Click & Collapse – eine Gegenposition

Wie viele andere schätzen auch wir den E-Commerce Experten Alexander Graf sehr. Seinem Blog kassenzone.de folgen wir schon lange und lesen gerne seine Sicht der Dinge. Natürlich ist man nicht immer einer Meinung – so zum Beispiel bei seinem letzten Post zum Thema Click & Collect im deutschen Handel.

Im Interview mit dem Magazin Handelsimmobilien heute gibt er seine Einschätzung zur aktuellen Situation und zum Potenzial des Services. Er ist dabei gewohnt kritisch und führt Beispiele dafür an, dass das Konzept seiner Meinung nach nicht funktioniert. Einigen seiner Argumente stimmen wir absolut zu, bei einigen sehen wir die Lage allerdings anders. Deshalb wollten wir unsere kleine Gegenposition veröffentlichen.

Beginnen wir mit einem Punkt, in dem wir Herrn Graf voll und ganz zustimmen. Click & Collect sollte nur angeboten werden, wenn es technologisch umsetzbar ist. So verhält es sich eigentlich mit allen Innovationen, die die Digitalisierung möglich macht. Hat man nicht das nötige Handwerkszeug, sollte man im Zweifelsfall eher die Finger davon lassen. Soll heißen: Hat ein Händler beispielsweise keine Warenwirtschaft, die in Echtzeit Bestände anzeigen und Bestellungen verarbeiten kann, legt er sich mit Click & Collect nur selbst Steine in den Weg und macht den Prozess komplexer als er sein müsste. Das heißt im Umkehrschluss natürlich, dass Click & Collect nicht für jeden Händler Sinn macht. Und das ist auch in Ordnung. Wir stimmen Herrn Graf also zu: Lieber einen Service nicht anbieten, als ihn schlecht umzusetzen und „Etikettenschwindel“ zu betreiben.

Und nun kommen wir auch schon direkt zu einem Punkt, in dem wir völlig anderer Meinung sind. Laut Herrn Graf vereint das Konzept „das schlechteste beider Welten“, da Kunden ihre Waren im Laden abholen müssen, ohne sie vorher anprobiert zu haben. Er stellt den Kundennutzen und damit das Erfolgspotenzial in Frage. Zunächst einmal ist Ware, die man online bestellt, nie vorher anprobiert und ob man dies im Laden oder zuhause tut, macht eigentlich erstmal keinen großen Unterschied.

Unserer Meinung nach gibt es zudem mehrere Gründe, warum Click & Collect für Kunden durchaus ein sehr attraktives Angebot sein kann. Beginnen wir mit einem kleinen Szenario: Wer stand noch nicht bei einem seiner Nachbarn vor der Tür und musste ein Paket abholen, welches dieser (oft eher mürrisch) angenommen hatte, weil man selbst nicht zuhause war? Oder wer stand noch nicht vor verschlossenen Türen einer Postfiliale, weil sie vor der Arbeit noch zu hat und nach der Arbeit bereits geschlossen? So wartet man oft tagelang auf sein Paket, welches auf dem Postamt festsitzt. Da ist es doch wesentlich angenehmer, nach Feierabend einen Abstecher in die Stadt zu machen und sein Paket abzuholen. Die meisten Läden haben eh bis 19 oder 20 Uhr geöffnet.

Zugegeben, an dieser Stelle wären Packstationen oder Hermes-Shops ein Argument. Doch selbst das läuft nicht immer reibungslos. Ich habe selbst schon mehrfach mein Paket in einer wesentlich weiter entfernten Packstation abholen müssen, da die von mir gewählte (neben dem Büro bzw. zuhause um die Ecke), voll, defekt oder sonst wie nicht erreichbar war. Deshalb lasse ich – wenn möglich – meine Pakete meistens an die Tankstelle meines Vertrauens liefern. Die hat rund um die Uhr geöffnet und ich habe immer Zugang zu meinen Paketen. Das geht aber a) nur bei Hermes-Lieferungen und b) wähle ich persönlich lieber die Filiale des Händlers, bei dem ich bestelle, wenn mir die Option zur Verfügung steht. Warum? Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt: Die Rückgabe.

Lässt man sich seine online bestellte Ware in eine Filiale liefern, hat man eigentlich immer die Möglichkeit, diese direkt auszupacken und anzuprobieren. Gefällt oder passt sie zum Beispiel nicht, ist man bereits am richtigen Ort, um sie zurückzugeben. Man spart sich also den Weg zur Post, Packstation oder Tankstelle und geht eben einfach wieder. Zudem kann man sich direkt nach Alternativen umschauen und muss nicht zwangsläufig unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Im Vergleich dazu ist es wesentlich frustrierender, sein Paket, das man vom böse blickenden Nachbarn abgeholt hat, zu Hause auszupacken, festzustellen, dass nichts passt und/oder gefällt, und mit dem ganzen Paket wieder zurück zur Post zu tingeln, um es zurückzuschicken.

Auch hier gibt es natürlich Unterschiede, Ausnahmen und Gegenargumente: Es ist nicht für jeden komfortabler, in die Stadt zu fahren und sich in einen möglicherweise vollen Laden zu quetschen. Auch möchten viele Menschen vielleicht die Ungestörtheit zu Hause beim Anprobieren oder Testen neuer Produkte. Doch lassen sich die genannten möglichen Vorteile unserer Meinung nach nicht von der Hand weisen. Hinzu kommt, dass die Lieferung in die Filiale oft schneller und günstiger  – wenn nicht sogar kostenlos – ist. Geht man davon aus, dass man bei einem Händler bestellt, der C&C gut umgesetzt hat, ist die Ware oft schneller verfügbar (da sie in der gewählten Filiale evtl. auf Lager ist), als wenn sie aus einem entfernten Zentrallager zum Kunden geschickt werden müsste.

Ein weiterer Punkt ist, dass man Click & Collect nicht nur mit der reinen Online-Bestellung vergleichen sollte. Vergleicht man das Prinzip zum Beispiel mit dem Einkauf im Laden, ergeben sich weitere Vorteile für Kunden. So kann man zum Beispiel sicher sein, dass das gewünschte Produkt in der richtigen Ausführung verfügbar ist, bevor man sich auf den Weg in die Stadt macht.

In einer Studie des ECC Köln aus dem Jahr 2014 gaben Kunden unter anderem diesen Grund für die Nutzung von Click & Collect an:

Click & Collect ECC Köln

Last but not least, ein sehr wichtiges Argument: Es gibt viele Händler, für die das Konzept funktioniert! Im Interview wird Douglas erwähnt, was Herr Graf damit abtut, dass man „nur spekulieren“ kann, warum es bei der Parfümerie funktioniert. Er vermutet:

„Vielleicht wollen Kunden das Produkt sofort, wollen Leergänge vermeiden, sich attraktive Angebote sichern – oder der Händler hilft mit Extraanreizen wie Gutscheinen nach. Bei großen Warenkörben etwa kann es für Anbieter lohnenswerter sein, Kunden mit 10 Prozent Rabatt in den Laden zu lotsen als Retouren abzuarbeiten.“

Das kann alles sein, doch vielleicht funktioniert das Prinzip ja auch einfach gut und wird gerne genutzt. Weil es praktisch ist. Ich selbst habe Click & Collect bei Douglas bereits genutzt und war zufrieden. Das Paket wurde mir übergeben und auf Wunsch geöffnet, ich konnte den Müll dalassen und meine Fragen wurden beantwortet. Als ich einmal etwas bestellte, das nicht gefiel, konnte ich das Produkt direkt dort lassen. Ähnlich war es bei Thalia, Galeria Kaufhof und ESPRIT. Und bei letzteren sind es sicher nicht die 2€ eingesparten Versandkosten. Wir haben Click&Collect bei einigen unserer Kunden erfolgreich mit einem hohen Kundennutzen umgesetzt und der Service wird von sehr vielen Kunden ohne weitere Push-Aktivitäten sehr gerne genutzt. Es gibt also Händler, bei denen es funktioniert und Kunden, die es nutzen. Das kann man nicht von der Hand weisen.

Das wichtige ist ja letztendlich, dass der Kunde zufrieden ist. Und wenn aufgrund unserer Erfahrung sehr viele Kunden den Service nutzen und der Händler zudem Zusatzverkäufe generieren kann, dann können wir aufgrund der Erfahrung in der Praxis nicht zu dem Schluss kommen, dass der Service nicht funktioniert.

Abschließend kann man also sagen: Wir finden, Herr Graf hat Recht damit, dass Click & Collect nicht für jeden Händler und nicht für alle Produkte Sinn macht. Er hat auch Recht, wenn er sagt, dass die entsprechende Technologie vorhanden sein muss. Zudem sollten die Prozesse professionell und digital umgesetzt sein und der Kunde sollte ohne Schlange stehen zu müssen seine Bestellung entgegennehmen können.

Wir sehen also bei vielen Händlern und Produkten weiterhin großes Potenzial und glauben daran, dass Click & Collect mehr ist als nur „eine der unsinnigsten Blüten“ der digitalen Transformation im Handel.

 

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Amazon und die Dash-Diskussion

In den letzten 2-3 Wochen haben ein paar kleine Knöpfe für ziemlich großen Aufruhr gesorgt. Die Rede ist natürlich von den Amazon Dash Buttons, die es seit dem 1. September auch in Deutschland gibt.

Das Prinzip hinter den Buttons dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Falls nicht, hier die einfache Erklärung: Über einen kleinen Plastikknopf kann man als Amazon Prime Kunde eine Bestellung auslösen, sobald ein bestimmtes Produkt zur Neige geht. Der Gedanke hinter den Dash Buttons ist, dass man sich den Knopf, den es mit Verknüpfung zu verschiedenen Marken gibt, z.B. an die Waschmaschine oder neben die Toilette klebt, um dann Waschmittel oder Toilettenpapier nachzubestellen, bevor es ausgeht. Regelmäßig benötigte Produkte auf Knopfdruck.

Konfiguriert wird das Ganze dann per App und man legt im Vorfeld fest, welches Produkt von der entsprechenden Marke man bei Knopfdruck bestellen möchte. Mit dem heimischen WLAN verbunden ist der Button dann auch schon einsatzbereit. Drückt man den Knopf, wird automatisch eine Bestellung ausgelöst, die man dann in der App bestätigt. Ganz einfach also. Das Internet of Things ist eben eine geniale Sache.

Amazon Dash Buttons

Deutsche Verbraucherschützer finden die kleinen Knöpfe leider überhaupt nicht genial. Kritische Stimmen wurden laut, die anmahnten, dass sich auf dem Knopf kein Hinweis befindet, dass bei Drücken eine kostenpflichtige Bestellung ausgelöst wird. Auch die Angabe des aktuellen Preises fehle, hieß es. Auch wolle man gerichtlich gegen Amazon vorgehen.

Doch sind diese Einwände wirklich begründet? Wir sehen die Sache so:

Der Kunde richtet im Vorfeld per App genau ein, welches Produkt er zu welchem Preis auf Knopfdruck bestellen möchte. Drückt er seinen Button, bekommt er ebenfalls in der App eine Bestellbestätigung mit allen wichtigen Informationen. Er hat also einerseits alle nötigen Informationen, die er braucht, um eine Kaufentscheidung zu treffen und außerdem die Möglichkeit, nach Drücken des Knopfes seine Bestellung zu stornieren. Der eingebaute Bestellschutz verhindert zudem, dass z.B. spielende Kinder aus Spaß mehrmals drücken und so aus Versehen 15 Tonnen Waschmittel bestellen.

Ist eine Bestellung aufgegeben, ist der Knopf sozusagen gesperrt und kann keine weiteren auslösen, bis die aktuelle Bestellung ausgeführt ist. Das System ist also gut durchdacht. Der Kunde trifft die Entscheidung und weiß, was er tut, wenn er auf den kleinen Knopf drückt. Da kann man die sprichwörtliche Kirche auch mal im Dorf lassen und muss nicht gleich auf die Barrikaden gehen, nur weil auf dem Knopf nicht in Großbuchstaben „Jetzt kostenpflichtig bestellen“ steht.

Eine andere Art von (amüsanter aber wohl berechtigter) Kritik übte kürzlich Olaf Kolbrück von Etailment – zwar eher im Nebensatz, aber genau auf den Punkt gebracht. Er fühlte sich bei der Bestellung von mehreren Kilo Waschmittel ein wenig wie „Loriot beim Senfeinkauf in ‚Papa ante Portas'“. Die Assoziation finden wir sehr passend, da auch wir angesichts der großen Mengenpackungen, die Amazon teilweise für die Bestellung per Knopf anbietet, etwas überrascht waren. Natürlich soll man nur ab und zu drücken müssen, aber mal ehrlich: Wer bestellt gerne fünf Packungen Waschmittel à 1,5 kg? Bei anderen Produkten sind die Mengen etwas haushaltsüblicher und natürlich kommt es auch immer auf die Größe des Haushalts an.

Die Wirtschaftswoche berichtete diese Woche, dass laut einer Untersuchung des Portals mydealz viele Produkte, die per Dash Button bestellt werden können, teurer sind. Verglichen wurden die Preise mit denen des Marketplace sowie der Seite idealo.com. Andererseits gibt es auch zahlreiche Produkte, die im Amazon Dash Programm günstiger sind als anderswo. Man sollte sich also vorher genau informieren und wissen, welchen Preis man bezahlen möchte.

amazon dashGrundsätzlich halten wir die Dash Buttons für eine gute Erfindung. Das Internet of Things wird uns noch weitere spannende Möglichkeiten eröffnen und Amazon wird bei diesen Entwicklungen sicherlich noch häufiger mitmischen.

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Was Zalando anders macht

Zalando – immer wieder taucht die Mode-Plattform, die schon lange viel mehr als nur ein Onlineshop ist, auch in unseren Posts und in Beiträgen auf. Warum? Wir haben kein Abkommen mit Zalando, unsere Posts sind nicht gesponsert. Vielmehr sehen wir das Unternehmen in vielerlei Hinsicht als Pionier im E-Commerce. Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben. Doch kann man nicht von der Hand weisen, dass Zalando vieles tut, was andere nicht tun – neue Wege zu finden, das Angebot zu erweitern und mit Kunden zu kommunizieren.

Wenn Zalando nämlich eines verstanden hat, dann ist es seine Zielgruppe. Und die gibt sich nicht zufrieden mit einem starren Konzept, welches so gefahren wird, wie es schon vor x Jahren funktioniert hat, „….weil wir das eben schon immer so machen“. Die Online-Shopper von heute erwarten ständig Neues, Aufregendes, Innovatives. Immer wieder kommen Studien zu dem Ergebnis, dass das Internet mit seiner Fülle an Informationen die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen reduziert. Und das lässt sich auch auf Online Shopping übertragen.

Denn natürlich haben wir uns daran gewöhnt, dass im Internet alles schnell geht. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns geduldig ins Internet eingewählt haben, eingehüllt in das klangvolle Rauschen unseres 56k Modems. Wir sind eigentlich ununterbrochen online und haben Zugriff auf alles. Ob Produktinformationen, Kundenrezensionen oder die Produkte selbst: We want it all and we want it now.

Mobile First – Kunden dort ansprechen, wo sie sich herumtreiben

Ein zweiter wichtiger Punkt, der die Kundenansprache in Zeiten ständig mit dem Internet verbundener Millennials ausmacht ist, dass man immer dort sein muss, wo sich der Kunde befindet. Und das funktioniert am besten über das Smartphone. Natürlich ist all das schon lange kein Geheimnis mehr und Zalando bei Weitem nicht der einzige Player, der dies verstanden hat. Dennoch setzt sich das Unternehmen in diesem Punkt von vielen seiner Konkurrenten ab.

Schon 2012 begann Zalando parallel zu seinen Online-Verkaufsaktivitäten, in Softwareentwicklung zu investieren. Erweitert wurde dies 2015 um sogenannte „Tech-Hubs“ in Dublin und Helsinki. Mit mittlerweile 7 Standorten forscht und entwickelt Zalando auf Hochtouren im Tech-Bereich. Auch durch den Kauf von App-Startups wie Amaze oder des etablierten Marktplatz-Spezialisten Tradebyte arbeitet Zalando kontinuierlich an seinem Ziel, zu einer Fashion-Tech-Plattform zu werden.

Über die Plattform-Strategie haben wir bereits berichtet. In diesem Beitrag wollen wir uns Zalandos App-Aktivitäten einmal genauer anschauen. Neben der Haupt-App hat das Unternehmen zahlreiche andere an den Start gebracht, übernommen oder miteinander verbunden.

Zalon – Curated Shopping mit Messenger-App

Beginnen wir mit Zalon, der Messenger-App für Zalandos hauseigenes Curated Shopping Programm. Persönliche Stilberatung und individuell ausgewählte Outfits stehen hier im Fokus. Das Zalon-Programm verbindet Kunden mit einem persönlichen Stylisten, der ihnen dabei hilft, das perfekte Outfit für jede Gelegenheit zu finden. Mit der Zalon-App haben sie dann einen direkten Draht zu diesem Stylisten und können ihn direkt kontaktieren.

© Zalando

© Zalando

Unsere Einschätzung:

Persönliche Beratung ist einer der Hauptgründe, aus dem Kunden weiterhin im stationären Handel einkaufen. Zalon bietet genau das – und zwar ohne, dass der Kunde das Haus verlassen muss. Andererseits fällt der Aspekt des inspirierenden Schaufensterbummels weg. Für die entsprechende Zielgruppe (hohe Ansprüche an Qualität, Passform, wenig Zeit oder Muße zum Shoppen gehen) kann Zalon aber sehr gut funktionieren.

Fleek – Mobile Shopping meets Influencer Marketing meets Social Commerce 

Zugegeben – das ist eine üppige Überschrift. Doch genau so lässt sich Fleek in einem Satz beschreiben. Nach der Übernahme der Shopping-App Amaze fusionierte Zalando deren Funktionen mit der eigens entwickelten App Fleek. Zum Einen hat die App eine Marktplatzfunktion. Hierüber können Kunden ihren Lieblingsmarken folgen und sehen direkt in der App deren Social Media Posts. Jeder Post ist mit Links zu den gezeigten Produkten versehen, sodass diese direkt in der App gekauft werden können.
Mit Fleek 2.0 wurde dann Amaze integriert und ergänzte die App um einen Tab, der „Styles“ heißt. Hier posten einflussreiche Blogger ihre Lieblingsoutfits und verlinken ebenfalls die genutzten Produkte, welche dann in der App gekauft werden können. Diese „Influencer“ werden dann am Umsatz beteiligt, wenn ein Kunde über ihren Link ein Produkt kauft.

Unsere Einschätzung:

Fleek verbindet optimal Social Media mit Mobile Shopping. Bevor ein potenzieller Kunde ein Outfit auf Instagram sieht und dann das Internet danach durchforsten muss, kann er es sich einfach machen und seinen bevorzugten Marken und Bloggern über Fleek folgen. So ist alles an einem Ort und der ungeduldige Online-Shopper spart Zeit.

