Cross-Channel als Pflicht – auch für derzeitige „Pure-Player“

Auf dem Handelkongress, der gestern gestartet ist bezeichnete HDE-Präsident Sanktjohanser „Multi-Channel“ als Megatrend. Gemeint ist hiermit die Fähigkeit der Händler, den Kunden auf seiner Shopping-Tour durch möglichst viele Absatzkanäle zu begleiten und an sich zu binden.
Hierzu gehören stationäre Geschäfte, das Kataloggeschäft, Online-Marktplätze und -Shops, für Smartphones und Tablet-PCs optimierte Webseiten, Apps mit integrierter Shoppingfunktion und vieles mehr.
Diese Kanäle dürfen jedoch nicht mehr wie in der Vergangenheit nebeneinander existieren, sondern müssen miteinander so verschmolzen werden und jeder Kanal dabei zusätzlich seine spezifischen Vorteile ausspielen kann.
Da der Kunde auf allen Kanälen – also Cross-Channel – unterwegs ist, erwartet er auch, dass alle Kanäle miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt sind. Möglich wird dies durch das Internet als Basistechnologie, welches somit verstärkt Einzug in die reale Welt hält.
Nur durch Cross-Channel hat der Handel die Möglichkeit, sich die nicht nur die Chancen für die Zukunft zu sichern, sondern langfristig auch seine Existenz.

Hierbei sind neue Technologien notwendig, über die sich realer und digitaler Einkauf vermischen lassen. Es gibt hier schon einige spannende Ansätze, über ja regelmäßig in diesem Blog berichtet wird.

Erste einfache Ansätze, bei denen reale und digitale Welt miteinander verschmelzen, gibt es ja bspw. durch das Einscannen von Bar- oder QR-Codes von Produkten, um Details zu dem Produkt zu erfahren. Aber selbst diese Anwendung stellt viele Händler bereits vor große Herausforderungen, da vorausgesetzt ist, dass alle Informationen über Produkte – und nicht nur der Preis, sondern detaillierte Beschreibungen, Bilder und evtl. Videos, etc. digital vorliegen.
Multi- und Cross-Channel klingt zunächst sehr einfach, ist aber somit für viele Händler im Alltag aber eine enorme Herausforderung. Es reicht keinesfalls aus, lediglich Preis und Sortiment aus den Filialen in den Online-Shop zu übertragen. Findet der Kunde im Laden nicht das richtige Produkt, ist er nicht nur unzufrieden, sondern die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er nicht auf den Online-Shop des Händlers ausweicht, sondern gleich mit dem Kanal den Anbieter wechselt. Es sind nicht nur Preise, Sortiment, detaillierte Produktinformationen, IT und Logistik aufeinander abzustimmen, sondern auch die Kundeninformationen – und zwar in allen Kanälen. Das kostet Zeit, Geld, und erhöht die interne Komplexität.

Die ebay-Studie „Die Zukunft des Handels“ zeigt, dass vieles zwar noch Zukunftsmusik ist, aber dennoch zeigt sie den Weg auf, um die der Handel kurzfristig nicht herum kommen wird.
Ebay-Deutschlandchef Martin Tschopp geht davon aus, dass wir nicht mehr weit davon entfernt sind, dass Kunden Outfits virtuell anprobieren können und eine App mithilfe eines Fotos vom Kleidungsstück Vorschläge zu Kombinationsmöglichkeiten macht. Die generelle Tendenz für den Handel ist laut Tschopp: „Bargeldloses Bezahlen, Lieferung am selben Tag, Läden als Showrooms.“

Aber nicht nur Händler müssen hier umdenken und die notwendigen Schritte einleiten, sondern insbesondere auch die System-Anbieter, die dem Händler auch die passenden Lösungen bereitstellen müssen. Denn auch hier besteht noch enormer Nachholbedarf, da die derzeitigen Backendsysteme meist entweder lediglich auf einzelne Kanäle ausgerichtet sind und in der Vergangenheit aufgrund reiner Effizienzorientierung diese nur optimiert haben (anstatt weiterzuentwickeln), oder der Händler verfügt notgedrungen sogar über mehrere nicht integrierte Backendsysteme.

Der Trend ist klar: Es wird künftig keine reinen „Pure-Player“ mehr geben. Amazon ist ein gutes Beispiel dafür, wie sie Cross-Channel agieren und die Kanäle, auf denen sie aktiv sind, miteinander verknüpfen (obwohl sie noch keine stationären Geschäfte haben). Sie verfügen jedoch neben ihrem klassischen Online-Shop auch über spezifische Apps für Smartphones und Tables, die nicht nur ein reines Abbild des Online-Shops sind, sondern die Vorteile eines jeden Gerätes mit in die Apps einfließen lassen – in Teilbereichen, wie bspw. Fashion, bietet amazon zudem mittlerweile einen eigenen Katalog, um hier ebenfalls die Vorteiles dieses spezifischen Kanals zu integrieren. Auch Zalando hat mittlerweile ein Print-Magazin (Magalog). DaWanda ebenfalls und hat zudem jetzt auch den ersten stationären Landen eröffnet.

Cross-Channel als Pflicht – auch für derzeitige „Pure-Player“
0 Stimmen, 0.00 durchschnittliche Bewertung (0% Ergebnis)

Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Apps, NFC, iBeacon, QR-Code / Bilderkennung, Theorie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.