sowohl konzeptionell als auch technisch noch einiges geplant und werden im Laufe des Jahres mehr bekannt geben.

  1. Welche Vorteile ergeben sich für die Vermieter der Flächen aus der Nutzung eurer Dienste im Gegensatz zur eigenständigen Vermietung von Ladenflächen?

Grundsätzlich profitieren unsere Flächenpartner von store2be, weil wir ihnen mit store2be ein kostenloses Tool an die Hand geben, mit dem sie ihre Flächen Online vermarkten können. Wir vergrößern außerdem die Reichweite und die Bekanntheit der verfügbaren Flächen. Es ist ja nicht das Kerngeschäft unserer Partner, ihre Flächen zu vermarkten; darauf konzentrieren wir uns. Tatsächlich werden (wir) auch oft mit klassischen Hotel-Buchungsplattformen verglichen. Auch hier profitieren Hotels ja von der größeren Reichweite durch eine bekannte Plattform als Partner, wenn auch in diesem Fall, anders als bei uns, nicht kostenlos. 

  1. Wie seht ihr eure Situation in Bezug auf Konkurrenz? Habt ihr starke Konkurrenz? Wenn ja, wie hebt store2be sich davon ab?

Es gibt diverse Anbieter, die sich auf die Vermittlung von leerstehenden Geschäften als temporäre PopUp Locations konzentrieren. Von diesem Fokus haben wir uns relativ schnell verabschiedet, weil dieser Markt in unseren Augen bereits gut besetzt ist. Unser Fokus liegt auf solchen Flächen, die bereits belebt sind und über eine Infrastruktur verfügen. Solche Flächen können zum Beispiel in bestehenden Einzelhandelsgeschäften (store-in-store) und Shoppingcentern, aber auch an außergewöhnlichen Orten wie Fitnessstudios oder Kinos sein. Durch die Konzentration auf diesen Flächentyp differenzieren wir uns von anderen Unternehmen im Bereich „Agile Retail“. Darüber hinaus bieten wir eine „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt und bieten nebender Fläche selbst auch alle relevanten Zusatzleistungen. Auch dadurch möchten wir uns differenzieren.

12. Wie seht ihr die Zukunft von store2be?

Unsere wichtigsten Schritte im Jahr 2016 sind der Ausbau unseres Flächenportfolios über unterschiedliche Flächentypen und die Ansprache neuer Kundengruppen, für die unsere Lösung relevant ist. Derzeit befindet sich der Großteil unserer Flächen in Shoppingcentern und inhabergeführten Geschäften; im Jahresverlauf werden wir noch weitere Flächentypen anschließen, damit jedes Unternehmen über store2be mit wenigen Klicks an den Orten auftauchen kann, wo es seine Zielgruppe optimal erreicht. store2be_logo_v_b_780x620
Darüber hinaus entwickeln wir unser Produkt konsequent weiter, um den Abstimmungsprozess zwischen Mietern und Vermietern von Flächen Schritt für Schritt zu vereinfachen und zu automatisieren. Langfristig möchten wir store2be als ernsthaften neuen Marketingkanal etablieren. Wir glauben fest daran, dass Unternehmen künftig wieder vermehrt auf stationäre Marketingelemente setzen werden. Dazu muss es uns gelingen, die Buchung einer stationären Präsenz so einfach zu gestalten wie die Buchung einer Online-Kampagne.

Im Falle von unserem Social Printing Unternehmen scheint dies genau der richtige Weg zu sein. Es wäre eine gute Möglichkeit, eine Fläche über store2be anzumieten und so den ersten Schritt in Richtung stationärer Handel zu wagen. Und dies ohne das Risiko, sich mit einer Ladenmiete zu übernehmen. Vielleicht würde es auch mehrere Buchungen über store2be geben, die dem jungen Unternehmen dabei helfen könnten, auch offline erfolgreich zu sein.

– Danke an die Gründer von store2be für das Interview!

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Eine Antwort auf Interview mit den Gründern von store2be – der Buchungsplattform für temporäre Aktions- und Verkaufsflächen

  1. Vielen Dank an das regital.de-Team für das Interview! Bei Fragen und Anregungen stehen wir Lesern und Interessenten natürlich jederzeit zur Verfügung!

    Das store2be-Team

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