Zipcart – Schrei vor Glück, und zwar innerhalb der nächsten 2 Stunden!

Mit Zipcart brachte Zalando eine App an den Start, die das Unternehmen selbst als „schnellste Shopping-App der Stadt“ bezeichnet. Kunden können Produkte über die App bestellen, die dann entweder aus dem nächstgelegenen Zalando-Logistikzentrum oder direkt aus einer Filiale des Händlers innerhalb von zwei Stunden geliefert werden. Bisher ist die App nur in Berlin und Köln verfügbar, doch Zalando plant vor allem den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit stationären Händlern, und wird Zipcart in Zukunft vielleicht sogar deutschlandweit ausrollen.

Zipcart

© Zalando

Unsere Einschätzung:

Die Anbindung des stationären Handels mit Zipcart ist sehr vielversprechend, da alle Seiten profitieren. Händler können online verkaufen , ohne zwingend einen eigenen Online-Shop zu benötigen. Außerdem haben sie potenziell Zugriff auf den riesigen Zalando-Kundenstamm. Zalando kann schneller liefern, macht seine Kunden glücklicher und kann ein erweitertes Sortiment anbieten. Und der Kunde hat sein Produkt innerhalb kürzester Zeit in der Hand.

Neben diesen Apps arbeitet Zalando oft klammheimlich mit und an weiteren. Und da Mobile Shopping weiter wächst, können wir sicherlich noch viel mehr erwarten.

Bonus: Project Muze – Zalando und Google kreieren künstliche Fashion-Intelligenz

Vergangenes Wochenende veranstaltete Zalando wieder das Modefestival Bread & Butter im Rahmen der Berliner Fashion Week. Diesmal stellte das Unternehmen ein Kooperationsprojekt mit keinem geringeren als der Online-Supermacht Google vor: Project Muze nennt sich das Ganze und ist eine Plattform, die auf Googles Open-Source-Plattform TensorFlow basiert.

Die Nutzung ist einfach: Mit fünf einfachen Fragen beeinflusst man als User das Design eines einzigartigen „Kleidungsstücks“. Die Anführungszeichen haben wir deshalb gesetzt, weil man das, was Project Muze ausspuckt, nicht unbedingt so tragen würde. Nachdem man sein Geschlecht, Alter, aktuelle Stimmung und Lieblings-Kunstbewegung oder -Musikrichtung ausgewählt hat, kann man die Maschine noch mit einer kleinen Zeichnung füttern.

Project Muze

© Project Muze

Durch Machine Learning arbeitet Project Muze mit Informationen aus dem Google Fashion Trends Report und Zalandos Expertise im Mode-Trend-Bereich. So kreiert es dann einige interessante Outfits und liefert Informationen dazu, wie diese entstehen. Der Nutzer kann das Design anpassen, indem er weitere Fragen beantwortet. So kann man z.B. sein „Spirit Animal“ angeben oder auswählen, was einen glücklich macht. Das Design wird dann neu berechnet und erstellt. Ob das, was dabei herauskommt, tragbar ist – darüber lässt sich streiten. Aber Spaß macht es in jedem Fall. Hier einige Kreationen:

Project Muze

© Project Muze

Project Muze

© Project Muze

Kaufen kann man die entworfenen Styles (noch) nicht. Dennoch ist das Projekt, das zunächst aus Kundensicht eine nette Spielerei ist, unheimlich spannend und es bleibt abzuwarten, was genau Zalando und Google damit vorhaben.

Fazit

Zalando ist in vielerlei Hinsicht Vorreiter und Innovator im Bereich E-Commerce und Kundenansprache. Natürlich kann jedes Unternehmen kritisch betrachtet werden und auch wir wissen, nicht alles was glänzt, ist Gold. Daher ist dieser Post keinesfalls als Hymne and das große Z zu verstehen, sondern vielmehr als eine Sammlung interessanter Aktivitäten eines großen Online-Players. Vieles wird sich durchsetzen, vieles wird wieder von der Bildfläche verschwinden. Zalando hat sich soweit entwickelt, dass das Unternehmen es sich leisten kann, verschiedene Dinge auszuprobieren. Diesen Luxus haben die wenigsten. Daher ist es einfach spannend, zu beobachten, wie Zalando die Mode-Tech und Shopping-Branche beeinflusst und verändert.

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Social Commerce

Der Begriff Social Commerce schwirrt schon seit Jahren durch die Atmosphäre und wird, wie wir festgestellt haben, immer wieder falsch benutzt. Daher wollen wir mit diesem Post dazu beitragen, den Begriff zu definieren und von anderen, ähnlichen und häufig synonym verwendeten Begriffen abzugrenzen.

Das scheinbar häufigste Missverständnis um den Begriff Social Commerce liegt darin, dass er als „Verkaufen über soziale Netzwerke“ verstanden wird. Spätestens seitdem sowohl Facebook als auch Twitter mit sogenannten „Buy Buttons“ experimentieren, und nachdem Facebook in Zusammenarbeit mit Shopify versuchte, die 2011 gescheiterten „Facebook Shops“ wiederzubeleben, taucht der Begriff Social Commerce in diesem Zusammenhang immer öfter auf.

Doch das passt nicht ganz. Nur weil ein Händler (oder Hersteller) seine Waren über soziale Netzwerke verkauft (Bsp. Facebook Buy Button), ist das noch lange kein Social Commerce. Denn der Kern von echtem Social Commerce liegt darin, dass Nutzer bzw. Kunden nicht mehr nur Konsumenten sind, sondern zu einem aktiven Teil des Prozesses werden – als Entwickler, Berater oder Verkäufer. Verkauft also beispielsweise adidas seine Produkte direkt über Facebook, bleibt der Kunde Konsument. Die Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer behält ihre unidirektionale Natur. Einer verkauft, der andere kauft. Dieses Phänomen ist also eher dem Social Media Marketing zuzuordnen; garniert mit einem Call to Action.

Facebook Buy Button

Facebook Buy Buttons sind kein Social Commerce-Tool

Beim Social Commerce geht es vielmehr darum, den Nutzer wirklich ins Zentrum zu stellen, sodass Verkaufen zum multidirektionalen Prozess wird. Dies kann bereits beim Herstellungsprozess anfangen. Beispiele hierfür sind Communities wie Tchibo Ideas oder Seiten wie Spreadshirt, welche darauf ausgerichtet sind, dass Kunden die Entwicklung und das Design neuer Produkte aktiv mitgestalten können.

Während des Kaufprozesses ist der wichtigste Aspekt von Social Commerce die Bewertung von Produkten. Das Internet bietet uns Zugang zu unzähligen Meinungen von „echten Menschen“, welche polierten Marketingtexten der Händler gegenüberstehen. Wer hat nicht schon einmal (oder öfters) erst die Kundenbewertungen gelesen, bevor er sich für ein Produkt entschieden hat? Natürlich benötigt man dazu kaum noch spezielle Seiten oder Foren (obwohl es diese auch gibt), denn der Handel hat dieses Phänomen verstanden und Amazon ist schon lange nicht mehr der einzige Player im E-Commerce, der auf Kundenrezensionen setzt.

Neben der veränderten Rolle des Kunden als Berater und Influencer beinhaltet der Begriff Social Commerce auch die Möglichkeiten für Kunden, selbst zu Verkäufern zu werden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist natürlich eBay. Schon seit über einem Jahrzehnt können User hier ihre alten und/oder selbstgemachten Produkte verkaufen und versteigern. Auch Etsy und Dawanda, Plattformen für Vintage und Selbstgemachtes, erfreuen sich großer Begeisterung.

Eine weitere wichtige Abgrenzung ist die zwischen Social Commerce und Social Shopping. Währen Social Commerce eine Ausprägung des E-Commerce ist, beschreibt Social Shopping eher ein Konsumentenverhalten. Es geht hier eher darum, gemeinsam einzukaufen bzw. sich gegenseitig zu inspirieren. Plattformen wie Polyvore oder Stylefruits leben davon, dass sich User aus verschiedenen Produkten ihre Favoriten aussuchen und sich mit anderen darüber austauschen. Inspiration und das Entdecken neuer Produkte sind hier wichtiger als der eigentliche Kauf. Und genau in diesem Punkt liegt die Abgrenzung zum Social Commerce.

Informiert man sich ein wenig zum Thema, findet man vor allem Beiträge und Literatur aus den frühen 2000er Jahren, welche Social Commerce damals großes Potenzial zusprachen. Wie sieht die Lage ca. 10 Jahre später aus?

Fakt ist, dass Konsumenten heutzutage Produkte und Kaufentscheidungen stärker beeinflussen als je zuvor. Nicht nur über soziale Netzwerke, sondern auch durch Bewertungen direkt auf den Produktseiten unser favorisierten Onlineshops beraten wir uns gegenseitig und nehmen Einfluss auf Verkaufszahlen. Doch schauen wir mal ganz genau hin, kann man wirkliche Social Commerce Plattformen, auf denen User zu Verkäufern werden, scheinbar an einer Hand abzählen. Neben den bereits genannten Beispielen gibt es kaum große Player in diesem Bereich.

Als Fazit möchten wir gerne festhalten: Social Commerce ist nicht gleich Social Media Marketing.

 

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Digital Loyalty Programme

In letzter Zeit geht es auch bei uns immer wieder um Mobile – sei es als zukünftiger Ersatz für den Geldbeutel, als Shoppingkanal auf der heimischen Couch oder Shoppingbegleiter im stationären Handel. Das Smartphone ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken und auch der Handel stellt sich darauf ein.

In diesem Blogpost wollen wir eine weitere Facette dieser Entwicklung diskutieren; nämlich digitale Loyalty-Programme. Häufig wird die App des Händlers benötigt. In Verbindung mit dieser können Kunden dann personalisierte Angebote freischalten und ihre Punkte für Prämien o.Ä. einlösen.

Wir möchten in diesem Artikel diskutieren, welche Vorteile solche Programme haben und wie sie beispielhaft aussehen können.

H&M Club und ESPRIT Friends

Die Fashionhäuser ESPRIT und H&M bieten jeweils eigene Loyalty-Programme an. ESPRIT gliedert sein ESPRIT Friends-Programm in drei Treue-Level, die Kunden mit steigendem Umsatz automatisch erreichen und die dann jeweils neue Vorteile eröffnen. Die Kundenkarte gibt es als klassische Plastikkarte, jedoch ist diese nur in Verbindung mit der entsprechenden App nutzbar. Hierüber wird dem Kunden auch eine Zahlungsfunktion ermöglicht.

Bei H&M Club kann man mit steigendem Umsatz seine Punkte ebenfalls für immer attraktivere Angebote einlösen und außerdem an exklusiven Club-Events und Gewinnspielen teilnehmen. Es gibt beim Modeschweden keine Plastikkarte, sondern die Kundennummer ist in der H&M App hinterlegt und der Kunde kann auch nur per App Punkte sammeln.

Beide Kundenkarten sind also ohne die Händler-App nicht nutzbar – das Loyalty-Programm kann somit ein Grund dafür sein, sie herunterzuladen. Außerdem werden so alle Punkte an einer Stelle gesammelt, sowohl die online getätigten als auch Käufe im Laden. Natürlich bieten beide Apps außerdem viele zusätzliche Inhalte, wie z.B. die Produktscanfunktion, Filialfinder, eine Bestellübersicht und und und. Der Kunde hat also alles in der Hand und profitiert langfristig von jedem Einkauf. Dabei sind beide Programme so ausgelegt, dass es sich sowohl für regelmäßige Shopper mit großen Warenkörben als auch für Kunden lohnt, die nur ab und zu ein paar Euro ausgeben.

ESPRIT Friends

© ESPRIT Friends

Stocard – alle Karten in einer App

Ein Mannheimer Startup namens Stocard hat eine App entwickelt, mit der man alle seine Bonuskarten digitalisieren kann. Durch den Scan des Barcodes oder die Eingabe der Kartennummer wird die Karte in der Stocard-App gespeichert und kann dann vom Smartphone-Bildschirm an der Kasse gescannt werden. So muss man nicht an jeder Kasse die richtige Karte heraussuchen, sondern kann einfach das Handy zücken und die entsprechende Kundenkarte abrufen. Außerdem hat man aktuelle Angebote der jeweiligen Händler an einem Ort im Blick und verpasst keine Specials. Der Geldbeutel quillt nicht mehr über und man riskiert nicht, die entsprechende Karte genau am falschen Tag auf dem Küchentisch liegen zu lassen – z.B. weil man am Tag vorher online seinen Punktestand kontrolliert hatte. Das Herunterladen zahlreicher Händler-Apps entfällt ebenfalls – oder?

© Stocard

© Stocard

Neben der zahlreichen Vorteile sehen wir Stocard auch kritisch: Denn wie gesagt, benötigt man in vielen Fällen die eigene Händler-App, um die Vorteile der Mitgliedschaft in vollem Umfang nutzen zu können. Und immer häufiger wird über die eigenen Apps eben auch eine Zahlungsfunktion angekoppelt – eine Funktion, die Stocard nicht unterstützt.

Ein weiteres Beispiel — Starbucks: Mit der Starbucks-App und dem Programm My Starbucks Rewards können Kaffeeliebhaber bei jedem Kauf Sterne sammeln und durch Hinterlegen ihrer Kreditkartendaten in der App auch mobil bezahlen. Dies ist nicht möglich, wenn die Karte mit Stocard genutzt wird, der Kunde braucht die eigene Starbucks-App, um alle Funktionen nutzen zu können.

Ein weiteres Beispiel ist die IKEA Family Card. Auch diese Kundenkarte kann man bei Stocard einspeichern und sie dann an der Kasse scannen lassen. Doch auch hier ist die Zahlungsfunktion (die IKEA Family Bezahlkarte funktioniert wie eine Kreditkarte und kann u.a. auch bei Saturn oder Thalia zur Zahlung genutzt werden) nicht nutzbar.

Und: Zahlt man an den bekannten Express-Kassen, die IKEA anbietet und wo man seine Waren selbst scannt, kann man Stocard überhaupt nicht nutzen. Denn hier muss man seine Plastikkarte ganz altmodisch durch einen Schlitz ziehen, um sie zu registrieren und mit ihr bezahlen zu können. Schwierig, wenn man die Karte auf dem Smartphone hat. Man muss in solchen Fällen also doch die Plastikkarte herauskramen oder die Händler-App bemühen.

Ikea Kasse

IKEA Expresskasse, © IKEA

Ein weiterer Punkt ist, dass iPhone-Nutzer ihre Kundenkarten außerdem in der eingebauten „Wallet“ (ehemals Passbook) hinterlegen können. Dort funktioniert auch die Zahlung. Nutzt man also verschiedene Loyalty-Programme, deren Karten man an der Kasse lediglich vorzeigen muss, ist Stocard unglaublich praktisch.

Doch je mehr Loyalty-Programme mit Mobile Payment verknüpft werden, desto schwieriger kann es werden. Denn dann brauchen die Kunden die Händler-App. Denn natürlich möchten sie den Kunden einen Grund geben, ihre App herunterzuladen. Und mit Prämien und Extra-Punkten kann man doch sehr viele Kunden davon überzeugen, dass sie mehrere verschiedene Händler-Apps brauchen.

Auch in diesem Bereich (wie in allen Bereichen der Digitalisierung) wird sich weiterhin viel tun und bewegen. Wir bleiben wie immer dran und sind mindestens genauso gespannt wie ihr!

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Facebook hilft dabei, den ROPO-Effekt zu messen

Den ROPO-Effekt haben wir schon öfter erwähnt. Er ist ein wichtiger Faktor, der beschreibt, dass Kunden häufig online recherchieren und dann offline einkaufen. Also auf Englisch „Research Online, Purchase Offline“. Dafür steht ROPO.

Vielleicht glaubt noch nicht jeder daran, dass es ihn gibt, doch Studien haben ihn bereits mehrfach nachgewiesen – für die verschiedensten Produktbereiche.

© GfKMedia Effieciency Panel

© GfKMedia Effieciency Panel

Wir sehen diesen Effekt als wichtiges Gegenargument zur Aussage, der Online-Handel zerstöre den stationären Handel. Wird der ROPO-Effekt intelligent genutzt, kann man Online und Offline verbinden und voneinander profitieren lassen. Mehr dazu in unserem kostenlosen Leitfaden.

Doch Zweifler gibt es immer und glücklicherweise machen sich immer mehr Händler genau diesen Effekt zunutze. Die Bewerbung des Geschäfts oder von Produkten führt oft zu mehr Kunden im Laden. Neben Click & Reserve und Click & Collect sind auch einfachere Methoden wie z.B. ein Online-Schaufenster gute Optionen.

Facebook Ads und der ROPO-Effekt

Online Werbung, vor allem in sozialen Netzwerken, ist ebenfalls ein nützliches Tool. Da – wie wir zuletzt berichteten – immer mehr Menschen über bzw. mit ihrem Smartphone shoppen, sind auch Mobile Ads ein wichtiges Tool. Facebook blendet in seiner App gerne auf den Nutzer passende Anzeigen in dessen Newsfeed ein. Nicht selten sind es genau diese Ads, die den Nutzer dazu bringen, in den bspw. nahe gelegenen Laden zu gehen und sich sein Sonderangebot abzuholen. Doch wie misst man, wie viele Kunden genau diesen Prozess durchlaufen?

Um dieses Problem zu lösen, veröffentlichte Facebook vor Kurzem ein neues Werbeformat. Die sogenannten „Local Awareness Ads“ zeigen Nutzern Geschäfte in der Nähe an, basierend auf den aktuellen Standortdaten des Nutzers. Dabei werden laut Facebook nur anonymisierte Daten gesammelt. Händler mit mehreren Filialen können auch einen Filialfinder integrieren, der intuitiv bedienbar ist und den Nutzer in die ihm nächstgelegene Filiale leitet. Innerhalb der Werbeanzeige werden dem Kunden außerdem zusätzliche Informationen wie Adresse und Öffnungszeiten angezeigt und er kann sich die beste Route zur Wunschfiliale anzeigen lassen.

Gemessen wird der Erfolg dieser Anzeigen dann mit Hilfe von Facebooks „Offline Conversion“-API und eines Datenabgleichs von Online- und Offline-Daten. Aktuell testet Facebook das neue Werbeformat mit einigen Händlern, verspricht sich aber große Erfolge. An der Kennzahl „Besuche im Geschäft“ können Händler dann ablesen, wie viele Kunden, denen die geschalteten Anzeigen angezeigt wurden, tatsächlich auch in ihr Geschäft gekommen sind. Voraussetzung ist natürlich, dass Kunden die Standortübermittlung an ihrem Smartphone aktiviert haben – aber das ist spätestens seit „Pokemon GO“ wahrscheinlich eh bei den meisten der Fall.

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Shoppen mit dem Smartphone – Mobile First oder Mobile Only?

