Digital Payment

Das rasante Wachstum des E-Commerce und die Digitalisierung im stationären Handel bringen Veränderung in allen Bereichen des Einkaufen mit sich. Eine interessante Entwicklung ist die der Zahlungsmethoden. Online läuft die Bezahlung meist über unser Onlinebanking per Überweisung oder Bankeinzug, über digitale Zahlungsmethoden wie Paypal oder durch die Eingabe unserer Kreditkartendaten ab.

Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel

Stationär ist Studien zufolge Bargeld nach wie vor das bevorzugte Zahlungsmittel der Deutschen, auch wenn die Kartenzahlung immer beliebter wird. Doch ständig gibt es Neuigkeiten über digitale und biometrische Zahlungsmethoden, die die Abläufe beim stationären Einkauf schneller und einfacher machen sollen. In diesem Beitrag wollen wir uns einige dieser Verfahren genauer anschauen und diskutieren, wie die Chancen für eine Ablösung des Bargelds als beliebtestes Zahlungsmittel in Deutschland stehen.

Apple Pay, Android Pay und das Problem mit den Kreditkarten

Das Smartphone unterstützt und begleitet die meisten von uns in allen Lebenslagen. Eine aktuelle Befragung von Statista zeigt, dass 2015 bereits 64% der Deutschen ein mobiles Endgerät nutzten, um online einzukaufen – Tendenz steigend. So ist es also nicht abwegig, auch mit dem Smartphone bezahlen können zu wollen. Oder doch? Wir haben es sowieso immer bei uns und griffbereit – warum sollten wir, statt mühselig nach Kleingeld zu kramen, nicht einfach mit unserem Handy bezahlen können?

Das dachten sich wohl auch Google und Apple, als die beiden Unternehmen ihre Mobile Payment Systeme Apple Pay und Android Pay starteten. Während zumindest Apple Pay seit dem Start 2014 neben den USA in fünf weiteren Ländern angelaufen ist, funktioniert Android Pay bisher nur in den Vereinigten Staaten. In Deutschland ist die Nutzung keiner der beiden bisher möglich. Doch woran liegt das?

Apple Pay

Apple Pay

Die Problematik liegt in der Akzeptanz. In Deutschland ist die Zahlung per Karte zwar etabliert – allerdings hauptsächlich per EC-Karte. Bei Kreditkarten sieht es anders aus. Obwohl das Volumen der Kreditkarten im deutschen Einzelhandel gewachsen ist, machten Kreditkartenzahlungen 2015 gerade mal 5,7% des Gesamtumsatzes aus. Und genau hier liegt das Problem. Denn sowohl Apple Pay als auch Android Pay setzen eine Kreditkarteninfrastruktur voraus. Als Grund für die mangelnde Akzeptanz von Kreditkarten im deutschen Einzelhandel sieht bspw. Horst Rüther, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute, „die kreative Neuentwicklung sogenannter Card Scheme Fees“. Nachdem die EU die Gebühren für Kreditkartenzahlungen im Handel 2015 reguliert hatte, versuchen Kreditinstitute nun, durch eigene Gebühren wieder mehr an Kreditkartenzahlungen zu verdienen – sehr zum Leidwesen des Handels.
Und genau diese Problematik ist laut Sparkassen- und Giroverband der Grund dafür, dass wir Deutschen bisher Apple Pay noch nicht im Handel nutzen können.

 „Wir machen es lieber selbst“ – die Banken stellen sich quer

Doch ist dies wirklich der einzige Grund? Apple Pay ließe sich auch mit Debit-Karten nutzen. Es kann also nicht allein an der fehlenden Kreditkartenkultur liegen. Ein durchaus plausiblerer Grund ist wohl, dass mit paydirekt vor Kurzem ein digitales Bezahlsystem auf den Markt gekommen ist, an dem der Großteil der deutschen Kreditinstitute beteiligt ist.

Paydirekt

Paydirekt

Für Verbraucher ist die Nutzung sicher und einfach – Händler hingegen müssen sich mit den jeweiligen Banken einzeln einigen. Ein sehr mühsames Unterfangen, welches wohl auch der Grund für die bisher sehr geringe Zahl an teilnehmenden Händlern ist.

