Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen…

Die Zukunft wird kommen und sie wird anders sein, als die Vergangenheit oder Gegenwart.
Veränderung ist ein Dauerzustand und jede Energie, die in das Bewahren des Status-Quo gesteckt wird, ist vergebene Liebesmüh, verschwendet und raubt Kraft, sich auf das Neue vorzubereiten.
Als Unternehmen – egal ob Industrie oder Handel – muss man sich dieses Grundlegenden Mechanismusses immer wieder bewußt sein.
Ein Unternehmen muss sich somit selbst in einem laufenden Wandlungsprozess bleiben, darf sich keine fest eingefahrenen Routinen leisten, sondern muss flexibel und anpassungsfähig bleiben.
Meine einfache Grundformel: Effektivität schlägt Effizienz! Die richtigen Dinge zu tun ist besser, als die Dinge richtig zu tun – wenn man etwas bis zum Ende durchoptimiert hat, kann es für die Zukunft schon zu spät sein, da der fortwährende Wandel das Optimierte ggf. schon obsolet gemacht hat.

Laotse hat dies sehr schön beschrieben und diese Grundphilosophie lässt sich auch sehr schön auf das Management, Unternehmensprozesse usw. übertragen:

Das, was auf dem Weg zählt, ist die Fähigkeit zum Wandel.

Weich und zart ist der Mensch bei seiner Geburt,
starr und knöchern, wenn er stirbt.

Fein und biegsam sind die Pflanzen, wenn sie entstehen,
hart und saftlos, wenn sie absterben.

Starr und hart ist, was dem Tod anheimfällt,
weich und zart ist, was vom Leben erfüllt ist.

Demgemäß gilt: Wer steif und starr ist, ist ein Schüler des Todes.
Wer weich und nachgiebig ist, ist ein Schüler des Lebens. (Laotse, 76)

Bleiben Sie flexibel! Effektivität schlägt Effizienz!
Um sich auf die Zukunft vorzubereiten, sind somit zweierlei Grundvoraussetzungen notwendig.
Einerseits die nötige Flexibilität in allen Prozessen, um sich fortwährend ändernden Umfeldbedingungen anzupassen (Vorsicht vor rein kostenoptimierter Effizienzsteigerung – ein Kostendruck ist eher ein Warnsignal, dass bestehende Prozesse vor der schöpferischen Zerstörung stehen). Um nicht fortwährend passiver Anpasser zu sein ist andererseits eine weitere Voraussetzung für zukunftsorientiertes Handeln, dass man den Markt aktiv selbst gestaltet.
Die Zukunft hat noch nicht stattgefunden, d.h. es besteht die Chance, diese selbst aktiv zu gestalten und Dritte in die passive Anpasserrolle zu drängen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass man immer Erfinder sein muss. Man sollte nur der oder einer der Ersten sein, der das Neue im Markt durchsetzt und die richtigen Dinge tut (Effektivität ist also das oberste Gebot!).

Stets wachsam sein!
Während sich ein Ohr mit dem Tagesgeschäft auseinandersetzt und sich hier mit den „normalen Optimierungen“ auseinandersetzt, muss das andere Ohr wachsam für Veränderungen sein. Welche Entwicklungen könnten dem bisherigen Geschäftsmodell und der Struktur gefährlich werden. Aber viel wichtiger ist die Frage: Welche Chancen ergeben sich durch diese Veränderungen für mich. Chancen-Denke anstatt Abwehr- und Blockade-Denke sollte ein Unternehmen auszeichnen, welches dauerhaft im Markt erfolgreich sein möchte.

Die Grundphilosophie dieses Blogs
Aber warum erzähle ich dies hier?
Es geht um die Grundphilosophie dieses Blogs und hier speziell um die Grundphilosophie für den Handel.
Anstatt eCommerce zu verteufeln, sollte man als stationärer Händler versuchen, den richtigen Weg zu finden, diese Veränderungen für sich nutzbar zu machen. Ebenso sollten auch Online-Händler nicht leichtfertig und arrogant über die stationären Händler lächeln und herziehen und sie versuchen tot zu reden, weil man ihnen derzeit noch Umsatz wegnimmt. Denn auch der Online-Handel befindet sich in einem laufenden Veränderungsprozess und ehe man es sich versieht, ist das eigene Geschäftsmodell obsolet. Wir erleben derzeit auch im Online-Handel einen enormen Verdrängungswettbewerb und auch hier steht ein starker Wandel bevor – wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit: Schöpferische Zerstörung im Sinne Schumpeters.
Die Ursachen dafür sind klar und lassen sich sehr gut an der Lebenszykluskurve beschreiben. Nach anfänglichen hohen Wachstumsraten im eCommerce, nimmt der Wachstum des Gesamtmarktes ab.