Hand aufs Herz: Wer kann heute noch ehrlich sagen, dass eine Woche ohne Smartphone kein Problem wäre? Wir sicherlich nicht. Unsere kleinen, schlauen Geräte sind zum ständigen Begleiter eines Großteils der Bevölkerung geworden und sie werden immer mehr zu persönlichen Assistenten. Sie erinnern uns an Termine, Geburtstage, beantworten Fragen, überprüfen unsere Fitness, verbinden uns mit dem World Wide Web, wecken uns oder erinnern uns daran, schlafen zu gehen – achso, und telefonieren können wir damit auch noch. Bei all diesen (und zahlreichen weiteren) Funktionen ist es keine Überraschung, dass uns das Smartphone auch beim Einkaufen zur Seite steht. (Das sagen wir im Übrigen schon lange!)

Denn wenn wir es sowieso schon (fast) den ganzen Tag in der Hand haben, warum sollten wir nicht auch ganz bequem damit in den Onlineshops der verschiedenen Anbieter surfen? Oder es als Assistenten im stationären Handel zu Rate ziehen? Vielleicht sind Siri und Co. noch nicht ganz soweit, dass sie uns wie ein/e gute/r Freund/in sagen können, was uns steht. Aber Preise vergleichen und das Angebot der Konkurrenz durchsehen, während wir uns in einem Laden befinden, dabei können uns unsere kleinen Begleiter problemlos unterstützen.

Dass immer mehr Kunden mobil shoppen ist nicht neu. Ein nicht für mobile Endgeräte (hierzu gehören neben Smartphones natürlich auch Tablets und Phablets) optimierter Onlineshop gleicht heutzutage schon einer Sünde und ist meist ein Garant dafür, dass Kunden woanders shoppen. Der aktuelle Demandware Shopping Index zeigt, dass das Quartal 1 2016 das erste ist, in dem mobile Endgeräte Desktop-PCs bezüglich Traffic übertreffen. Zusammen machten sie 55% des generierten Traffics aus. Die Kaufrate ist auf dem Mac oder PC zwar noch höher, doch Demandware rechnet damit, dass sich auch das ändert. Die Hauptkanäle für Kunden sind jedenfalls zweifelsfrei das Smartphone und/oder Tablet.

Demandware Shopping Index

© Demandware Shopping Index

Der Grund dafür, dass trotz wesentlich höheren Traffics immer noch mehr Bestellungen über den Big Screen abgewickelt werden, sehen wir darin, dass mobil optimierte Seiten oft nicht über den gesamten Bestellprozess optimiert sind. Winzig kleine Felder, in die Daten eingetragen werden müssen, langsam ladende Seiten und weitere Probleme unterbrechen das Kundenerlebnis und lassen Kunden auf andere Geräte umsteigen. Daraus ist der Mobile First-Gedanke entstanden, den wir später genauer erläutern.

Die Zeichen stehen jedenfalls klar auf Mobile – und der Handel scheint zu reagieren – eine Erhebung der Bremer Agentur für Connected Commerce „Hmmh“ zeigt, dass die Prozesse von Onlineshops sich seit 2014 in vielerlei Hinsicht verbessert haben. So waren von den 30 untersuchten beliebten Webshops alle für mobile Endgeräte optimiert, was 2014 noch nicht der Fall war.

Der Handel hat also verstanden, wie Kunden heute einkaufen. Auch E-Commerce Big Player Zalando betont immer wieder, wie wichtig Mobile als Kanal zu seinen Kunden ist und ist sehr aktiv im Bereich Apps. Kürzlich vermeldete das große Z, dass im 4. Quartal 2015 bereits 60% der Kundenbesuche über mobile Endgeräte kamen. Diese Zahlen bestätigt auch eine aktuelle Studie von Statista, welche belegt, dass seit 2011 die Nutzung mobiler Endgeräte zum Online-Shopping von 23% auf 69% gestiegen ist.

Doch wie schon erwähnt kommt es nicht nur darauf an, einen Shop oder eine Webseite zu haben, die optimal auf mobilen Endgeräten dargestellt wird. Auch im Laden gibt es für Händler interessante Möglichkeiten, die Smartphone-Nutzung der Kunden ideal zu nutzen.

NewStore – Mobile First

NewStore wurde 2015 von dem deutschen Unternehmer Stephan Schambach, der auch schon Intershop und Demandware ins Leben rief, gegründet. Seit Mai 2016 hat das Unternehmen auch einen Standort in Berlin, entwickelt aber zunächst hauptsächlich für den amerikanischen Markt. Die Lösung, die NewStore anbietet, ist die erste Mobile-First Plattform für den Einzelhandel. Mit NewStore sollen Händler künftig ihren Kunden ein nahtloses Einkaufserlebnis bieten können – zugeschnitten auf das Smartphone, den ständigen Begleiter moderner Shopper/innen. In einem Video zeigt NewStore auf seiner Webseite die Customer Journey einer Dame, die in einem Laden einkauft, der NewStore integriert hat. Von der personalisierten Begrüßung, über die Beratung basierend auf Kundendaten aus dem Webshop, über die mobile Bezahlung via Apple Pay, bis hin zum spontanen Umtausch dank Same Day Delivery bietet der Händler seiner Kundin ein Einkaufserlebnis, das Online- und Offline-Kanäle verbindet und die Kundin dort erreicht, wo sie gerade ist. Wir sind sehr gespannt, wie sich NewStore entwickelt und halten die Lösung für eine vielversprechende Innovation.

Mobile Only – Was ist das denn jetzt schon wieder?

Wie schon erwähnt, führt die Optimierung bestehender Systeme, Shops oder Webseiten nicht immer zu einer idealen mobile customer experience. Daher setzen viele Marketer jetzt auf Mobile Only. Statt Bestehendes anzupassen, wird Mobile als eigener Kanal angesehen und entsprechend bedient. Shop Apps wie die von H&M, Ikea, Otto oder die verschiedenen Zalando-Apps sind Beispiele dafür, dass Mobile Only umgesetzt wird. Eine Studie von Stylefruits stellte kürzlich fest, dass fast 80% der Internetnutzer via App shoppen. Ein Mobile-Only Konzept lohnt sich also.

In seinem Whitepaper „App beats Web“ stellt Mobile Shopping Anbieter Shopgate ebenfalls die immer größer werdende Bedeutung mobiler Apps heraus. Schon 2014 überholten Apps klassische Desktopseiten im Rennen um den Hauptkanal zum Online Shopping. Laut Shopgate stieg 2015 die Nutzung von Shopping Apps sogar um 81%.

Der große Vorteil von Shopping-Apps liegt darin, dass der gesamte Prozess des Suchens, Auswählens und Bestellens für die Nutzung auf dem Smartphone ausgerichtet ist und so den Kunden eine leichte, intuitive Bedienung bietet. Dies führt zu mehr gesehenen Produkten, mehr Käufen und höheren Warenkörben.

Mobile Conversion

© Shopgate

Natürlich wollen wir damit nicht sagen, dass jeder Händler eine eigene App braucht. Vielmehr soll dies heißen, dass Mobile längst ein gängiger Kanal ist, über den Kunden einkaufen – sowohl online als auch offline. Und – wie auch mit dem Internet – macht es keinen Sinn, diese Entwicklung zu ignorieren zu versuchen. Denn die Digitalisierung geht nicht wieder weg, sondern sie entwickelt sich weiter und bietet dadurch immer mehr Möglichkeiten. Man muss sie nur nutzen.

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Zalando präsentiert Plattform-Strategie und LocaFox schluckt Simply Local

Wir haben ja bereits über lokale Online-Marktplätze berichtet. Local Commerce ist und bleibt Thema und kürzlich gab es einige Neuigkeiten in diesem Bereich. Wir wollen heute kurz vorstellen, was sich in letzter Zeit getan hat – und weiter tun wird.

Beginnen wir mit Zalando.  Das Unternehmen spricht schon länger von seinen Bestrebungen, zu einer Fashion-Plattform zu werden. Kürzlich stellte es sein neues Merchant Center und seine Online-Offline-Strategie vor. Statt wie Amazon weitere stationäre Filialen zu eröffnen (Zalando hat 3 Outletstores in Berlin, Köln und Frankfurt), konzentriert Zalando sich nämlich zunehmend auch auf die Anbindung lokaler Händler.

Die Plattform-Strategie von Zalando ist in zwei Stränge aufgeteilt: Online und Offline. Online bedeutet, dass Kunden ihre bestellten Produkte aus E-Commerce Lagern von Zalando und seinen Partnern bekommen. Offline bedeutet, dass bei immer mehr Bestellungen die Produkte aus der nächstgelegenen stationären Filiale der Marke an den Kunden ausgeliefert werden. So kann Zalando auch Same-Day-Delivery anbieten und innerhalb weniger Stunden seine Kunden vor Glück schreien lassen.

Zalando möchte sich dabei als zentraler Vermittler zwischen Kunden, Händlern und Produkten positionieren und außerdem durch die Anbindung lokaler Händler das Produktportfolio erweitern.

Zur Vernetzung der Online-Partner stützt sich Zalando auf seine beiden kürzlich gekauften Unternehmen Tradebyte und Anatwine, die die Vernetzung der verschiedenen Systeme möglich machen. Die Anbindung für stationäre Händler entwickelte Zalando selbst in seinem Fashion Connector Team in Helsinki. Mit der App Zipcart stellt das Unternehmen so die Produkte stationärer Händler zur Verfügung. Zalando stellt seine Plattform-Strategie folgendermaßen dar:

Zalando

© Zalando

Während also einer der ganz großen Online-Player seinen Einfluss auch offline in Richtung lokaler Handel erweitert, sind bestehende lokale Marktplätze im Zugzwang. So gab LocaFox bekannt, das Unternehmen Simply Local zu übernehmen. Damit sichert sich LocaFox eine große Zahl an zusätzlichen Händlern und Produkten und wird nach eigenen Angaben zur „größten Local-Shopping-Plattform Deutschlands„. Dies geschah zwar nicht als direkte Reaktion zu Zalandos Plänen, aber sicherlich zu einem guten Zeitpunkt.

Der Kampf der Online-Marktplätze um die Gunst der lokalen Händlern scheint eröffnet – da soll nochmal einer sagen, der stationäre Handel würde durch das Internet verdrängt. Wir bleiben dran am Thema!

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E-Food in Deutschland

Lebensmittel online kaufen – ja oder nein? Eine Frage, die sich viele Stellen, denn der E-Food Markt steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Zwar bieten immer mehr Supermärkte ihr Sortiment auch online an und gerade im Startupbereich passiert sehr viel – dennoch scheint sich kein Anbieter und kein Konzept so richtig durchzusetzen.

Außerdem mischt Online-Riese Amazon mittlerweile fast überall mit – auch auf dem Lebensmittelmarkt. Das von der Zeit als „Angstgegner“ bezeichnete Unternehmen testet schon seit einigen Jahren in den USA die Lieferung von frischen Lebensmitteln an die Haustür der Verbraucher. Bald soll Amazon Fresh auch in Deutschland starten, was vielen Anbietern Angst macht. Denn meist, wird das was amazon anfasst, über kurz oder lang zu Gold.

In diesem Artikel möchten wir deshalb einmal das Thema E-Food diskutieren; und zwar mit seinen Vor- und Nachteilen und Beispielen dafür, wie es funktionieren kann – und wie nicht.

Rewe, Edeka und Co. – deutsche Supermärkte online 

Zwei der Big Player unter den deutschen Supermärkten – Rewe und Edeka – bieten die Online-Bestellung von (frischen) Lebensmitteln schon seit einiger Zeit an. Rewe liefert ab einem Bestellwert von 40 € deutschlandweit und bietet Online-Shopping als erster deutscher Supermarkt auch per App an. Während Rewe einen zentralen Lieferservice anbietet, der aus der jeweiligen Filiale vor Ort liefert, ist das Konzept bei Edeka ein wenig anders. Unter edeka24.de findet man den Onlineshop von Edeka Südwest, der trockene, bzw. haltbare Lebensmittel anbietet. Frische Lebensmittel bekommt man nicht. Diese kann man wiederum unter edeka-lebensmittel.de bestellen. Letztere wird vom Edeka-Markt Bleise in Hamburg betrieben. Auch hierüber kann man allerdings deutschlandweit beliefert werden.

Bezahlen kann man in beiden Onlineshops per Rechnung, Kreditkarte oder Lastschrift/Sofort-Überweisung. Rewe bietet zusätzlich Paypal an und Edeka hat Amazon Payments und sogar Bitpay integriert. Was das Angebot angeht, ist edeka24 sehr umfangreich ausgestattet – das Angebot frischer Lebensmittel ist jedoch eher begrenzt. Rewe ist da schon etwas weiter und bietet eine Online-Auswahl an, die schon wesentlich näher an der Auswahl im Laden ist. Dennoch ist klar, dass die großen deutschen Supermärkte erkannt haben, dass auch Lebensmittel online gekauft werden – auch wenn sich der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland erst noch wirklich entwicklen muss.

Rewe Lieferservice

Rewe Lieferservice (© Welt)

Neben Edeka und Rewe rüstet sich auch die Schwarz-Gruppe mit ihren Ketten Kaufland und Lidl für das Online-Geschäft. Kaufland ließ verlauten, ab 2017 sein gesamtes Sortiment online anbieten zu wollen. Kunden in Berlin sollen dann ihren gesamten Einkauf online erledigen können. Falls erfolgreich, wird das Unternehmen sicherlich auch in anderen Städten Online-Bestellungen anbieten.

Lidl hingegen verfolgt eine etwas andere Strategie. Zwar betreibt der Discounter bereits seit einiger Zeit einen Onlineshop, bietet dort aber neben Haushaltsartikeln, Bekleidung und Elektrogeräten nur haltbare Lebensmittel an – keine Frischware. Ende 2015 wurde jedoch die Übernahme des Kochbox-Startups „Kochzauber“ durch den Discounter bekanntgegeben. Nachdem das Unternehmen seinen Onlineshop erweitert und mit der Lidl Vorratsbox einen Dienst im Sinne von Amazon Pantry gerufen hatte, scheint es jetzt mit Kochzauber die Fühler auszustrecken, um die Lieferung von frischen Lebensmitteln zu testen. Und das mit gutem Timing vor dem Start von Amazon Fresh.

Kochboxen – Kochzauber, Hello Fresh, Marley Spoon 

Lidl setzt also auf das Kochbox-Konzept. Neben Kochzauber bieten auch z.B. Hello Fresh von Rocket Internet und Marley Spoon, die in den USA jetzt sogar mit Amerikas bekanntester und beliebtester Hausfrau Martha Stewart kooperieren, in Abo-Form Boxen an, die Lebensmittel für wöchentlich ausgewählte Rezepte in den entsprechend benötigten Mengen enthalten. Man kann wählen, ob es z.B. vegetarisch sein und wie viele Tage die Box halten soll. Zusammen mit Rezeptkarten bekommt man dann pro Woche eine Box geliefert, voll mit frischen Lebensmitteln – inklusive Fleisch oder Fisch.

Eine praktische Sache, wenn man gerne selbst kocht und sich regelmäßig von neuen Rezepten inspirieren lassen will. Natürlich ist man mit so einer Box relativ festgelegt und muss ggf. doch nochmal selbst zum Supermarkt. Besonderes Augenmerk wird bei beiden Anbietern auf Qualität gelegt – dies ist unerlässlich bei der Lieferung frischer Lebensmittel. Denn hier kann der Konsument eben nicht mehrere Äpfel begutachten, bevor er den schönsten kauft. Da muss das, was geliefert wird, eine absolut einwandfreie Qualität haben.

Bisher scheint das Geschäft mit den Kochboxen recht populär zu sein – wie erwähnt, kooperiert Marley Spoon in den USA mit Martha Stewart und Hello Fresh gab kürzlich bekannt, jetzt nach Kanada zu expandieren. Dennoch scheint Rocket weiter auf das Konzept zu setzen und es bleibt abzuwarten, ob es sich durchsetzt oder ob Hello Fresh dasselbe Schicksal ereilt wie Bonativo.

Bonativo und Green Farmer – regionale Erzeuger stärken

Bonativo war ein weiteres Startup von Rocket Internet, welches 2015 an den Markt ging. Anfang Juni 2016 gab das Unternehmen bekannt, dass es seine Tore schließen muss. Gründe wurden nicht genannt, nur dass Bonativo sich „nicht entsprechend der Erwartungen entwickelt“ hätte. Das Konzept des Startups klang eigentlich vielversprechend. Es hatte seinen Fokus auf regionale Produkte gelegt, welche von ausgewählten regionalen Erzeugern stammten. Online konnten Kunden genau sehen, wo und von wem die entsprechenden Produkte hergestellt wurden. Der Lieferprozess lief folgendermaßen ab: Bonativo sammelte oder bekam die Ware von den Produzenten geliefert, verpackte sie dann und lieferte sie an seine Kunden aus. Doch trotz hoher Transparenz und kurzer Lieferzeiten schien sich Bonativo nicht über Wasser halten zu können. Warum?

Wir sehen als Gründe zum einen die Hürde, das Vertrauen der Kunden im Bezug auf die schon erwähnte Qualität frischer Lebensmittel zu gewinnen. Man kann die Ware eben vorher nicht begutachten und muss sich darauf verlassen, dass man einwandfreie Ware geliefert bekommt. Dies kann viele Verbraucher davon abhalten, frische Lebensmittel online zu bestellen. Hinzu kommt die weitreichende Verfügbarkeit. Wir in Deutschland sind – bis auf evtl. wenige Ausnahmen – was die Verteilung und Erreichbarkeit von Supermärkten betrifft, recht gut aufgestellt. Es gibt verschiedene Preisklassen, eine abwechslungsreiche Auswahl und die allermeisten von uns können ihren nächstgelegenen Supermarkt (relativ) gut erreichen. Da liegt die Vermutung nahe, dass es uns schlicht und einfach lieber ist, einen solchen Supermarkt zu besuchen, wo wir uns besagten Apfel dann eben auch genau anschauen können, bevor wir ihn kaufen.

Hello Fresh Box

© Hello Fresh

Ein weiterer Punkt ist der Preis. Es stellt sich für viele ja schon im stationären Supermarkt die Frage, „Will ich für den Salat aus der Region mehr ausgeben als für den aus Spanien?“ – denn auch wenn man umweltbewusst lebt, kann der Preis eine entscheidende Rolle spielen. Bei Online-Bestellung werden die Waren meist noch etwas teurer, bzw. kommt eine Liefergebühr hinzu. Dies liegt in der Natur der Sache, kann für viele aber ebenfalls das Kriterium sein, das sie dazu bringt, doch lieber selbst in den Supermarkt zu fahren.

Als letzten problematischen Punkt sehen wir die Tatsache, dass – abgesehen von bspw. Rewe – kaum ein Online-Lebensmittelshop ein so umfassendes Sortiment anbietet, dass den Weg zum Supermarkt überflüssig macht. Meist müssen wir eben doch nochmal vor die Tür und wir denken, dass dadurch viele wie gewohnt lieber den gesamten Einkauf stationär machen.