Während paydirekt als Bankprodukt sicherlich bei Kunden gut ankommt, sehen wir zwei zentrale Probleme: Der Markt ist schon abgedeckt. PayPal ist so stark, dass es sehr schwierig werden dürfte, ein alternatives, jedoch sehr ähnliches System auf dem Markt zu etablieren. Außerdem ist Mobile Payment auch bei paydirekt noch Zukunftsmusik. Der Dienst funktioniert beim Online-Shopping, doch im stationären Handel lässt sich immer noch nicht mit dem Smartphone bezahlen. Hier könnte Apple Pay sich letztendlich doch durchsetzen. Es stellt sich also die Frage, ob Verweigerung die richtige Strategie im Kampf um den Mobile Payment Sektor ist. Sollten deutsche Kreditinstitute nicht versuchen, sich mit Apple und Google zu einigen? Angeblich schraubt auch Microsoft aktuell an einem Mobile Payment System. Somit sind bald die drei größten Anbieter von Smartphones und Betriebssystemen mit Mobile Payment startklar. Ob sich dann von Banken selbst entwickelte Systeme noch durchsetzen können, bleibt mehr als fraglich.

Auch Mobilfunkanbieter versuchen vermehrt, ins Payment-Geschäft einzusteigen. So gab beispielsweise Telefónica Deutschland kürzlich bekannt, dass Kunden bald das sogenannte O2 Banking nutzen können. In Zusammenarbeit mit der Online-Bank Fidor bietet O2 ein an den Mobilfunkvertrag gekoppeltes Konto an, über welches neben klassischen Online Banking Funktionen auch Zahlungen an Handynummern oder Emailadressen geschickt werden können. Als „Zinsen“ erhalten Nutzer zusätzliches Datenvolumen zum mobilen Surfen. Bei Kontoeröffnung erhalten Kunden auch eine klassische Debitkarte. Die Zahlung zwischen Privatpersonen ist hiermit also schon mal digital möglich. Interessant ist aber, dass Telefónica für den Gebrauch im Handel dennoch auf eine klassische Kartenzahlung setzt.

Blue Code – Mobile Payment made in Austria

In Österreich ist mobile Payment schon einen Schritt weiter. Das Unternehmen Secure Payment Technologies ist dort mit seiner Lösung Blue Code schon 2015 erfolgreich gestartet. Die App gibt es sowohl für iOS als auch für Android. Bankpartner sind die österreichischen Sparkassen sowie die Hypo Tirol Bank, doch die App funktioniert mit jedem österreichischen Bankkonto. Für Kunden der Partnerbanken läuft die Anmeldung über das Online-Banking, bei anderen österreichischen Banken via SEPA-Lastschriftmandat – ähnlich wie bei PayPal.

Der Bezahlvorgang ist ganz einfach: Die App generiert für jede Zahlung einen einzigartigen, blauen Barcode, welcher 4 Minuten lang gültig ist. Wird dieser an der Kasse gescannt, erfolgt die Bezahlung über das verknüpfte Girokonto. Der Kunde gibt seine Daten damit nicht an Dritte weiter und kann sicher bezahlen. Auch an Automaten (via Blutetooth) und online (durch Eingabe des Zahlencodes unter dem generierten Barcode) können Kunden mit Blue Code bezahlen.

„2016 wollen wir nach Deutschland expandieren und weitere Partner von unserer praktischen Alternative zur Bar- oder Kartenzahlung überzeugen“, so Gründer Michael Suitner auf der EuroCIS im Februar, als Blue Code den Bronzepreis in der Kategorie Zahlungsmanagement für das „Top Produkt Handel 2016“ erhielt.

Loyalty-Programme als Einstieg ins Mobile Payment

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Payback Pay – Bild von mobilbranche.de

Im Juni 2016 will Payback eine Bezahlfunktion zur Payback-App hinzufügen. Zunächst soll dies nur in Märkten der Drogeriekette dm möglich sein, weitere Händler sollen später folgen. Die Zahlung per App soll durch NFC und per QR-Code möglich sein. Eingezogen werden die Beträge dann per Lastschriftverfahren. Basierend auf der Technik von United Mobility Technology soll die Zahlung absolut sicher sein, denn weder UMT noch Payback haben Zugriff auf Kundendaten, sondern werden von einem „zertifizierten Zahlungsdienstleister verarbeitet“, so Albert Wahl von United Mobility Technology in einem Interview mit ZDNet.
Auch Unternehmen wie z.B. Starbucks und bald auch Coca-Cola bieten ihren Kunden Mobile Payment im Rahmen ihrer eigenen Apps an. Wie der Prozess bei Coca-Cola genau sein wird, ist noch nicht bekannt. Das Unternehemen gab ledliglich bekannt, dass es seine Get Happy App, mit der Kunden Punkte sammeln können, um eine Bezahlfunktion erweitern will. Starbucks bietet Mobile Payment schon länger an – allerdings beschränkt sich die Zahlungsfunktion natürlich auf die eigenen Geschäfte. Die Zahlung läuft hier prepaid über die Starbucks Card. Was beide Unternehmen als Einstieg nutzen, ist ihr jeweiliges Loyalty Programm. Kunden sind es schon gewohnt, per App Bonus- oder Treuepunkte zu sammeln und die mobile Zahlung soll ihnen als Zusatzfunktion näher gebracht werden. Das ist wohl auch der Ansatz von Payback. Doch während unternehmenseigene Apps mit Zahlfunktion einen begrenzten Kundenstamm und ein begrenztes Einsatzgebiet haben, scheint Payback eine größere Bedrohung für die Pläne der Banken darzustellen. Mit einer wachsenden Zahl an Partnern und Nutzern könnte Payback Pay sich schnell ausbreiten und zumindest in Läden, die mit Payback kooperieren, als bevorzugtes Zahlungsmittel etablieren. Denn wenn man schon die Payback App aktiviert hat, um Punkte zu sammeln – warum sollte man dann eine andere App öffnen, um mobil zu bezahlen?