Die Online-Märkte sind mehr und mehr gesättigt und neue Geschäftsmodelle, welche das Wachstum wieder beschleunigen könnten, sind derzeit nicht erkennbar. Das Starke Wachstum bei einzelnen Händlern, wie bspw. Zalando, ist im Wesentlichen durch Verdrängung geprägt – nicht aber dadurch, dass ein neuer Markt entstanden ist. Neue Wachstumsmärkte gibt es derzeit wenige. Der Gesundheitsmarkt ist einer dieser Zukunftsmärkte, wo echtes Marktwachstum, also nicht Wachstum durch Verdrängung entsteht.
Der eCommerce-Markt pendelt somit immer mehr – gemäß der neoklassischen Gleichgewichtstheorie – auf das Marktgleichgewicht mit den bekannten Folgen zu.

Neues Wachstumsmöglichkeiten sehen manche Online-Pureplayer in der Flucht in den Offline-Bereich. Immer mehr bisherige Online-Pureplayer eröffnen stationäre Läden – wie notebooksbilliger.de, cyberport.de, MyToys oder MyMuesli, eBay, Groupon oder DaWanda. Erfolgreich können diese Konzepte aber nur sein, wenn sie nicht den gleichen Fehler machen, wie die bisherigen stationären Händler und das Internet außen vor lassen, sondern nur, wenn das Internet und die damit verbundenen Chancen in der Offline-Welt genutzt werden. Mit speziellen Stationär-Online-Konzepten, wie sie bspw. eBay austestet.

3D-Druck wird Industrie und Handel nachhaltig verändern!
Eine weitere Veränderung, welche sowohl Online- als auch Offline-Handel mit voller Breitseite treffen wird, ist das Thema 3D-Druck bzw. durch DIY geprägte Entwicklungen. Sicher nicht von heute auf morgen, aber aufzuhalten ist diese industrielle Revolution (oder Evolution) nicht mehr.
Auch hier ist die Zeit nicht mehr zurückzudrehen. Auch hierbei gilt also die Grundausrichtung: Nicht dagegen ankämpfen und (sich) blockieren, sondern diese Entwicklung akzeptieren und die Chancen hieraus für sich ziehen.

Um ein kleines Gefühl zu vermitteln wohin die Reise geht, lohnt es sich, den kürzlich in der FAZ erschienenen Artikel zu lesen.
Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass 3D-Druck nur der Anfang ist und in ca. 20 Jahren digitale Fertigungsgeräte aus Atomen und Molekülen in einem „Druckvorgang“ vollständig funktionierende Objekte herstellen werden, also einschließlich der mechanischen Bauteile, der Sensoren, der Elektronik usw. Die Analogie zum Entwicklungspfad des PC sind deutlich. In den 1950er Jahren waren Großrechner nur in Eliteinstituren, Behörden und sehr großen Unternehmen. Zehn Jahre später erschienen die ersten Kleincomputer. Im Vergleich zum 3D-Druck befinden wir uns kurz vor dem Umschwung, also in der Phase der Amateurinformatiker der 1970er Jahre, denn die Werkzeuge und Mschinen sind vorhanden.

Wie auch bei der Musik, wird es beim 3D-Druck sein. Nach einer anfänglichen Phase der Piraterie wird durch Behörden und in alten Strukturen verhaftete Unternehmen versucht werden, die illegale Verbreitung einzudämmen. Auch ihnen wird es nicht gelingen. Legale Plattformen nach dem Vorbild von iTunes können die Designdaten verkaufen. Vielleicht sparen wir uns auch die Pirateriephase, da es Plattformen mit diesem Ansatz, wie bspw. Shapeways etc. schon gibt.

Anstatt bspw. einen Standard-Stuhl, der unter zweifelhaften Arbeitsbedingungen Tausende Kilometer entfernt produziert wurde, bei IKEA zu kaufen, wird es möglich sein, eine Basisdatei zu erwerben und diese bei Bedarf den eigenen Anforderungen, wie bspw. Größe, Farbe, etc., anzupassen und dann den Stuhl direkt selbst (daheim, in der Gemeinde oder einem Druckshop bzw. „Händler“ mit Druckdienstleistung) „ausdrucken“. Auch das Müllaufkommen wird reduziert werden, da man einerseits selbst schnell Ersatzteile fertigen kann oder andererseits den Gegenstand einfach „recyclen“ und daraus ein neues Produkt herstellen kann. Neben Auswirkungen auf Industrie und Handel wird die digitale Fertigung auch Auswirkungen auf Bildung und das Ausbildungssystem haben.

Wozu 3D-Druck mittlerweile heute schon in der Lage ist, zeigt sehr anschaulich folgendes Video:

Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen…
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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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2 Antworten auf Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen…

  1. Ein sehr guter Artikel, vielen Dank dafür!
    Besonders der erste Teil spricht mir aus dem Herzen. Im Buch die Jahrhundertchampions gab es ein Kapitel, das hieß Effizienz schlägt Innovation, mit dem ich mich sehr kritisch auseinandergesetzt habe und definitiv Ihre Grundformel vorziehe. Immer wichtiger gegenüber herkömmlichen Denken ist daher alles, was einen stetigen Wandel ermöglicht – eine positive, offene Unternehmenskultur, eine echte Vision und vor allem Menschen die diese Ideen begeistert leben und in Netzwerken mit allen Partnern vorantreiben.

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