Dennoch scheinen immer mehr Startups den Verrsuch wagen zu wollen, mit E-Food in Deutschland Erfolg zu haben. So auch ein junges Unternehmen namens Green Farmer aus dem Raum Düsseldorf. Von der Unternehmenspräsentation von Green Farmer durften wir uns sogar selbst schon überzeugen. Bei den Retail Innovation Days and der DHBW Heilbronn Anfang April stellte sich das Startup vor und präsentierte sein Konzept. Green Farmer arbeitet eng mit regionalen Landwirten zusammen und bietet eine Plattform, die sie selbst als „Bauernmarkt online“ bezeichnen. Mit eignen Fahrern liefert das Unternehmen bestellte Lebensmittel innerhalb von wenigen Tagen in speziell konzipierten Kühlboxen aus. Bisher scheint das Konzept zu funktionieren – die Jungunternehmer berichten von wachsenden Kundenzahlen. Das Konzept ist dem vom gescheiterten Bonativo recht ähnlich. Dennoch vermelden die Jungunternehmer nach eigenen Angaben erste Erfolge.

Green Farmer

© Green Farmer

Doch können sich Startups wie Green Farmer durchsetzen? Oder hat das Beispiel von Bonativo gezeigt, dass es zu schwer ist, in den E-Food Markt einzusteigen? Und was passiert, wenn Amazon Fresh in Deutschland startet? Wir sehen das Angebot des Online-Riesen durchaus als möglichen Durchbruch im E-Food Markt. Amazon hat einen riesigen Kundenstamm und ist mittlerweile in so vielen Bereichen etabliert, dass dem Unternehmen auch der Schritt in Richtung E-Food in Deutschland gelingen könnte. Vorausgesetzt die genannten Problemfaktoren Frische, Preis und Qualität werden beachtet.

Es bleibt also spannend – entweder werden sich innovative E-Food Startups stetig weiterentwickeln und die bestehenden Supermärkte ihr Online-Angebot ausbauen oder Amazon Fresh übernimmt den Markt und lässt die anderen weiter kämpfen. Klar ist, dass der Lebensmittelmarkt sich verändert.

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Entwicklungen, die den Handel von morgen prägen

Derzeit geistern ja viele Entwicklungen umher, was aktuell im Handel im Bereich der Digitalisierung auf der Agenda steht – von Omnichannel mit Click&Collect, Reservierung, Assisted Selling, lokale Marktplätze, usw. bis zum Dauerthema Personalisierung – Oft bereits schon in der Umsetzung oder schon da – mit Optimierungsplanung für die nächste Zeit.

Wir wollen heute einmal einen Schritt voraus schauen und kurz vorstellen, von welchen Entwicklungen und Megatrends der Handel aus unserer Sicht in den nächsten 5 bis 10 Jahren beeinflusst und verschiedenen Bereichen grundlegend verändert werden wird:

  1. Omnichannel verschwimmt immer weiter zum Seamless-Commerce:
    Der Kunde denk eh nicht in Kanälen. Insofern werden alle Kanäle weiter so verschmelzen, dass es keine Kanaltrennung mehr nach Devices (Smartphone, PC, Wearables, SmartCars, SmartHome,…) oder Online/Offline geben wird. Je nach Anwendungsfall gibt es nur noch eine unterschiedliche Sicht auf die gleiche Commerce-Architektur darunter – Schnittstellen werden weitestgehend aufgehoben und durch immer mehr Realtime-Webservices ersetzt – Von der Angebotspräsentation und Commerce bis Fulfillment. Zudem wird sich auch das Marketing und die Analyse zum seamless Marketing und seamless Analytics entwickeln.  Auch der stationäre Handel wird zudem immer mehr datengestützt arbeiten, welches auch ganz neue Anforderungen an die Mitarbeiter stellen wird.
  2. Local-Commerce: Die Digitalisierung wird immer weiter in den klassischen Einzelhandel eindringen und somit die Arbeitsweise und die Serviceangebote der Händler verändern, sodass sich dieser wieder gegenüber dem reinen Online-Handel besser behaupten können wird. Ferner wird es eine Stärkung des lokalen Handels durch lokale Marktplätze, Plattformen und SmartCity-Services (z.B. „CityApps“ mit echtem Mehrwert für die Nutzer), welche dem Einzelhandel neue Möglichkeiten eröffnen, sich und seine Angebote darzustellen, zu reservieren oder zu verkaufen (mit neuen Formen des Lieferservice). Online-Händler werden zudem weiter den Anschluss an den lokalen Handel suchen – Entweder durch Selbsteintritt oder durch Kooperationen, wie es derzeit Zalando und Amazon bereits angegangen sind. Kunden werden folglich vermehrt auch wieder lokale Angebote wahrnehmen.
  3. IoT (Internet of Things) – Das Internet der Dinge wird bei immer mehr Produkten Einzug halten. Produkte, die selbständig mit dem Internet und dem Shop/Anbieter und Hersteller kommunizieren (z.B. ansatzweise amazon Dash) und solchen, die Informationen an ein Device senden, welches dann mit diesem Produkt eine Kommunikation ermöglicht. Auch hierbei geht es um Commerce und Information – also Produkte, die selbständig z.B. Bestellungen/Käufe auslösen können oder dem Nutzer kontextrelevante Informationen u.a. durch Beacons bereitstellen (z.B. durch proximity Marketing, relevante Produktinformationen, individuelle Angebote und Services, Einkaufserleichterungen und Kundenbindung). Einen Sonderfall stellen dann noch die Produkte dar, welche untereinander kommunizieren können und somit Aufgaben des klassischen Handels verändern werden können.
  4. Bots und Digitale Assistenten werden künftig ebenso den Handel stark prägen und verändern. Dies wird u.a. Einfluss auf die klassische Form des E-Commerce haben, wo man derzeit noch eine Plattform bzw. einen Online-Shop oder App benötigt, die dann ein Nutzer aufsucht um Produkte zu finden und auf die er sich dann manuell durch die Sortimentsvielfalt suchen und klicken sowie durch den Bestellprozess navigieren muss, werden an Bedeutung verlieren.
    Künftig wird eine einfache Anweisung an einen Bot (z.B. Siri), wie bspw. „Kaufe mir den günstigsten Adidas Fussballschuh in meiner Lieblingsfarbe, der mir noch heute bis 17:00 geliefert werden kann“ einen kompletten Such-, Bestell- und Lieferprozess in der richtigen Schuhgröße und Farbe (denn diese kennt der Bot) vollkommen im Hintergrund auslösen. Auch Anfragen, bei denen das Produkt noch nicht so klar ist, wie „stelle mir ein Outfit für den Theaterbesuch kommendes Wochenende“ zusammen, „zeige mir aktuelle Mode Trends“ oder Anfragen wie „suche mir einen Anbieter in der Nähe, der den laut Testberichten und Nutzerbewertungen besten 50 Zoll Fernseher im Preisbereich bis €500 auf Lager hat und reserviere mir diesen“ wird das klassische Such- und Einkaufsverhalten maßgeblich verändern. Angebote, Plattformen und Nutzerbewertungen werden im Hintergrund durchsucht bzw. langfristig durch Speicherung aller Produktinformationen und Anbieter in der BlockChain (siehe Punkt 6) aus dieser abgefragt.
    Such- und Angebotsprozesse sowie die Bestellabwicklung über einfache Authetifizierungsmechanismen (z.B. Fingerprint am iPhone) wird künftig immer mehr automatisiert werden. Im Mittelpunkt steht künftig nicht nur die Vereinfachung des Einkaufens, sondern des ganzen Lebens (Easy Living), die neben reinem Commerce auch alle anderen Lebensbereiche, wie Behördenthemen, Versicherungen, Finanzen, Gastronomie, Freizeitgestaltung, usw. umfasst.
  5. Das Dauertrendthema Personalisierung wird sich weiter fortsetzen und durch Machine-Learning weiter verbessern. Nach nunmehr 20 Jahren der Versuche zur Personalisierung von Angebotsvorschlägen auf mathematischer Basis ist die Erkenntnis gereift, dass der Mensch keine triviale Maschine  ist und die bisherigen technokratisch orientierten mathematischen Modellen zwar mittlerweile recht gut für Cross-Sellings funktionieren, aber nicht wirklich bei der Vorhersage und Beratung von Käufen. Warum es bei Cross-Sellings einigermaßen funktioniert liegt daran, dass die Personalisierung nicht auf Basis von Kaufentscheidungsprozessen beim Nutzer basiert, sondern auf Relationen zwischen Produkten (also eigentlich keine wirkliche Nutzerbezogene Personalisierung), deren Content und konkreten meßbaren Transaktionen und nicht auf Basis menschlichen Verhaltens – also dem Verhalten von komplexen Systemen (diese sind analytisch nicht erklärbar), neuronalen Vorgängen von lebenden Organismen – hier funktioniert menschliche Intuition und Erfahrungswissen noch immer deutlich besser.
    Ist die Fallzahl bei den transaktionsbezogenen Daten groß genug oder die textuelle Datenbasis zur semantischen Analyse und Vergleichbarkeit gut genug, dann lassen sich recht gute Wahrscheinlichkeitsaussagen darüber treffen, welche Produkte in irgendeinem Zusammenhang zueinander stehen.
    Das Kaufverhalten ist neurologisch noch nicht annähernd so gut erforscht – man weiss zwar, dass 80% der Kaufentscheidungen emotional getroffen werden – dass man daraus einigermaßen gute mathematische Modelle für eine echte Personalisierung ableiten kann. Mit Machine-Learning arbeiten zwar alle großen Firmen intensiv auch an diesem Thema. Durch Veränderung der Grunddenkweise bei den mathematischen Modelle und der Erkenntnis, dass der Mensch keine triviale Maschine ist, wird es daher Fortschritte in diesem Bereich geben. Die Frage ist jedoch, ob aufgrund der Komplexität des emotional und nicht-trivial operierenden Systems Mensch und der vielen Einflussfaktoren nicht automatisch analytisch erklärbare Grenzen für eine vorhersagende und proaktive Personalisierung von Angeboten gesetzt sind.
    Daher wird die Personalisierung und das Zusammenstellen curatierter Angebote verstärkt auch auf Basis datengestützter Empfehlungen durch Menschen geprägt werden. Apple stellt es sogar als Vorteil bzgl. der personalisierten Musikvorschläge heraus, dass am Ende ein Mensch die Musikauswahl beeinflusst und Zalando setzt auch in Zukunft verstärkt auf die mit Zalon eingeleitete Strategie, dass Modeexperten analytisch unterstützt nach einem echten Kundendialog Outfits und Produkte zusammenstellen, was aus Marketing-Sicht noch den Zusatzeffekt mitbringt, dass es persönlicher wirkt. Durch Veränderung der Grunddenkweise bei den mathematischen Modelle durch die Erkenntnis, dass der Mensch keine triviale Maschine ist, wird es durch Machine-Learning aber deutliche Fortschritte geben.
  6. Die zentrale Datenhaltung und Silosicht auf Daten und daran ausgerichteter Prozesse wird sich insbesondere in Bezug auf IoT, Bots und Personalisierung durch vermehrte Nutzung der BlockChain Architektur und SmartContracts grundlegend ändern, sodass die Daten nicht mehr nur bei einem Anbieter liegen, sondern diese in der BlockChain liegen und bei Erlaubnis und Bedarf von den Händlern, Bots, usw. über einen standardisierten Zugriff genutzt werden können. So können bspw. Produktverfügbarkeiten und Informationen in der Blockchain vorgehalten werden und diese aus unterschiedlichen Usecases heraus dann abgerufen werden. Ein Händler muss somit nicht mehr die Produktdaten manuell oder halbautomatisch in seinen Online-Shop und auf die unterschiedlichen Plattformen einpflegen, sondern der Shop und die Plattformen bekommen die Daten und Verfügbarkeiten aus der BlockChain. So wird bspw. auch eine händlerübergreifende Personalisierung möglich, da die Kaufhistorie nicht mehr nur bei einem Anbieter liegt, sondern anonymisiert in der BlockChain.
  7. Produktion on Demand im Laden durch z.B. 3D-Druck wird – nach ersten Gehversuchen – in den nächsten Jahren salonfähig werden und einen großen Einfluss auf den Handel haben. Bestimmte Produkte und Ersatzteile werden nicht mehr vorgehalten, sondern können direkt bei Bedarf im Laden hergestellt werden, wodurch die Flächenbegrenzung in bestimmten Produktbereichen aufgehoben wird – von Lebensmitteln (z.B. Nudelsorten) bis hin zu Spielsachen, Deko- und Haushaltswaren.
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Das Internet of Things im Handel

In unserem letzten Post haben wir die Bezahlfunktion der neuen Payback-App getestet. Es war spannend, so einfach mit dem Smartphone bezahlen zu können. Dies hat uns auch auf unser nächstes Thema gebracht: Das Internet of Things im Handel. Für alle, die nicht wissen, was das Internet of Things eigentlich ist – der Begriff bezeichnet die Vernetzung von intelligenten Gegenständen wie Handys, Armbanduhren, Fitnessarmbändern etc – aber auch von Haushaltgegenständen wie Küchengeräten (Beispiel Thermomix), Glühbirnen uvm. Diese Gegenstände werden im Internet der Dinge als aktive Teilnehmer in der Online-Welt gesehen – neben uns Menschen.
Ziel dieses Prozesses ist es, zu jeder Zeit aktuelle Informationen online verfügbar zu machen. Wir wollen uns einmal anschauen, welche Möglichkeiten das Internet der Dinge für den Handel bietet – sowohl im Hintergrund als auch auf der Fläche.

Ein Anwendungsfeld im Handel ist zum Beispiel die Ausstattung von Produkten mit RFID-Tags. Durch die Nutzung von entsprechenden Sensoren können so alle Produkte in kurzer Zeit erfasst werden und die Bestände sind je Filiale in Echtzeit aktuell. So geschehen bei Zara:

Praxisbeispiel – RFID bei Modekette Zara

Der Konzern Inditex, dem unter anderem auch die Modekette Zara gehört, kündigte bereits 2014 den Einsatz von RFID-Tags an. In die Warensicherung eingebaut senden diese Tags in Echtzeit den Standort eines jeden Produkts und vereinfachen so beispielsweise die Inventur. Statt jeden Barcode einzeln zu scannen, führen die Mitarbeiter RFID-Lesegeräte über die Regale und erfassen so die einzelnen Produkte. Zara hat die RFID-Tags in die Warensicherung eingebaut. Dadurch verlassen sie nicht mit Produkt und Kunde den Laden, sondern werden an der Kasse entfernt und können an ein neues Produkt angebracht werden. So lässt sich online einsehen, was verkauf wurde und vor allem welches Produkt sich wo in der Filiale befindet. Durch den Scan eines Tags können Mitarbeiter auch sehen, ob ein Produkt in einer anderen Farbe oder Größe im Laden oder in einer anderen Filiale (bzw. im Onlineshop) verfügbar ist.
Da Zara selbst produziert, stattet das Unternehmen alle Produkte bereits in den Produktionshallen mit den RFID-Tags aus. So sind Informationen über die gesamte Lieferkette verfügbar. Auch wenn Bestände in einzelnen Filialen zurückgehen, wird dies getrackt und die Mitarbeiter können früher nachbestellen.

IOT - RFID bei Zara

© Zara

Grundsätzlich kann der Einsatz von GPS- und RFID-Technologie die gesamte Supply Chain transparenter machen. Nicht nur der Standort des jeweiligen Produkts, sondern auch Informationen wie z.B. die Umgebungstemperatur, welche direkten Einfluss auf die Qualität vieler Produkte hat, lassen sich auslesen.
In Verbindung mit Smart Contracts in der Blockchain kann so jederzeit überprüft werden, ob die Vertragsbedingungen eingehalten wurden. Bei Lebensmitteln könnte dies vor allem interessant sein, z.B. bei der Frage ob die Kühlkette unterbrochen wurde. Durch Smart Contracts wird ein entsprechender Verstoß sofort gemeldet und der Lieferant beispielsweise sofort ausgelistet. Dies führt zu mehr Transparenz, von der alle beteiligten profitieren. Der Händler muss sich nicht mehr auf die Aussagen des Herstellers verlassen, sondern kann prüfen, ob alle Richtlinien eingehalten wurden. Im nächsten Schritt kann sich so auch der Kunde darauf verlassen, dass z.B. Gütesiegel gerechtfertigt sind – denn auch er kann es nachprüfen.
Die Vorteile, die das Internet der Dinge dem Handel bietet, fangen also schon bei der Produktion an. Doch auch im stationären Laden selbst können smarte Gegenstände eingesetzt werden, die miteinander und mit dem Kunden kommunizieren.

Der vernetzte Laden – Customer Journey

Stellen wir uns einmal vor, Musterkundin Julia ist auf der Suche nach einem neuen Sommerkleid und auf dem Weg in ihren Lieblingsladen. Schon beim Betreten wird Julia – die auch häufig online shoppt und Produkte recherchiert – durch Beacons erfasst (und erkannt) und bekommt auf ihren Geschmack und ihr Einkaufsverhalten zugeschnittene Angebote auf ihr Smartphone.
Der Händler hat seine Produktregale so aufgestellt, wie es auf Basis der von Beacons gesammelten Daten am meisten Sinn macht. Die Sender haben über einen längeren Zeitraum gemessen, an welchen Stellen im Laden Kunden sich aufhalten und wo sich z.B. Staus bilden. Julia sieht also auf ihrem Weg durch den Laden zuerst die auffällig platzierten Sonderangebote, neue Produkte oder Wühltische.
In der Abteilung für Sommerkleider trifft Julia auf Verkaufsberaterin Anne, die ihr einige Kleider zeigt. Im Gespräch erfährt die Verkäuferin, wonach Julia sucht, welche Größe sie hat und wie viel sie ausgeben möchte. Sie nutzt ihr Verkäufer-Endgerät, um verschiedene den Anforderungen entsprechende Sommerkleider auf dem großen digitalen Bildschirm in der Abteilung zu präsentieren. Durch den Direktvergleich von Schnitt, Farbe und Preis kann sie so besser eingrenzen, was Julia möchte. Hat sich die Kundin für ein Kleid entschieden, zeigt Anne ihr am Bildschirm, in welchen weiteren Farben es das Kleid gibt und welche Zusatzprodukte dazu passen würden. Sie holt alles, was Julia gefällt, und bringt es ihr in die Umkleidekabine.
In der Kabine probiert Julia die Sachen an und hat auch hier durch den digitalen Spiegel die Möglichkeit, andere Farben im Vergleich zu sehen. Eines der Kleider sitzt nicht optimal und Julia möchte es gerne in einer größeren Größe anprobieren. Statt sich komplett umziehen und die Kabine verlassen zu müssen, schickt sie über das Spiegel-Display eine Größenanfrage an Anne, die diese auf ihrem Endgerät sieht. Sie weiß sofort Bescheid und kann entweder das Kleid in der neuen Größe holen oder – wenn sie gerade im Gespräch mit einer anderen Kundin ist – den Auftrag an eine andere Kollegin weitergeben.
Nun hat Julia das richtige Kleid in der richtigen Größe gefunden und geht damit zur Kasse. Sollte sie auf dem Weg zur Kasse doch nochmal über die gezeigten Zusatzprodukte nachdenken, kann sie diese auch an einem der Self-Service Terminals abrufen, indem sie ihr Kleid scannt. Da die Bestände in Echtzeit abgerufen werden, zeigt ihr das Terminal an, ob das gewünschte Zusatzprodukt verfügbar ist und wo es sich im Laden befindet – auch wenn eine andere Kundin es nicht an seinen Platz im Regal zurückgelegt hat.
An der Kasse bezahlt Julia kontaktlos. Per Smartphone-App mit RFID oder z.B. Apple Pay. Ihre Sachen werden verpackt und sie verlässt den Laden zufrieden. Ihr Kauf wird in ihrem Kundenkonto registriert und beim nächsten Besuch in die Empfehlungen mit einbezogen.
So oder so ähnlich könnte die Customer Journey durch den vernetzten Laden der Zukunft aussehen.

