3D-Drucker können den Welthandel verändern

Lange Zeit waren 3D-Drucker einerseits für den Hausgebrauch zu teuer, andererseits mangelte es an Qualität und die Bedienung war alles andere als nutzerfreundlich.
Auch heute noch beschäftigen sich in nicht industriellen Umfeldern eher FabLabs, Hackerspaces, Bastler oder Künstler mit 3D-Druckern, die meist als OpenSource-Drucker aus Bausätzen noch selbst zusammengebaut werden müssen.
Die Markt hat sich aber mittlerweile schon deutlich weiterentwickelt. Mit dem Cube von Cubify, dem Makerbot, dem Fabbster aus Deutschland oder dem aktuellen und extrem erfolgreichen Kickstarter-Projekt FORM1 sind mittlerweile recht preiswerte und massentaugliche 3D-Drucker erhältlich. Makerbot hat mittlerweile sogar in NewYork einen Laden eröffnet, um Endkunden direkt zu erreichen.

Das Einsteigermodell „Ultimaker“ aus den Niederlanden kostet ca. 1200 Euro und nimmt nicht mehr Platz ein als ein Laserdrucker. Etliche Hobby-Designer zeigen inzwischen auf Portalen wie „Thingiverse“ und „Shapeways“, was sich per 3D-Druck alles herstellen lässt: futuristische Flaschenöffner, Rückenkratzer, Schlüsselanhänger mit eigener 3D-Gravur oder Neil Armstrongs Fußabdruck vom Mond. Allein „Thingiverse“ umfasst mehr als 28 000 frei verfügbare Modelle.

Die Entwicklung in Richtung Massenmarkt (ob für daheim, in stationären Läden, bei Handwerkern oder durch 3D-Druck-Shops, etc.) ist nicht mehr aufzuhalten. Zu viele Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an Verbesserung, Optimierung und Endkundenfähigkeit ihrer Geräte und die oben genannten Drucker haben jetzt schon Potential zur Massentauglichkeit.

Die Forscher des Atlantic Council in Washington sehen folglich einen Wandel der Weltmärkte voraus.
Die Story der Bochumer Hackergemeinde „Labor“ ging ja auch schon bei uns durch die Presse: An einem Geschirrspüler in Bochum fehlte ein Ersatzteil: Eins dieser kleinen Rädchen, auf denen die Geschirrkörbe vor- und zurückgleiten. Statt das Plastikteil nachzukaufen, produzierten die Mitglieder der Bochumer Hackergemeinde „Labor“ es einfach selbst – mit einem Drucker. Statt einer Bestellung beim Fachhändler hatte der „MakerBot“ das fertige Rädchen nach nur 40 Minuten gedruckt.
Sollte dieser „Additive Manufacturing“ genannte 3D-Druck zum Massenphänomen werden, könne eine Ent-Globalisierung ins Rollen kommen, vermutet Atlantic Council „Kann 3D-Druck die Welt verändern?“, fragen die Forscher in einem Strategiepapier. Produkte könnten auf Nachfrage und direkt beim Verbraucher oder Anbietern (Händler, etc.) vor Ort hergestellt werden und so die Abhängigkeit globaler Märkte lockern oder gar auflösen. Das spannende daran: Nicht Produkte, sondern unzählige digitale Designs würden dann über das Internet um den Erdball reisen und überall dort zu Gegenständen werden, wo ein passender Drucker angeschlossen ist.

Atlantic Council geht davon aus, dass das „Additive Manufacturing“ so weitreichende Folgen für die Welt der Hersteller und Händler haben könnte, wie PC und Internet für die Welt der Informationen. Die oft in Billiglohn-Länder ausgelagerte Produktion könne dank sinkender Kosten in die die westlichen Länder zurückkehren. Atlantic Council vermutet zudem, dass Deutschland seinen Platz als Export-Weltmeister einbüßen würde. Es ist aber natürlich die Frage, was man dann als Export bezeichnet – Tolle 3D-Drucker fähige Produkt-Designs aus Deutschland die dann um die Welt gehen können sicher auch möglich sein…

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Über Hagen Fisbeck

Hagen Fisbeck ist Berater für digital gestützten Handel. Seit über 15 Jahren ist er im professionellen eCommerce und Multi-Channel-Handel tätig und war bei der Arcandor AG viele Jahre in leitenden eCommerce-Funktionen und als Intrapreneur tätig. Seit 2009 berät er größere und mittlere Handelsunternehmen im eCommerce und Multi-Channel-Handel und ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von DigitalRetail
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