Bezahlen per Fingerabdruck – attraktive Alternative oder Science Fiction?

Es tut sich also viel im Bereich Payment. Neben Mobile Payment scheint auch die Zahlung mittels biometrischer Identifikationsmethoden an Zuspruch zu gewinnen. Auch hier hat z.B. Apple vorgelegt – schon 2013 begann mit Veröffentlichung des iPhone 5S die Ära der Touch ID Funktion. Auch bei der Nutzung von Apple Pay kann man quasi mit seinem Fingerabdruck bezahlen. Auch Samsung bietet in Zusammenarbeit mit PayPal die Authentifizierung mittels Fingerabdruck-Scan auf dem Smartphone oder Tablet an.

Viele Smartphone-Nutzer sind es also schon gewohnt, ihren Fingerabdruck als fälschungssichere Methode der Authentifizierung von Zahlungen zu nutzen – gegebenenfalls sogar ohne Smartphone. So zeigt eine Studie des ECC Köln, dass knapp zwei Drittel der befragten Verbraucher auf biometrischen Daten basierende Zahlungsmethoden für eine interessante Alternative zu den klassischen Methoden halten. Händler scheinen hingegen skeptischer eingestellt, wie die folgende Grafik zeigt.

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Quelle: ECC Köln

Interessant ist hier, dass die Bereitschaft für Mobile Payment und biometrische Zahlungsmethoden im Vergleich bei Händlern und Verbrauchern genau umgekehrt zu sein scheint. Wie kommt das?

 

Wir sehen einen möglichen Grund hierfür darin, dass Konsumenten evtl. skeptisch gegenüber der Sicherheit von Mobile Payment sind. Die Eingabe vertraulicher Bankdaten in Apps mag vielen noch unsicher erscheinen – ein Smartphone lässt sich immerhin stehlen und hacken. Da wirkt die Bezahlung per Fingerabdruck oder Iris-Scan sicherer und findet vermutlich deshalb größeren Anklang bei Konsumenten.
Händler hingegen sehen Mobile Payment vermutlich als leichter umsetzbar. Die Technologie ist in diesem Bereich schon relativ weit entwickelt und die Installation der benötigten Hardware (wie z.B. NFC-Lesegeräte) deshalb bezahlbar. Fingerabdruck- und Iris-Scanner klingen da schon hochpreisiger.

Dennoch bieten lediglich 1,9% der befragten Händler Mobile Payment bereits an. Auch hier ist also noch Luft nach oben, auch wenn die Bereitschaft schon mal da ist. Die vollständige Pressemitteilung und den Link zur Studie gibt es hier.

Der Bereich Payment ist im Wandel und man kann damit rechnen, dass sich noch einiges tun wird. Vielleicht dürfen auch wir Deutschen bald mit unseren Smartphones bezahlen – oder wir nehmen einfach unseren Fingerabdruck.

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3 Antworten auf Digital Payment

  1. Pingback: Payback PAY – Unser Praxistest | DigitalRetail – Blog zur digitalen Transformation im Handel

  2. Thomas sagt:

    In diesem Bereich wird sich ganz sicher noch einiges tun. Es bleibt abzuwarten, welche Zahlungsmethoden sich aber auch auf Dauer durchsetzen werden. Die Zeit wird zeigen, was unter anderem aus Apple Pay wird.

  3. Pingback: Digital Loyalty Programme | DigitalRetail – Blog zur digitalen Transformation im Handel

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