Accenture - IoT im Handel

Accenture – IoT im Handel

Natürlich lässt sich dieses Szenario auf verschiedene Händler anpassen. Im Lebensmitteleinzelhandel kann z.B. ein Chip im Einkaufswagen den besten Weg durch den Supermarkt berechnen und den Kunden durch den Laden führen, nachdem er seinen Einkaufszettel per App übermittelt hat. Sportgeschäfte können die Daten aus Fitnesstrackern auslesen, sobald der Kunde den Laden betritt, und ihm so interessante Produkte und Angebote senden.

Und – Amazon hat es vorgemacht – kann das Internet der Dinge auch dazu beitragen, das Einkaufen von zu Hause aus einfacher zu machen. Mit dem Dash-Button hielt der Online-Marktplatz Einzug in amerikanische Haushalte. Kunden können per Knopfdruck eine Bestellung im Online-Shop auslösen. Dann ist auch denkbar, dass der „smarte“ Kühlschrank der Zukunft selbst merkt, dass bestimmte Produkte zur Neige gehen und dann rechtzeitig eine Bestellung auslöst. Es wird sich auch in diesem Bereich noch sehr viel tun – und das wahrscheinlich schneller, als viele denken.

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Payback PAY – Unser Praxistest (updated)

Update:

Wir haben es geschafft! Der 4. Versuch, mit Payback PAY zu bezahlen, war erfolgreich. Das Problem war tatsächlich die Nicht-Information der Mitarbeiter. Lediglich der Filialleiter wusste Bescheid und erklärte der Kassiererin (und uns) auf Nachfrage, dass das Kassenpersonal – nach Scannen des QR-Codes am Payback-Scanner – die Zahlungsoption „weitere Zahlungsmittel“ in der Kasse auswählen muss. Danach kann „Payback PAY“ ausgewählt werden und die Zahlung erfolgt automatisch. Die Kasse spuckt den Beleg aus und in der App wird angezeigt, dass man bezahlt hat und wie viel. Direkt im Anschluss bekommt man eine Email von Payback mit allen Informationen zur Zahlung und der Info, wann der Betrag vom hinterlegten Bankkonto abgebucht wird. In der App kann man außerdem jederzeit eine Übersicht seiner Zahlungen abrufen. Alles in Allem ein sehr gutes System, welches sich unserer Meinung nach trotz vereinzelter Startschwierigkeiten sehr schnell am Markt etablieren könnte.

Payback PAY Bestätigung

Payback PAY Zahlungsübersicht

Ursprünglicher Post:

Anfang des Monats wurde bekannt, dass Payback-Kunden jetzt auch mit der Payback App bezahlen können. Nach erfolgreichem Download bzw. Update der App wollten wir das neue Feature natürlich sofort testen. Einer von uns als bestehender Kunde und fleißiger Punktesammler, der andere als Neukunde.

Auf den ersten Blick sieht die neue Payback-App sehr gut aus. Die bekannten Funktionen wie das Suchen und Aktivieren von eCoupons sowie die Anzeige des Punktestands sind vorhanden – und sogar optisch schöner gestaltet als bisher. Neu ist, dass am unteren Rand, in der Mitte des Bildschirms, ein blauer Button angezeigt wird, auf dem ein Karten- und ein Euro-Symbol sind. Tippt man ihn an, kann man auswählen ob man mit PAY bezahlen und Punkten will, oder ob man seine jetzt digital verfügbare Payback-Karte aufrufen möchte. Wählt man Letzteres, so werden ein Barcode und die eigene Payback-Kundennummer angezeigt. Den Code kann man dann an der Kasse scannen lassen, so wie bisher die Plastikkarte, um Punkte zu sammeln.

Nun zur PAY-Funktion. Als bestehender Kunde fügt man seine Kontodaten (IBAN und BIC) hinzu und verifiziert das Konto entweder durch die Eingabe der Online-Banking PIN oder durch eine 1-Cent Überweisung. Dann legt man eine eigene PIN fest oder wählt beim iPhone TouchID zum Aktivieren der Zahlung. Der Code wird auch ohne Internetverbindung generiert, also auch bei schlechter Netzabdeckung funktioniert die mobile Bezahlung. Der Prozess erinnert an Bluecode, die österreichische Mobile Payment Lösung, über die wir bereits berichtet haben. Laut Payback sind auch die für PAY generierten QR-Codes nur für kurze Zeit gültig und verfallen dann. Das Bezahlen soll dadurch sehr sicher sein.

So weit, so gut. Das Anmelden und Verifizieren klappte gut, und die App generiert nach Identifizierung mit PIN bzw. TouchID einen QR-Code, der dann an der Kasse gescannt werden soll. Laut Payback ist die Nutzung von PAY bisher nur bei dm möglich. Bald sollen auch Real und weitere Payback-Partner folgen. An der Kasse bei dm sorgte das Vorzeigen des generierten QR-Codes zunächst einmal für Verwirrung. Das Kassenpersonal wies auf den Payback-Kartenscanner hin, der dann zwar die Kundennummer und die Tatsache, dass PAY aktiviert ist, erkannte – aber keinen Zahlungsvorgang registrierte. Bei 3 Versuchen in unterschiedlichen dm-Märkten erlebten wir dies. Wir haben sowohl direkt bei Payback als auch bei dm angefragt. Die Antwort von Payback:

„Wir haben Ihr Anliegen geprüft und möchten Ihnen mitteilen, dass es zu Herausforderungen bei dem Scan des Codes über den Kassenscanner kommen kann. Bitten Sie bei Ihrem nächsten Einkauf die Mitarbeiter um den Handscanner, da der Code damit besser eingelesen werden kann.“

Also können die relativ neu installierten Payback-Scanner, mit denen man seit knapp einem Jahr seine Karte selbst scannen soll, die generierten QR-Codes von Payback nicht richtig scannen? Das ist eigentlich erstaunlich, dachte man doch schon bei der Installation der neuen Terminals an Mobile Payment. Warten wir mal die Antwort von dm ab.

Ein weiteres Manko, welches uns auffiel, ist dass Payback PAY Neukunden scheinbar nicht unbedingt zur Verfügung steht. Denn schon bei der Anmeldung tut sich die erste Hürde auf: Die Registrierung für Payback PAY funktioniert scheinbar nicht, wenn Payback noch keine Daten über dich sammeln konnte. Du kannst zwar sofort anfangen, Punkte zu sammeln, aber die Verknüpfung mit deinem Bankkonto basiert auf „Zitat Payback PAY AGB“. Also, ohne zu wissen, wo und was du gerne einkaufst, schein Payback das mobile Bezahlen nicht anbieten zu wollen. Schade eigentlich. Denn Mobile Payment anzubieten, wäre doch eine tolle Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen. Vor allem, da der Markt noch sehr neu ist und unserer Meinung nach Payback die Möglichkeit hat, sich als Erster im Bereich Mobile Payment zu etablieren.

Unser vorläufiges Fazit: Endlich gibt es Mobile Payment in Deutschland! Die neue Payback-App ist gut gemacht und der Anmeldeprozess für Bestandskunden einfach und unkompliziert. Bei Neukunden zeigen sich Schwierigkeiten.  Im Praxistest zeigt sich wieder einmal, dass Digitalisierungsmaßnahmen leicht daran scheitern können, dass die Mitarbeiter nicht informiert werden. Die Menschen, die die Neuerungen umsetzen und in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen, wissen oft gar nicht, wie.  Auch scheint laut eigener Aussage von Payback die Technologie noch nicht ganz mitzuspielen. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir unsere Tests nur in einzelnen dm-Filialen durchgeführt haben. Das Handelsblatt führte z.B. ebenfalls Tests durch, die letzten Endes erfolgreich waren. Payback PAY funktioniert also – nur nicht überall.

Gut, dass man sowieso immer irgendwas von dm braucht, so können wir weiter testen, bis es irgendwann funktioniert. Fortsetzung folgt!

 

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Store Services – Das Wichtigste auf einen Blick

Click&Reserve, Click&Collect und Return to Retail sind drei Store Services, die das Online- und Offline-Shoppingerlebnis von Kunden optimal verschmelzen. Wir haben für euch einige Übersichten erstellt, um die Prozesse zu erklären.

Click & Collect haben wir zusammen mit Return to Retail dargestellt, da die Prozesse in direktem Zusammenhang stehen. Kunden möchten online kaufen und im Laden abholen können – und diese Ware auch wieder im Laden abgeben können. Diese Services kann man nur mit einem aktiven Onlineshop anbieten.

Click&Collect, Return to Retaill Infografik

Als Alternative haben wir außerdem Click & Reserve dargestellt. Diesen Service kann man anbieten, sobald das eigene Sortiment online dargestellt ist. Dies kann neben einem Onlineshop z.B. auch in Form eines Online-Schaufensters sein, oder über einen Online Marktplatz. Der Prozess läuft dann folgendermaßen ab:

Click & Reserve Infografik

Für weitere Informationen laden Sie jetzt hier unseren kostenlosen Leitfaden „Digital Selling für lokale Händler“ herunter. Im Leitfaden beschreiben wir die einzelnen Services genauer und erklären, wie Sie Click&Reserve auch ohne Onlineshop anbieten können.

 

 

 

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GoBD – was Händler jetzt wissen müssen

Die Digitalisierung kommt – das wissen wir mittlerweile alle. Doch während es ja bekanntlich zahlreiche Möglichkeiten gibt, freiwillig sein Geschäft zu digitalisieren, wird Ende des Jahres eines für alle verbindlich: Nämlich die Digitalisierung von Buchhaltung, geschäftlichen Aufzeichnungen und Unterlagen. Kurz: Die GoBD kommen. Seit einiger Zeit spukt die Abkürzung nun schon herum. Tatsächlich befinden wir uns seit 1. Januar 2016 bis einschließlich 31. Dezember 2016 in einer Übergangsphase, während welcher noch keine Konsequenzen entstehen, wenn Händler eine nicht-GoBD-konforme Kasse benutzen. Jeder, den es betrifft, sollte also mittlerweile davon gehört haben und anfangen, entsprechende Schritte einzuleiten.

Hinter dieser recht leicht zu merkenden Abkürzung versteckt sich der doch wesentlich kompliziertere Titel „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“.

Okay. Soweit alles klar? Nicht wirklich. Denn während die meisten Händler bestimmt schon wissen, dass sie bis spätestens Ende 2016 eine neue oder upgedatete elektronische Kasse brauchen, ist vielen nicht unbedingt klar, warum und was überhaupt konkret auf sie zukommt. Denn da diese Grundsätze gesetzlich festgeschrieben wurden, sind sie natürlich auch entsprechend zu lesen – nämlich sehr kompliziert. Wir haben uns mit dem Dokument, das bereits im November 2014 vom Bundesministerium der Finanzen herausgegeben wurde, auseinandergesetzt und möchten euch in diesem Post verständlich klar machen, was das Inkrafttreten der GoBD für Händler bedeutet.

Was legen die GoBD genau fest?

Zum Einstieg haben wir diese Infografik erstellt, die auf einen Blick die wichtigsten Aspekte zusammenfasst:

GoDB Infografik

Händler müssen also alle Geschäftsdaten, d.h. alle Dokumente der Finanz-, Anlagen- und Lohnbuchhaltung elektronisch bereitstellen. Und zwar vollständig, richtig, zeitgerecht, geordnet und unveränderlich. Welche Daten dies konkret betrifft?

GoBD Daten

© Weclapp, GoDB erklärt

Einzelaufzeichnungspflicht – Datensicherheit

Konkret bedeutet dies, dass z.B. jede Einnahme und jede Ausgabe einzeln erfasst und aufgezeichnet werden muss – und zwar täglich. Diese Aufzeichnungen muss man dazu für 10 Jahre aufbewahren. Während dieser Zeit müssen die Daten jederzeit verfügbar und abrufbar sein, man muss sie unverzüglich auslesen können und sie müssen (vom Finanzamt) maschinell ausgewertet werden können. Ihr braucht also eine elektronische Kasse, die all eure Daten erfasst und im richtigen Format für 10 Jahre speichert. Auch Unterlagen wie Geschäftsemails, Bedienungsanleitungen und Handbücher für die Kasse müssen in elektronischer Form zur Verfügung stehen.

Das Finanzamt muss jederzeit Zugriff auf die Daten haben können – z.B. mittels Datenträger oder direktem Datenzugriff. Hier bestehen Mitwirkungspflichten für den Unternehmer. Die Daten müssen, um von der Finanzbehörde ausgelesen werden zu können, im richtigen Format gespeichert werden. Rechnungen z.B. müssen im Format PDF/A-3 gespeichert und versendet werden. In der so gespeicherten Datei liegt dann ein Bild der Rechnung sowie Rechnungsdaten im XML-Format.

Unveränderbarkeit der Daten

Ein weiterer wichtiger Punkt des Dokuments ist die Unveränderbarkeit aller Daten. Dies bedeutet nicht, dass keine Änderungen an Daten möglich sind. Sondern, dass man jegliche Änderungen nachverfolgen können muss. Der ursprüngliche Inhalt muss jederzeit feststellbar sein, d.h. Daten dürfen nicht spurlos gelöscht, überschrieben oder ersetzt werden. So wird zum Beispiel die Löschung der Tagesumsätze durch Erstellen des sogenannten „Z-Reports“ ungültig. Denn dieser ausgedruckte Zettel, der die Daten des Tages gesammelt enthält, wird in Zukunft auch nicht mehr als gültige Aufzeichnung akzeptiert. Daten dürfen nicht mehr nur in Papierform aufbewahrt werden. Jegliche Papierbelege müssen eingescannt werden. Dann darf der Papierbeleg entsorgt werden – sicherheitshalber wäre es aber besser, ihn aufzubewahren.

Das Gesetz besagt, dass diese Unveränderbarkeit auf verschiedene Arten sichergestellt werden kann: durch Hardware (wie fälschungssichere Datenträger), Software (automatische Protokollierung, Löschmerker) oder durch die Erteilung von beschränkten Zugriffsberechtigungen. Auch dies muss die (neue) Kasse also können.

Wer ist betroffen?

Alle Unternehmer, die mit Hilfe von elektronischen Kassen Rechnungen und Kassenbons erzeugen, müssen bis spätestens Ende 2016 um- oder aufrüsten, auf Kassen, die alle Vorgaben erfüllen. Bei vielen Systemen wird oder wurde ein entsprechendes Software-Update bereitgestellt, welches Sie installieren müssen. Gibt es kein entsprechendes Update, müsst ihr euch nach einer neuen Kasse umschauen.

Welche Kassen(systeme) sind GoBD-konform?

Wir haben für euch recherchiert und einige nützliche Links zu GoBD-konformen Kassen gesammelt:

Es wird also Zeit, sich auf die Änderungen einzustellen und vorzubereiten – besser jetzt als später.

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Digital Selling – unser Leitfaden für lokale Händler

Heute gibt es mal einen Post in eigener Sache. In den letzten Wochen haben wir an unserem Leitfaden für die Digitalisierung im lokalen Handel gearbeitet. Jetzt haben wir Digital Selling fertiggestellt und das Dokument steht jetzt auf unserer Webseite als kostenloser Download zur Verfügung.
Wir wollen mit diesem Leitfaden lokalen Händlern ein Dokument an die Hand geben, welches Sie übersichtlich darüber informiert, wie sie ihr Geschäft digitalisieren und somit fit für die Kundenerwartungen von (heute und) morgen machen können. Es war uns hierbei besonders wichtig, aufzuzeigen, dass Digitalisierung im Handel nicht zwangsläufig bedeutet, dass jeder Händler – ob groß oder klein – einen eigenen Onlineshop eröffnen muss. Denn schon mit einem geringen Zeit- und Kostenaufwand kann man als Händler auf dem virtuellen Stadtplan der Online-Shopper erscheinen. Und genau das ist unserer Ansicht nach der Ausgangspunkt: Online-Sichtbarkeit. Wir sehen den eigenen Webshop also vielmehr als die Königsdisziplin der Digitalisierung und möchten mit unserem Leitfaden den Händlern auch andere Möglichkeiten präsentieren.

Digital Selling Auszug

Auszug aus Digital Selling – Leitfaden für lokale Händler

Den Anfang machen z.B. einfach umzusetzende Maßnahmen wie z.B. eine Profilseite bei Google My Business oder Anzeigen auf markt.de. Dies kann bereits die Chancen erhöhen, bei der Online-Suche eines Kunden aufzutauchen. Und somit wird es auch wahrscheinlicher, dass genau dieser Kunde in den Laden kommt. Denn während Amazon und Co. uns unsere Bücher, Haushaltsgeräte, Schuhe und bald auch Lebensmittel immer schneller nach Hause liefern, ist es vielen Kunden doch weiterhin wichtig, auch im Laden um die Ecke das zu finden, was sie suchen. Und der Mehrwert des stationären Handels gegenüber digitaler Warenwelten ist und bleibt, dass wir vor Ort die Produkte anfassen und anprobieren können. Hinzu kommt hier noch die persönliche Beratung und wieder wird klar – der Trick ist es, Online- und Offline-Shopping möglichst nahtlos zu verschmelzen. Denn Kunden denken nicht in Kanälen – sie möchten gerne online recherchieren und wahlweise auch bestellen können, aber auch – wenn sie z.B. gerade in der Stadt sind – online sehen können, welche Produkte die Filiale vor Ort auf Lager hat.

Der Ansatz ist für uns also nicht „Alle müssen online verkaufen“, sondern vielmehr „Alle sollten online zu finden sein“. Unser Leitfaden führt Schritt für Schritt durch die verschiedenen Optionen, aufsteigend nach Zeit- und Kostenaufwand sortiert.

Schaubild Digitalisierung

Digitalisierungsmaßnahmen nach Aufwand

Am Anfang jedes Kapitels gibt eine kurze Checkliste einen Überblick über die wichtigsten Faktoren, die es zu bedenken gilt. So kann man auf einen Blick feststellen, wo man steht und wie aufwendig die jeweilige Maßnahme für den eigenen Laden ist. Des Weiteren stellen wir zahlreiche Lösungen vor und vergleichen diese miteinander.

So kann z.B. auch ein zentrales PIM-System zur Verwaltung und Veredelung von Produktdaten dabei helfen, das Sortiment – oder einen Teil davon – ganz leicht in einem Online Schaufenster zu präsentieren. Wir arbeiten derzeit an einer eigenen Lösung, welche wir auch in unserem Leitfaden kurz vorstellen. Weitere Informationen zum Produkt store2web gibt es in Kürze hier auf dem Blog und auf unserer Webseite.

Als Berater können wir lokale Händler dabei unterstützen, die passenden Maßnahmen und Systeme auszuwählen und auch umzusetzen.
Um den Leitfaden jetzt kostenlos herunterzuladen, klicken Sie einfach auf das Bild.

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Digital Payment

Das rasante Wachstum des E-Commerce und die Digitalisierung im stationären Handel bringen Veränderung in allen Bereichen des Einkaufen mit sich. Eine interessante Entwicklung ist die der Zahlungsmethoden. Online läuft die Bezahlung meist über unser Onlinebanking per Überweisung oder Bankeinzug, über digitale Zahlungsmethoden wie Paypal oder durch die Eingabe unserer Kreditkartendaten ab.

Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel

Stationär ist Studien zufolge Bargeld nach wie vor das bevorzugte Zahlungsmittel der Deutschen, auch wenn die Kartenzahlung immer beliebter wird. Doch ständig gibt es Neuigkeiten über digitale und biometrische Zahlungsmethoden, die die Abläufe beim stationären Einkauf schneller und einfacher machen sollen. In diesem Beitrag wollen wir uns einige dieser Verfahren genauer anschauen und diskutieren, wie die Chancen für eine Ablösung des Bargelds als beliebtestes Zahlungsmittel in Deutschland stehen.

Apple Pay, Android Pay und das Problem mit den Kreditkarten

Das Smartphone unterstützt und begleitet die meisten von uns in allen Lebenslagen. Eine aktuelle Befragung von Statista zeigt, dass 2015 bereits 64% der Deutschen ein mobiles Endgerät nutzten, um online einzukaufen – Tendenz steigend. So ist es also nicht abwegig, auch mit dem Smartphone bezahlen können zu wollen. Oder doch? Wir haben es sowieso immer bei uns und griffbereit – warum sollten wir, statt mühselig nach Kleingeld zu kramen, nicht einfach mit unserem Handy bezahlen können?

Das dachten sich wohl auch Google und Apple, als die beiden Unternehmen ihre Mobile Payment Systeme Apple Pay und Android Pay starteten. Während zumindest Apple Pay seit dem Start 2014 neben den USA in fünf weiteren Ländern angelaufen ist, funktioniert Android Pay bisher nur in den Vereinigten Staaten. In Deutschland ist die Nutzung keiner der beiden bisher möglich. Doch woran liegt das?

Apple Pay

Apple Pay

Die Problematik liegt in der Akzeptanz. In Deutschland ist die Zahlung per Karte zwar etabliert – allerdings hauptsächlich per EC-Karte. Bei Kreditkarten sieht es anders aus. Obwohl das Volumen der Kreditkarten im deutschen Einzelhandel gewachsen ist, machten Kreditkartenzahlungen 2015 gerade mal 5,7% des Gesamtumsatzes aus. Und genau hier liegt das Problem. Denn sowohl Apple Pay als auch Android Pay setzen eine Kreditkarteninfrastruktur voraus. Als Grund für die mangelnde Akzeptanz von Kreditkarten im deutschen Einzelhandel sieht bspw. Horst Rüther, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute, „die kreative Neuentwicklung sogenannter Card Scheme Fees“. Nachdem die EU die Gebühren für Kreditkartenzahlungen im Handel 2015 reguliert hatte, versuchen Kreditinstitute nun, durch eigene Gebühren wieder mehr an Kreditkartenzahlungen zu verdienen – sehr zum Leidwesen des Handels.
Und genau diese Problematik ist laut Sparkassen- und Giroverband der Grund dafür, dass wir Deutschen bisher Apple Pay noch nicht im Handel nutzen können.

 „Wir machen es lieber selbst“ – die Banken stellen sich quer

Doch ist dies wirklich der einzige Grund? Apple Pay ließe sich auch mit Debit-Karten nutzen. Es kann also nicht allein an der fehlenden Kreditkartenkultur liegen. Ein durchaus plausiblerer Grund ist wohl, dass mit paydirekt vor Kurzem ein digitales Bezahlsystem auf den Markt gekommen ist, an dem der Großteil der deutschen Kreditinstitute beteiligt ist.

Paydirekt

Paydirekt

Für Verbraucher ist die Nutzung sicher und einfach – Händler hingegen müssen sich mit den jeweiligen Banken einzeln einigen. Ein sehr mühsames Unterfangen, welches wohl auch der Grund für die bisher sehr geringe Zahl an teilnehmenden Händlern ist.

Während paydirekt als Bankprodukt sicherlich bei Kunden gut ankommt, sehen wir zwei zentrale Probleme: Der Markt ist schon abgedeckt. PayPal ist so stark, dass es sehr schwierig werden dürfte, ein alternatives, jedoch sehr ähnliches System auf dem Markt zu etablieren. Außerdem ist Mobile Payment auch bei paydirekt noch Zukunftsmusik. Der Dienst funktioniert beim Online-Shopping, doch im stationären Handel lässt sich immer noch nicht mit dem Smartphone bezahlen. Hier könnte Apple Pay sich letztendlich doch durchsetzen. Es stellt sich also die Frage, ob Verweigerung die richtige Strategie im Kampf um den Mobile Payment Sektor ist. Sollten deutsche Kreditinstitute nicht versuchen, sich mit Apple und Google zu einigen? Angeblich schraubt auch Microsoft aktuell an einem Mobile Payment System. Somit sind bald die drei größten Anbieter von Smartphones und Betriebssystemen mit Mobile Payment startklar. Ob sich dann von Banken selbst entwickelte Systeme noch durchsetzen können, bleibt mehr als fraglich.

Auch Mobilfunkanbieter versuchen vermehrt, ins Payment-Geschäft einzusteigen. So gab beispielsweise Telefónica Deutschland kürzlich bekannt, dass Kunden bald das sogenannte O2 Banking nutzen können. In Zusammenarbeit mit der Online-Bank Fidor bietet O2 ein an den Mobilfunkvertrag gekoppeltes Konto an, über welches neben klassischen Online Banking Funktionen auch Zahlungen an Handynummern oder Emailadressen geschickt werden können. Als „Zinsen“ erhalten Nutzer zusätzliches Datenvolumen zum mobilen Surfen. Bei Kontoeröffnung erhalten Kunden auch eine klassische Debitkarte. Die Zahlung zwischen Privatpersonen ist hiermit also schon mal digital möglich. Interessant ist aber, dass Telefónica für den Gebrauch im Handel dennoch auf eine klassische Kartenzahlung setzt.

Blue Code – Mobile Payment made in Austria

In Österreich ist mobile Payment schon einen Schritt weiter. Das Unternehmen Secure Payment Technologies ist dort mit seiner Lösung Blue Code schon 2015 erfolgreich gestartet. Die App gibt es sowohl für iOS als auch für Android. Bankpartner sind die österreichischen Sparkassen sowie die Hypo Tirol Bank, doch die App funktioniert mit jedem österreichischen Bankkonto. Für Kunden der Partnerbanken läuft die Anmeldung über das Online-Banking, bei anderen österreichischen Banken via SEPA-Lastschriftmandat – ähnlich wie bei PayPal.

Der Bezahlvorgang ist ganz einfach: Die App generiert für jede Zahlung einen einzigartigen, blauen Barcode, welcher 4 Minuten lang gültig ist. Wird dieser an der Kasse gescannt, erfolgt die Bezahlung über das verknüpfte Girokonto. Der Kunde gibt seine Daten damit nicht an Dritte weiter und kann sicher bezahlen. Auch an Automaten (via Blutetooth) und online (durch Eingabe des Zahlencodes unter dem generierten Barcode) können Kunden mit Blue Code bezahlen.

„2016 wollen wir nach Deutschland expandieren und weitere Partner von unserer praktischen Alternative zur Bar- oder Kartenzahlung überzeugen“, so Gründer Michael Suitner auf der EuroCIS im Februar, als Blue Code den Bronzepreis in der Kategorie Zahlungsmanagement für das „Top Produkt Handel 2016“ erhielt.

Loyalty-Programme als Einstieg ins Mobile Payment

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Payback Pay – Bild von mobilbranche.de

Im Juni 2016 will Payback eine Bezahlfunktion zur Payback-App hinzufügen. Zunächst soll dies nur in Märkten der Drogeriekette dm möglich sein, weitere Händler sollen später folgen. Die Zahlung per App soll durch NFC und per QR-Code möglich sein. Eingezogen werden die Beträge dann per Lastschriftverfahren. Basierend auf der Technik von United Mobility Technology soll die Zahlung absolut sicher sein, denn weder UMT noch Payback haben Zugriff auf Kundendaten, sondern werden von einem „zertifizierten Zahlungsdienstleister verarbeitet“, so Albert Wahl von United Mobility Technology in einem Interview mit ZDNet.
Auch Unternehmen wie z.B. Starbucks und bald auch Coca-Cola bieten ihren Kunden Mobile Payment im Rahmen ihrer eigenen Apps an. Wie der Prozess bei Coca-Cola genau sein wird, ist noch nicht bekannt. Das Unternehemen gab ledliglich bekannt, dass es seine Get Happy App, mit der Kunden Punkte sammeln können, um eine Bezahlfunktion erweitern will. Starbucks bietet Mobile Payment schon länger an – allerdings beschränkt sich die Zahlungsfunktion natürlich auf die eigenen Geschäfte. Die Zahlung läuft hier prepaid über die Starbucks Card. Was beide Unternehmen als Einstieg nutzen, ist ihr jeweiliges Loyalty Programm. Kunden sind es schon gewohnt, per App Bonus- oder Treuepunkte zu sammeln und die mobile Zahlung soll ihnen als Zusatzfunktion näher gebracht werden. Das ist wohl auch der Ansatz von Payback. Doch während unternehmenseigene Apps mit Zahlfunktion einen begrenzten Kundenstamm und ein begrenztes Einsatzgebiet haben, scheint Payback eine größere Bedrohung für die Pläne der Banken darzustellen. Mit einer wachsenden Zahl an Partnern und Nutzern könnte Payback Pay sich schnell ausbreiten und zumindest in Läden, die mit Payback kooperieren, als bevorzugtes Zahlungsmittel etablieren. Denn wenn man schon die Payback App aktiviert hat, um Punkte zu sammeln – warum sollte man dann eine andere App öffnen, um mobil zu bezahlen?

Bezahlen per Fingerabdruck – attraktive Alternative oder Science Fiction?

Es tut sich also viel im Bereich Payment. Neben Mobile Payment scheint auch die Zahlung mittels biometrischer Identifikationsmethoden an Zuspruch zu gewinnen. Auch hier hat z.B. Apple vorgelegt – schon 2013 begann mit Veröffentlichung des iPhone 5S die Ära der Touch ID Funktion. Auch bei der Nutzung von Apple Pay kann man quasi mit seinem Fingerabdruck bezahlen. Auch Samsung bietet in Zusammenarbeit mit PayPal die Authentifizierung mittels Fingerabdruck-Scan auf dem Smartphone oder Tablet an.

Viele Smartphone-Nutzer sind es also schon gewohnt, ihren Fingerabdruck als fälschungssichere Methode der Authentifizierung von Zahlungen zu nutzen – gegebenenfalls sogar ohne Smartphone. So zeigt eine Studie des ECC Köln, dass knapp zwei Drittel der befragten Verbraucher auf biometrischen Daten basierende Zahlungsmethoden für eine interessante Alternative zu den klassischen Methoden halten. Händler scheinen hingegen skeptischer eingestellt, wie die folgende Grafik zeigt.

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Quelle: ECC Köln

Interessant ist hier, dass die Bereitschaft für Mobile Payment und biometrische Zahlungsmethoden im Vergleich bei Händlern und Verbrauchern genau umgekehrt zu sein scheint. Wie kommt das?

 

Wir sehen einen möglichen Grund hierfür darin, dass Konsumenten evtl. skeptisch gegenüber der Sicherheit von Mobile Payment sind. Die Eingabe vertraulicher Bankdaten in Apps mag vielen noch unsicher erscheinen – ein Smartphone lässt sich immerhin stehlen und hacken. Da wirkt die Bezahlung per Fingerabdruck oder Iris-Scan sicherer und findet vermutlich deshalb größeren Anklang bei Konsumenten.
Händler hingegen sehen Mobile Payment vermutlich als leichter umsetzbar. Die Technologie ist in diesem Bereich schon relativ weit entwickelt und die Installation der benötigten Hardware (wie z.B. NFC-Lesegeräte) deshalb bezahlbar. Fingerabdruck- und Iris-Scanner klingen da schon hochpreisiger.

Dennoch bieten lediglich 1,9% der befragten Händler Mobile Payment bereits an. Auch hier ist also noch Luft nach oben, auch wenn die Bereitschaft schon mal da ist. Die vollständige Pressemitteilung und den Link zur Studie gibt es hier.

Der Bereich Payment ist im Wandel und man kann damit rechnen, dass sich noch einiges tun wird. Vielleicht dürfen auch wir Deutschen bald mit unseren Smartphones bezahlen – oder wir nehmen einfach unseren Fingerabdruck.

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Lokale Marktplätze

Local Commerce ist derzeit ein großes Thema. Im letzten Post haben wir ja schon darüber gesprochen, dass zwei der Big Player im E-Commerce – Amazon und Zalando – immer stärker auf den lokalen Handel setzen. Auch die Internet-Mogule Google und Apple bieten immer mehr Möglichkeiten, sich als lokaler Händler zu positionieren. Via Google My Business und Apple Maps Connect können Händler für ihr Unternehmen ein Online-Profil anlegen – kostenlos. Die Einträge werden von den Unternehmen natürlich geprüft und gerade für kleinere Unternehmen kann es mitunter schwierig sein, sich hierüber zu positionieren. Nichtsdestotrotz zeigt sich auch hier: Local Commerce ist und bleibt Thema.

Neben den Bemühungen der Big Player versuchen auch lokale Plattformen wie Locafox oder Atalanda, den lokalen Handel zu stärken. Der Gedanke – vor allem bei Atalanda – ist, dass die Anonymität, die beim Einkauf im Internet zwischen Händler und Kunden oft herrscht, aufgehoben werden soll. Der Laden um die Ecke, der das gesuchte Produkt vielleicht gerade im Regal liegen hat, während der Kunde es bei Amazon bestellt, hat eigentlich keine Chance, wenn er sich nicht online präsentiert. Der stationäre Handel ist in vielen Fällen weiterhin davon abhängig, dass Kunden beim Schlendern in der Stadt durch ein ansprechendes Schaufenster in den Laden gelockt werden. Da wollen lokale Marktplätze ansetzen und vor allem kleineren Händler, die sich vielleicht keinen eigenen Webshop leisten können, die Möglichkeit geben, ihr Sortiment online abzubilden. So erscheint auch z.B. der kleine, aber feine Käseladen in der Innenstadt auf dem Radar der Online-Shopper.

Die Frage ist nur: Bringt die Onlinepräsenz automatisch auch mehr Kunden in den Laden? Dies sehen viele noch skeptisch. Das zeigt auch eine Studie, durchgeführt in Zusammenarbeit vom ECC Köln und eBay. Aus Händlersicht besteht laut den Ergebnissen der Mehrwert der Anbindung an lokale Marktplätze vor allem darin, online präsent sein zu können, ohne das Risiko eines eigenen Webshops einzugehen. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Händler sieht Marktplätze jedoch als Möglichkeit, mehr Kunden in den Laden zu bekommen.

Quelle: Marktplatz-KIX von ECC Köln und eBay

Quelle: Marktplatz-KIX von ECC Köln und eBay

Locafox – Onlinemarktplatz mit Produktfokus

Lokale Plattformen wie Locafox oder auch Simply Local stellen das Produkt in den Vordergrund. Als Kunde gibt man seinen Standort an und sucht nach einem bestimmten Produkt. Die Seite präsentiert dann im Idealfall eine Übersicht an Händlern in der Nähe, die das Produkt vorrätig haben. Man kann das Produkt direkt online reservieren und es dann in der Filiale vor Ort abholen. Im Vordergrund steht hier also das Produkt – der Kunde weiß, was er will und kauft es dann bei dem lokalen Anbieter, der am nächsten ist – oder den besten Preis hat.

Screenshot Locafox Startseite

Screenshot Locafox

Wählen kann der Kunde hier zwischen klassischer Onlinebestellung über den Shop des Händlers oder Click&Collect, also Online kaufen, vor Ort abholen. Ab Juni 2016 will Locafox auch Same Day Delivery anbieten. Zunächst beschränkt auf das zentrale Berlin sollen Kunden ihre online bestellten Waren auf Wunsch innerhalb von 90 Minuten geliefert bekommen können. Auch will der Marktplatz die Lieferung zur Wunschzeit anbieten – ein Service, der ebenfalls immer populärer wird. Der Marktplatz orientiert sich scheinbar am Amazon- oder Zalando-Modell und will die Ware dort anbieten, wo der Kunde ist.

Atalanda und die Online Cities

Atalanda setzt den Fokus auf den (lokalen) Händler. Begrüßt wird man beispielsweise auf der Startseite des „Mein Heilbronn Shops“ von den freundlichen Gesichtern lokaler Händler. Das ist nett – doch ist es der optimale Einstieg für den Heilbronner, der gerade akut nach einem bestimmten Produkt sucht? Natürlich bietet die Produktsuche die Möglichkeit, gezielt zu suchen. Dennoch ist fraglich, ob eine Startseite mit aktuellen Angeboten der einzelnen Läden nicht auf den ersten Blick ansprechender wäre. Doch egal wie man diesen Aspekt sieht – das Atalanda Konzept scheint zu funktionieren.

Denn auch die „Online City Wuppertal„, das Vorzeigeprojekt lokaler Marktplätze, ist ein Atalanda-Projekt. Seit Anfang 2015 läuft es nun schon und ist laut Presseberichten ein voller Erfolg. Die stationären Händler von Wuppertal verzeichnen erhöhte Umsätze seit Beginn des Projekts – scheinbar auch offline. Die Onlinebestellung kann über die Atalanda-Plattform als Sammelbestellung abgegeben werden. Der Kunde hat einen Warenkorb und kann damit Waren verschiedener Händler kaufen. Auf Seiten von Atalanda wird die Bestellung jedoch gesplittet und an die jeweiligen Händler weitergegeben. Deshalb können für den Kunden mehrfach Liefergebühren anfallen. Ausgeliefert werden die bestellten Waren dann von Atalandas eigenem Lieferdienst Atalogics.
Alternativ können Kunden – zumindest in Wuppertal – ihre online bestellten Waren gesammelt an einem zentralen Drive-In Schalter abholen.

Screenshot Talkontor Wuppertal

Screenshot Talkontor Wuppertal

Mittlerweile sind neben Wuppertal auch Attendorn, Göppingen, Heilbronn und Wolfenbüttel zu Atalanda-Städten geworden. Das Unternehmen plant weitere Stadt-Plattformen. Das Angebot wird stetig erweitert und immer persönlicher. Dies zeigt ein Praxisbeispiel aus der Schweiz.

SMS-Shopping – Local Commerce in Bern

In Bern startete Atalanda in Zusammenarbeit mit der Schweizer Post einen Onlinemarktplatz names Kaloka. Das Prinzip ist dem der Online City Wuppertal ähnlich – mit einem besonderen Service. Die sogenannte SMS Shopping Funktion lässt Kunden per SMS mit einem Kaloka-Mitarbeiter chatten, um das perfekte Produkt zu finden. Hier kommt man zurück zum Herzstück des lokalen Handels – personalisierte Einkaufserlebnisse.

SMS Shopping Kaloka

© Kaloka

Onlinemarktplätze tun also viel, um den stationären Handel zu stärken. Aus Händlersicht können diese Plattformen eine größere Reichweite des E-Commerce Geschäfts darstellen, oder – besonders für kleinere Händler – eine vergleichsweise kostengünstige Alternative zum eigenen Onlineshop sein. Ohne den Aufwand, der mit der Eröffnung einer „Online-Filiale“ verbunden ist, positionieren sie sich so trotzdem im Web und stärken ihre Chance gegenüber Ketten und Kaufhäusern. Der viel erwähnte ROPO-Effekt (Research Online, Purchase Offline) kann außerdem genutzt werden, um diese Onlineshopper in die stationären Läden zu leiten.

Den Mehrwert für den Kunden beim Einkauf auf lokalen Onlinemarktplätzen sehen wir in den folgenden Punkten: Online-Shopping ist bequem, schnell und unabhängig von Ladenöffnungszeiten. Click & Collect in lokalen Geschäften ermöglicht das Anprobieren vor dem Kauf. Außerdem sind solche Marktplätze eine gute Möglichkeit, neue Geschäfte in der eigenen Stadt zu entdecken. Same Day Delivery ist ein attraktiver Service, wenn man das Produkt unbedingt sofort haben möchte. Da viele Kunden jedoch auch unterwegs online shoppen, ist ein weiterer Service wichtig, den (noch) nicht alle Plattformen anbieten. Und zwar die Lieferung zur Wunschzeit. Natürlich ist es unglaublich angenehm, bestellte Waren innerhalb kürzester Zeit zu bekommen. Doch nicht immer ist man gerade zu Hause oder will die Ware unbedingt sofort in Empfang nehmen können. Als attraktive Alternative zur klassischen Lieferung „in 2-3 Tagen“ ist der Wunschtermin ein Service, der verstärkt angeboten werden sollte – und vermutlich auch wird. 

Spannend dürfte es auch werden, zu sehen, ob sich Locafox, Atalanda & Co. gegen die Online Riesen durchsetzen können.

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Amazon, Zalando und der lokale Handel

Das Schreckensbild der aussterbenden Innenstädte und das des Kunden, der nur noch online vom Sofa aus shoppen geht, beschäftigt Einzelhändler schon seit Langem. Große Plattformen wie Amazon und Zalando scheinen stationären Händlern keine Chance zu lassen. Doch aktuell entwickelt sich ein Trend, der bestätigt, was viele schon lange sagen: Kunden mögen es zwar möglichst bequem beim Shoppen, wollen aber häufig nicht darauf verzichten, Produkte in der realen Welt zu sehen, anzuprobieren und dazu persönlich beraten zu werden.
Vermutlich genau deshalb gehen sowohl Amazon als auch Zalando jetzt offline. Das soll natürlich nicht heißen, dass es die beiden Onlinemarktplätze bald nicht mehr online geben wird. Vielmehr zeichnet sich immer deutlicher ab, dass sie dabei sind, den stationären und vor allem den lokalen Handel an ihre Online-Shopping Welt anzubinden. Wie schon zuvor berichtet, begann der Prozess besonders bei Amazon schon vor längerer Zeit.

Seattle, Berlin, Frankfurt – Amazon und Zalando zum Anfassen

Amazon Books Seattle

Amazon Books in Seattle © Amazon

Bereits 2014 eröffneten sowohl Amazon als auch Zalando eigene stationäre Filialen. Mit dem Amazon Books Shop in Seattle  und den Zalando Outlet Stores in Frankfurt und Berlin machten die Online-Riesen ihre ersten Schritte in Richtung stationärer Handel. Gerüchten zufolge planen beide zusätzliche stationäre Filialen. Zalando will noch dieses Frühjahr in Köln starten und Amazon hat offenbar vor, über kurz oder lang bis zu 400 Filialen zu eröffnen.
Vor einiger Zeit startete Amazon außerdem das Projekt „Amazon Locker„. Das Unternehmen platzierte in verschiedenen Geschäften in den USA Paketstationen, von welchen Kunden ihre online bestellten Waren abholen können – ähnlich einer DHL Packstation.Die meisten Locker wurden in Filialen der 24-Stunden-Supermarktkette „7-11“, was den Kunden eine Abholung ihrer Pakete rund um die Uhr ermöglicht. Auch einige Supermärkte und Apotheken haben Amazon Locker aufgestellt. Dieses Projekt, das auf dem Click & Collect-Prinzip basiert, verbindet das Unternehmen mit bestehenden stationären Händlern.

Amazon und Moda Operandi – Personal Commerce statt Omnichannel

Seit Amazon Anfang April sein globales Payment Partner Program ausgerollt hat, können ausgewählte Online-Händler ihren Kunden die Zahlung per Amazon-Account und der dort hinterlegten Zahlungsmethode anbieten. Viele sahen diesen Schritt als eine Kampfansage an E-Payment Marktführer PayPal. Nun wurde bekannt, dass Amazon im Rahmen seines Payment Programms eine Zusammenarbeit mit der High Fashion-Plattform Moda Operandi starten wird, die nicht nur online sondern auch offline ablaufen wird.
Das Einkaufserlebnis, das der Kundin von Moda Operandi in Zusammenarbeit mit Amazon geboten wird, beginnt damit, dass sie sich mit ihrem Amazon-Konto auf der Website von Moda Operandi einloggt. Sie sucht sich dann ihre gewünschten Produkte aus und legt sie in ihren Warenkorb.

Moda Operandi Amazon Login

Moda Operandi Login mit Amazon

Im nächsten Schritt kann sie dann die von ihr ausgewählten Produkte vor Ort in einem der stationären Moda Operandi Läden anprobieren und wird umfangreich beraten. Mit Hilfe der Amazon App und im Laden installierten Beacons erhalten die Storemitarbeiter eine Meldung, wenn die Kundin im Laden angekommen ist. Sie präsentieren ihr dann in einem persönlichen Verkaufsgespräch die online ausgewählten Artikel. Da die Personal Shopper außerdem im Vorfeld auch Informationen über alle von der Kundin online betrachteten Artikel erhalten haben, können sie sie umfangreich beraten und passende Artikel empfehlen. Die Bezahlung erfolgt dann via Tablet mit dem Amazon-Konto der Kundin über die dort hinterlegte Zahlungsmethode, ohne dass sie ihren Geldbeutel zücken muss.

Amazon nutzt also die Zahlung als Einstieg in den Local Commerce. Vertrauen ist hier der zentrale Aspekt aus Amazon-Sicht. Der Onlinemarktplatz will nicht als Zahlungsmittel im Vordergrund stehen, sondern vielmehr als vertrauter Partner für seine Kunden das Zahlungsmittel bereitstellen, so Patrick Gauthier, Amazons VP of Payments. Personal Commerce statt Omnichannel, so lautet das Motto von Amazon bei dieser Kooperation. Ob die Zusammenarbeit mit Moda Operandi erfolgreich sein wird, das wird die Zeit zeigen. Moda berichtet jedenfalls, dass schon jetzt, nach knapp 2 Wochen, 25 % der Käufe mit Hilfe des Amazon Logins getätigt werden.

Die Zusammenarbeit von Amazon und Moda Operandi könnte der Anfang eines neuen Trends sein. Denn hier profitieren beide Seiten: Amazon hat eine Möglichkeit, sich über Zahlungsmittel im stationären Handel zu positionieren. Außerdem kann der Online-Riese seinen Stand im Bereich Fashion festigen und sein Image verändern. Bisher ist der Marktplatz ja hauptsächlich als Anbieter von Büchern, Elektronik und Convenience-Produkten bekannt. Moda wiederum kann durch den Deal seinen Onlineshop enger mit den stationären Filialen verbinden und möglicherweise neue Kunden gewinnen. Gleichzeitig verbessert das Unternehmen das Einkaufserlebnis für seine bestehenden Kunden.

Amazon Prime Now – Lieferung binnen einer Stunde

Same Day Delivery ist bei Amazon schon lange Thema. Durch die Anmietung strategisch günstig gelegener Lagerflächen macht der Onlinemarktplatz immer kürzer werdende Lieferzeiten möglich. Im März diesen Jahres kamen Gerüchte (LINK) auf, dass Amazon den Schnelllieferservice bald auch nach Deutschland bringen will. Angeblich sei ein Start in Berlin schon dieses Frühjahr geplant. Das Unternehmen hat Berichten zufolge eine Immobilie am Ku’Damm angemietet, die als Lagerfläche dienen soll, aus der innerhalb der Hauptstadt dann die 2-Stunden-Lieferung erfolgen soll.

Die Lieferung innerhalb weniger Stunden hat Amazon bereits im Herbst 2015 in den USA umgesetzt, als das Unternehmen seine Prime Now App lancierte. Der interessante Unterschied hierbei ist allerdings, dass die bestellten Waren nicht aus Amazon-Großlagern verschickt werden. Stattdessen können Kunden in verschiedenen amerikanischen Großstädten über Amazon Waren aus lokalen Geschäften bestellen.

Der Online Big Player bindet also lokale Händler an und erweitert nicht nur seine Produktvielfalt, sondern auch das Kundenerlebnis. Aktuell sind beispielsweise lokale Lebensmittelhändler in New York City angebunden. Amazon kommt zu seinen Kunden nach Hause – und das auf Wunsch binnen einer Stunde.

Auch Zalando will lokale Händler anbinden

Zalando Logistikzentrum

Zalando Logistikzentrum (© Handelsblatt)

Zalando will das noch toppen. Innerhalb von 30 Minuten will die Mode-Plattform zukünftig liefern. Dies soll funktionieren, indem Zalando ebenfalls lokalen Händlern die Möglichkeit gibt, über die Plattform ihre Waren zu verkaufen. Bestellt ein Kunde also einen Artikel, wird geprüft, ob das Produkt in einem lokalen Ladengeschäft vorrätig ist.
Wenn dies der Fall ist, wird die Ware direkt von dort an den Kunden ausgeliefert. Dies ermöglicht  eine schnellere Lieferung als das Beziehen der Ware aus einem nahegelegenen Zalando-Lager. Somit rückt auch Zalando offline näher an seine Kunden heran und gibt jedem die Möglichkeit, „sich Ware dorthin liefern zu lassen, wo er gerade ist, und nicht dorthin, wo er wohnt“, so Gründer Robert Genz in einem Interview.

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Screenshot Zalando/Tiramizoo

Die Abholung zu Hause ist ein weiteres Feature, welches Zalando seinen Kunden anbietet. In Zusammenarbeit mit dem Kurierdienst Tiramizoo testet das Unternehmen derzeit in Berlin (und bald auch in weiteren deutschen Städten) die kostenlose Abholung von Retouren.

Diese Entwicklungen sind Teil der Neuerfindung, die Zalando gerade unternimmt. Vom Onlinehändler für Schuhe und Mode möchte das Unternehmen gerne zu einer Shopping-City werden. Online soll dies durch mehr Content erfolgen und offline durch die Zusammenarbeit mit lokalen Händlern. Um die Umsetzung ihrer neuen Pläne möglich zu machen, arbeitet Zalando außerdem daran, zu einer „Mode-Tech-Plattform“ zu werden. Mit einem neuen Tech-Hub in Finnland wird das Unternehmen versuchen, unter anderem den technologischen Aufwand, der mit der Anbindung von lokalen Händlern und deren unterschiedlichen Warenwirtschaftssystemen verbunden ist, stemmen zu können.

Die großen Online-Player setzen also auf den stationären Handel – eine Entwicklung, die der alten Behauptung, der Online-Handel mache den klassischen Einzelhandel kaputt, klar entgegenwirkt. In diesem Bereich wird sich mit Sicherheit noch viel tun. Wer am Ende mit dem größten Erfolg eine Kombination aus Online- und Offline-Shopping anbieten kann, wird sich zeigen.

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Digitalisierung beginnt beim Mitarbeiter

Innovative Maßnahmen zur Digitalisierung des Handels zielen meistens darauf ab, das Einkaufserlebnis für den Kunden angenehmer zu machen und so Umsätze zu steigern. Innovative Technologien helfen dabei, Kunden ein umfassenderes Angebot und so eine bessere Verkaufsberatung bieten zu können. Durch die Auswertung von gesammelten Daten lernen Händler ihre Kunden außerdem immer besser kennen und verstehen. So kann die Kundenberatung individuell abgestimmt und vorbereitet werden und der Kunde ist König. Der Einsatz digitaler Maßnahmen bietet umfangreiche Möglichkeiten für den Handel. Doch müssen diese Maßnahmen auch praktisch umgesetzt werden. Es genügt nicht, Digital Signage oder ein integriertes Shopsystem einzuführen, wenn die Mitarbeiter vor Ort nicht wissen, wie sie es bedienen. Somit birgt Digitalisierung im Handel nicht nur neue Möglichkeiten für den Kundenservice, sondern auch neue Herausforderungen für die Mitarbeiter.
Anfang April fanden die ersten Retail Innovation Days der DHBW Heilbronn statt und wir waren mit dabei. Zu den Hauptthemen gehörte hier neben digitalen Instore-Lösungen und Big Data/Smart Data auch Digital HR. Verschiedene Unternehmen wie Hunkemöller und Galeria Kaufhof berichteten von ihren Maßnahmen zur Digitalisierung und sahen als klaren Startpunkt für diesen Prozess den Mitarbeiter. Begonnen bei der Bewerbung und Rekrutierung der Digital Natives von heute (und morgen) reagiert der Handel mit neuen Tools und digitalisierten Prozessen.

Digital HR – Die Rekrutierung von Digital Natives

Inga König von Hunkemöller zeigte in ihrem Vortrag, dass der holländische Unterwäschekonzern schon seit einiger Zeit auf Digital HR setzt. Interessierte Bewerberinnen können sich per QR Code direkt im Laden mobil bewerben und durchlaufen – bei entsprechender Eignung – einen durch und durch digitalisierten Onboarding Prozess. Video Recruitment kommt hier ebenso zum Einsatz wie spezialisierte Mitarbeiter-Apps. Laut König sind bereits 50% der eingehenden Bewerbungen mobil – Tendenz steigend. Das Smartphone wird hier also als favorisiertes Bewerbungstool junger Leute erkannt und aktiv genutzt.  Eine Studie, die 2015 von der Uni Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal Monster durchgeführt wurde, zeigt ebenfalls dass immer mehr Bewerber die Möglichkeit haben möchten, sich mobil zu bewerben.
Hunkemöller scheint den Trend erkannt zu haben und reagiert entsprechend: Junge Bewerber sind von Hause aus technikaffin und erwarten digitale Technologien auch im Berufsleben. Doch wie sehen bereits bestehende Mitarbeiter Digitalisierungsmaßnahmen?
Gerade langjährig beschäftigte und klassisch ausgebildete Einzelhandelskaufleute und Verkäufer können sich unter Umständen schwer tun, digitale Innovation anzunehmen und umzusetzen. Dies kann einerseits daran liegen, dass sie privat kaum Smartphones, Tablets und sonstige moderne Technologien nutzen. Im Gegensatz zu den Bewerbern von heute sind sie schließlich nicht mit dem Internet aufgewachsen. Andererseits kann es daran liegen, dass sie ein Tablet oder Smartphone auf der Fläche eher als störenden Gegenstand sehen, der zwischen ihnen und dem Kunden steht; steht doch das persönliche Verkaufsgespräch im Zentrum der klassischen Verkaufsberatung.
Daher gilt es also, moderne Technologie auch für bestehende Mitarbeiter zu einem selbstverständlichen Teil des Verkaufsalltags zu machen. Begünstigt wird dieser Prozess durch die intuitive Bedienung von Smartphones und Tablets. Außerdem vereinfachen Technologien wie zum Beispiel der sovia-inStore Assistant der Bütema AG, auch vorgestellt bei den Retail Innovation Days 2016, den Verkaufsalltag erheblich. Eine Möglichkeit, Mitarbeiter für digitale Neuerungen zu begeistern, wäre also, ihnen vor Augen zu führen, wie einfach sie zu bedienen sind und wie sehr sie ihren Arbeitsalltag bereichern. Damit nimmt man ihnen ggf. die Hemmung und kann sie für die Technologien begeistern.
Auch die Galeria Kaufhof GmbH hat sich dieser Herausforderung gestellt und bereits im Jahr 2014 mit der Gründung eines eigenen Multichannel-Ressorts den Weg zur Digitalisierung eingeschlagen.

Galeria Kaufhof Endless Aisle

Regalverlängerung bei Galeria Kaufhof

Andrea Ferger-Heiter, seit 2014 Leiterin Integration Multichannel-Retailing, sprach vergangenen Donnerstag in Heilbronn auch darüber, dass dieser Prozess damit beginnen musste, die Mitarbeiter für die Neuerungen zu gewinnen. Durch Schulungen bereitete Galeria Kaufhof seine Mitarbeiter intensiv auf den Einsatz der neuen Technologien vor.
Der Handel scheint also verstanden zu haben, dass sich digitale Innovation nicht ohne die entsprechende Vorbereitung der Mitarbeiter auf der Fläche umsetzen lässt.

Digitalisierung in der Ausbildung neuer Fachkräfte

Neben der Schulung bestehender Mitarbeiter macht es Sinn, digitale Innovation vom Anfang einer Berufsausbildung an zu einem selbstverständlichen Teil der traditionellen Handelsberufe zu machen, um langfristig auf die rapide Entwicklung der Digitalisierung zu reagieren. Durch die neuen Anforderungen, die Digitalisierung im Handel an bestehende Ausbildungsberufe stellt, müssen diese also langfristig angepasst bzw. erweitert werden. Die Einzelhandelskaufleute von morgen lernen so das E-Commerce Geschäft von der Pike auf, um später Omnichannel Maßnahmen in ihrer Filiale effektiv umsetzen und ihre Kollegen bzw. Mitarbeiter entsprechend schulen zu können.
Zwar gibt es schon jetzt Studiengänge wie E-Commerce oder Digital Retail Management. Doch wird es reichen, top geschulte Fachleute in den Zentralen der Unternehmen zu haben? Oder sollten die klassischen Ausbildungsberufe um Module im Bereich E-Commerce erweitert werden? Denn die letzte Hürde ist immer die Umsetzung im Store selbst. Und deshalb müssen auch die Mitarbeiter an der Front den Umgang mit digitalen Lösungen aus dem Effeff beherrschen. Inwieweit bestehende Ausbildungsberufe im Handel revolutioniert und digitalisiert und welche neuen Berufsbilder entstehen werden, wird die Zukunft zeigen.

Big Data – und wer wertet das jetzt aus?

Eine weitere Neuerung, die außer einem großen Nutzen für das Unternehmen auch Herausforderungen in Bezug auf Human Resources mit sich bringt, ist das Sammeln und Auswerten von Big Data bzw. Smart Data. Die Analyse der großen Datenmengen, die täglich durch jeden Menschen produziert werden, kann ein wertvolles Tool sein, um Kundenbedürfnisse besser erkennen und auf sie zu reagieren zu können. In Heilbronn zeigte Hannah Bartkowiak von SAP Deutschland, wie die SAP Lösung HANA im Handel eingesetzt werden kann. In Echtzeit lässt sich sehen, wer wann und wo einkauft, sodass sich Geschäfte optimal auf Stoßzeiten einstellen und zielgruppenspezifische Werbung schalten können (z.B. mit Hilfe von Digital Signage oder Beacons).

© Ralph Paglia

© Ralph Paglia

So lässt sich zur richtigen Zeit das richtige Produkt bewerben oder auffällig platzieren, um Kunden den Einkauf zu erleichtern und Umsätze zu steigern – weil man schon im Vorfeld weiß, welche Kunden wann kommen und was sie suchen. Ermittelt werden können diese Daten zum Beispiel durch einen im Einkaufswagen installierten Chip, der verfolgt, welchen Weg der Kunde durch den Laden nimmt und an welchen Stellen er sich länger aufhält. Auf einer Karte lässt sich dies dann darstellen, um ggf. Produkte, die häufig gekauft werden oder einen höheren Preis haben, optimal platzieren zu können. Außerdem zeigen sich so Schwachstellen in der Ladenplanung, wie z.B. ungünstig platzierte Aufsteller, die für Stau im Laden sorgen.
Wie alle Innovationen muss auch diese Möglichkeit umgesetzt werden können. Die deutsche Wirtschaft scheint jedoch noch nicht den optimalen Weg gefunden zu haben. Die Wirtschaftswoche bemängelte im vergangenen Herbst, dass viele Unternehmen noch nicht verstanden haben, wen sie eigentlich für diese Aufgaben einstellen müssen. Wirtschaftswissenschaftler mit statistischen Fähigkeiten sind noch lange keine Big Data Spezialisten. Doch wo findet man solche? Laut Wirtschaftswoche ist ein Problem bei der Sache, dass es bisher einfach noch kaum speziell ausgebildete Big Data Analysten gibt: „Hochschulen bieten derzeit kaum entsprechende Studiengänge an, weil sich der Sektor schneller entwickelt, als sich Lehrpläne und Curricula erstellen lassen“, lautet es in dem Artikel. Es muss also nicht nur die deutsche Wirtschaft auf die Digitalisierung reagieren. Auch im Bereich Big Data sollte es die Möglichkeit geben, als Spezialist ausgebildet zu werden. Denn nur mit den entsprechenden Fachkräften können Unternehmen Daten sammeln, relevante Informationen herausfiltern und so auswerten, dass sie zur Optimierung des Handelsalltags eingesetzt werden können.
Unser Fazit nach dem Besuch der Retail Innovation Days 2016: der Weg zur Digitalisierung muss beim Mitarbeiter ansetzen. Mobile Endgeräte als Haupttools für die Jobsuche und Bewerbung werden erkannt und zunehmend eingesetzt. Der Handel scheint sich vorzubereiten auf die Bewerber von (heute und) morgen, die „Digital Natives“. Viele Unternehmen legen auch Wert auf die Weiterbildung ihrer bestehenden Mitarbeiter. Der große Vorteil von digitalen Technologien ist hier, dass sie intuitiv nutzbar sind und den Verkaufsalltag bereichern. Defizite zeigen sich noch im Bereich Ausbildung. Der Handel braucht Spezialisten – und daher angepasste, bzw. neue Ausbildungsberufe bzw. Studiengänge.

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Interview mit den Gründern von store2be – der Buchungsplattform für temporäre Aktions- und Verkaufsflächen

Immer mehr eCommerce Pure-Player suchen ihren Weg in die Offline-Welt. Vielen ist jedoch einerseits evtl. das Risiko des Investments zu groß oder sie wollen die Offline-Welt auch erst einmal testen. Den passenden Standort bzw. die richtige Ladenfläche zu finden und dann anzumieten stellt außerdem einen zusätzlichen Aufwand dar. Viele wollen sich evtl. auch nicht sofort langfristig binden. Eine Möglichkeit für Online-Händler ohne großes Investment einen ersten Schritt in Richtung stationärer Handel zu machen bietet die Online-Buchungsplattform store2be. Das junge Unternehmen vermittelt Laden- und Aktionsflächen von bestehenden stationären Händlern an Online-Händler. Beispielhaft könnte dies wie folgt aussehen…

Beispielhaftes Einsatzgebiet von store2be

Soziale Netzwerke begleiten uns auf Schritt und Tritt. Tagtäglich werden Unmengen an Content über die verschiedenen sozialen Kanäle verbreitet. Visueller Content in Form von Fotos bildet einen großen Anteil hiervon. Nicht nur via Instagram und Facebook lassen sich lustige, bewegende, wichtige und auch nicht so wichtige Momente in Sekundenschnelle teilen und verewigen. Doch manchmal möchte man doch mal wieder ein gedrucktes Foto in der Hand haben. Die Tatsache, dass heute kaum noch jemand akribisch Familienfotos sichtet und in Handarbeit in Fotoalben sortiert, heißt nicht, dass das gedruckte Bild ausgestorben ist. Im Gegenteil: Moderne Technologie ermöglicht eine große Vielfalt an Fotoprodukten, mit denen sich Erinnerungen verewigen lassen. Vor allem mit Hilfe von Onlinetools kann man schnell und unkompliziert die gewünschten Produkte erstellen und personalisieren. Doch wie könnte man eine solche Dienstleistung auch offline verfügbar machen?

Angenommen es gäbe ein junges Unternehmen, welches hochwertige Drucke von Social Media Produkten wie z.B. Instagram-Fotos im Polaroid-Format oder auch Facebook-Alben als gebundene Fotobücher anbietet. Die Jungunternehmer haben sich schon im Bereich Social Printing etabliert und einen festen Kundenstamm aufgebaut. In der näheren Zukunft möchten sie nun gerne ihren Produktkatalog erweitern und ihre Kunden aktiver in die Erstellung der Prints einbinden. Bisher können Bestellungen ausschließlich online abgewickelt werden. Das Drucken und Fertigstellen der Produkte erfolgt dann in einem kleinen Raum, den die Jungunternehmer gemeinsam mieten. Dort gibt es gerade genug Platz für ihr Arbeitsgerät.
Was sie nun brauchen ist eine Verkaufsfläche. Nur so schaffen sie den Sprung vom reinen Onlineunternehmen und steigern ihren Bekanntheitsgrad. Das Unternehmen möchte nicht einfach nur Fotoprodukte erstellen, sondern Social Printing als Erlebnis für den Kunden anbieten. Die Idee ist, zukünftig kleinere Produkte wie Magneten oder Polaroid-Prints direkt vor Ort erstellen zu können. Außerdem möchten sie gerne eine Fotobox aufstellen, aus der die Kunden per App ihre Fotos selbst drucken können. So hoffen sie, ihr Onlineunternehmen buchstäblich unter das Volk zu bringen und mit Offline Erlebnissen zu verbinden.

Was also tun? Einen ganzen Laden anzumieten birgt ein großes Risiko. Außerdem überstiege eine Ladenmiete langfristig das Budget der jungen Gruppe. Optimal wäre es, für ein paar Tage z.B. eine kleine Ladenfläche mieten zu können. Durch eine Internetsuche stoßen sie auf ein anderes Startup, welches die ideale Lösung für ihr Problem zu bieten scheint. Store2be, ein junges Unternehmen aus Karlsruhe, bietet eine Onlineplattform, über welche stationäre Händler kleine bis mittelgroße Ladenfläche zur kurz- oder längerfristigen Miete anbieten. Die Buchung erfolgt über store2be.
Da dieses Konzept noch nicht allzu vielen bekannt sein dürfte, haben wir uns mit den Gründern von store2be unterhalten, um genauer herauszufinden, wie ihr Unternehmen funktioniert.

  1. Wer steht hinter store2be und wie lässt sich euer Startup in einem Satz beschreiben?
Gründerteam store2be

Das Gründerteam von store2be

store2be ist die Buchungsplattform für temporäre Aktions- und Verkaufsflächen in Einzelhandelsgeschäften, Shoppingcentern und an außergewöhnlichen Orten wie Fitnessstudios oder Universitäten. Hinter store2be stehen die vier Gründer Marlon, Sven, Emil und Peter. Marlon und Sven kennen sich aus ihrem Studium an der WHU in Vallendar und bilden die betriebswirtschaftliche Seite des Gründerteams. Auch Emil und Peter kennen sich aus ihrer gemeinsamen Studienzeit am Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Sie treiben als technische Seite des Gründerteams das Produkt voran.

  1. Wie ist eure Idee entstanden?

Die Idee zu store2be ist während unserer Arbeit in diversen anderen Startups entstanden. Dort ist uns aufgefallen, wie wichtig und zugleich komplex das Thema Offline Marketing ist. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass vor allem solche Unternehmen langfristig erfolgreich sind, die auf mehrere Customer Touchpoints und Kanäle (Stichwort: Omnichannel-Marketing) setzen. Eine stationäre Präsenz ist jedoch mit hohem Aufwand verbunden und der Erfolg solcher Aktionen schwer messbar. Genau da setzen wir mit store2be an und bieten unseren Kunden alles für eine erfolgreiche Aktion. Gleichzeitig lässt sich in unseren Augen eine zunehmende Uniformität und ein starker Druck zur Weiterentwicklung im Einzelhandel beobachten. Indem wir neuartige Marken und Produkte mit stationären Händlern und ihrer Infrastruktur zusammenbringen, stärken wir beide Gruppen und bringen wieder mehr Abwechslung in den Einzelhandel.

  1. Wer nutzt store2be bisher hauptsächlich?

Die buchenden Unternehmen sind aktuell viele Online-Unternehmen und Konsumgüterunternehmen. Künftig wird store2be aber vermutlich auch für Einzelhändler interessant, die temporär an neuen Orten auftreten möchten.

  1. Inwieweit seid ihr in die Umsetzung der temporären Stores vor Ort involviert?
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Eine Verkaufsaktion, organisiert von store2be

Unser Ziel ist der Aufbau einer „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt. Das heißt: Neben der richtigen Fläche bieten wir unseren Kunden auf Wunsch auch die entsprechenden Zusatzleistungen wie Standbau, Logistik und Personal. Somit lassen wir unseren Kunden nicht mit der Fläche alleine, sondern teilen unsere Erfahrungen und Ressourcen, um ihm den maximalen Erfolg auf der Fläche zu ermöglichen. Auf der Fläche selbst sind wir dann nicht mehr involviert. Hier steht der Kunde im Fokus. Während junge Gründer meist noch selbst vor Ort aktiv sind, setzen gerade unsere größeren Kunden Promotion-Personal ein.

  1. Welche Marketingmaßnahmen nutzt ihr, um store2be zu vermarkten?

Die Vermarktung von store2be ist unsere größte Herausforderung. Wir merken, dass unsere Lösung sowohl auf Vermieter- als auch auf Mieterseite Anklang findet. Allerdings sind wir als B2B-Lösung kein klassisches Online-Marketing-Produkt und nutzen deshalb alternative Wege, um unsere potenziellen Partner und Kunden zu erreichen. Derzeit setzen wir viel auf Tele-Sales und E-Mails, um zunächst eine Grundbekanntheit zu erlangen. Darüber hinaus merken wir, wenn zufriedene Kunden oder Medien positiv über uns berichten und uns aktiv als Lösung weiterempfehlen.

  1. Beschränkt sich die Zusammenarbeit auf die Vermittlung der Flächen?

Unsere Lösung von store2be beschränkt sich explizit nicht auf die reine Vermittlung der richtigen Flächen. Zusatzleistungen, die wir bereits heute anbieten können, umfassen Stände für den stationären Auftritt, Logistik, Einlagerung aller Materialien, Personal und mobile Bezahlsysteme. Darüber hinaus arbeiten wir derzeit eifrig an unterschiedlichen Offline-Tracking Lösungen, um den Erfolg der stationären Aktionen unserer Kunden messbar zu machen. Unser großes Ziel ist wie gesagt die Entwicklung einer „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt!

  1. Könnt ihr etwas mehr sagen über die Offline-Tracking Lösungen, an denen ihr derzeit arbeitet?

Vor allem durch unsere ersten Kunden, die oft aus der Online-Welt kommen, haben wir erfahren wie wichtig die Messbarkeit von stationären Aktionen ist. Natürlich wollen sie wissen, wie viele Leute ihren Stand gesehen haben und wie viele Leute letztlich auch stehen geblieben sind. Online ist das einfach möglich, Offline ist das eine technische Herausforderung. Gemeinsam mit einem Partner arbeiten wir derzeit aber an einer technischen Lösung, um auch Offline einen gewissen „Conversion Funnel“ abbilden zu können. Mehr möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, wir werden es aber rechtzeitig ankündigen.

  1. Inwiefern denkt ihr, dass store2be dabei helfen kann, dem Aussterben der Innenstädte langfristig entgegenzuwirken?

Wir denken, dass store2be einen wertvollen Beitrag dazu leistet, dass sich der stationäre Einzelhandel im Zuge der Digitalisierung weiterentwickelt und die Vorteile nutzt, die diese Entwicklung mit sich bringt. Unsere Vision ist es, dass Innenstädte künftig die Orte sein werden, an denen soziale Interaktionen und reale Begegnungen mit Marken stattfinden. Dazu muss sich der stationäre Einzelhandel aber vom reinen Produktverteiler hin zu einem Ort wiederkehrender Erlebnisse wandeln – ansonsten haben Endkunden künftig keinerlei Gründe, in Geschäfte zu strömen und Stunden in Innenstädten zu verbringen. store2be wirkt also nicht unmittelbar, definitiv aber mittelbar, dem Aussterben der Innenstädte entgegen, weil wir den stationären Handel auf dem Weg in die zunehmende Digitalisierung begleiten und ihn durch Abwechslung und Erlebnisse attraktiv für Endkunden halten.

  1. Nach welchen Kriterien wählt ihr aus, ob die Kleinunternehmer zu den Anbietern von Ladenflächen passen?

Neben der Kundenfrequenz ist vor allem die Kundengruppe entscheidend, wenn es darum geht, ob eine Fläche zu einem bestimmten Mieter passt. Derzeit fragen wir von unseren Vermietern beispielsweise die klassischen Kundenkriterien wie Alter, Geschlecht und Einkommen ab. Die meisten werbetreibenden Unternehmen haben ein genaues Bild ihrer Zielgruppe und können anhand dieser Informationen die richtige Fläche für sie finden. Während beispielsweise einer unserer Kunden (ein natürlicher Anti-Kater-Drink) explizit junge, eher männliche Kunden anspricht (die richtige Fläche war ein Fitnessstudio in Universitätsnähe), fragte ein anderer Kunde (eine Speicheranlage für Solarstrom) nach einer Zielgruppe mittleren Alters mit höherem Einkommen – die richtigen Flächen fanden wir hier in Baumärkten und Shoppingcentern in eigenheimstarken Wohngebieten. Natürlich werden wir diesen „Matching-Prozess“ zwischen Flächen und werbetreibenden Unternehmen künftig weiter verbessern. Hier haben wir sowohl konzeptionell als auch technisch noch einiges geplant und werden im Laufe des Jahres mehr bekannt geben.

  1. Welche Vorteile ergeben sich für die Vermieter der Flächen aus der Nutzung eurer Dienste im Gegensatz zur eigenständigen Vermietung von Ladenflächen?

Grundsätzlich profitieren unsere Flächenpartner von store2be, weil wir ihnen mit store2be ein kostenloses Tool an die Hand geben, mit dem sie ihre Flächen Online vermarkten können. Wir vergrößern außerdem die Reichweite und die Bekanntheit der verfügbaren Flächen. Es ist ja nicht das Kerngeschäft unserer Partner, ihre Flächen zu vermarkten; darauf konzentrieren wir uns. Tatsächlich werden (wir) auch oft mit klassischen Hotel-Buchungsplattformen verglichen. Auch hier profitieren Hotels ja von der größeren Reichweite durch eine bekannte Plattform als Partner, wenn auch in diesem Fall, anders als bei uns, nicht kostenlos. 

  1. Wie seht ihr eure Situation in Bezug auf Konkurrenz? Habt ihr starke Konkurrenz? Wenn ja, wie hebt store2be sich davon ab?

Es gibt diverse Anbieter, die sich auf die Vermittlung von leerstehenden Geschäften als temporäre PopUp Locations konzentrieren. Von diesem Fokus haben wir uns relativ schnell verabschiedet, weil dieser Markt in unseren Augen bereits gut besetzt ist. Unser Fokus liegt auf solchen Flächen, die bereits belebt sind und über eine Infrastruktur verfügen. Solche Flächen können zum Beispiel in bestehenden Einzelhandelsgeschäften (store-in-store) und Shoppingcentern, aber auch an außergewöhnlichen Orten wie Fitnessstudios oder Kinos sein. Durch die Konzentration auf diesen Flächentyp differenzieren wir uns von anderen Unternehmen im Bereich „Agile Retail“. Darüber hinaus bieten wir eine „One-Stop-Lösung“ für den stationären Auftritt und bieten nebender Fläche selbst auch alle relevanten Zusatzleistungen. Auch dadurch möchten wir uns differenzieren.

12. Wie seht ihr die Zukunft von store2be?

Unsere wichtigsten Schritte im Jahr 2016 sind der Ausbau unseres Flächenportfolios über unterschiedliche Flächentypen und die Ansprache neuer Kundengruppen, für die unsere Lösung relevant ist. Derzeit befindet sich der Großteil unserer Flächen in Shoppingcentern und inhabergeführten Geschäften; im Jahresverlauf werden wir noch weitere Flächentypen anschließen, damit jedes Unternehmen über store2be mit wenigen Klicks an den Orten auftauchen kann, wo es seine Zielgruppe optimal erreicht. store2be_logo_v_b_780x620
Darüber hinaus entwickeln wir unser Produkt konsequent weiter, um den Abstimmungsprozess zwischen Mietern und Vermietern von Flächen Schritt für Schritt zu vereinfachen und zu automatisieren. Langfristig möchten wir store2be als ernsthaften neuen Marketingkanal etablieren. Wir glauben fest daran, dass Unternehmen künftig wieder vermehrt auf stationäre Marketingelemente setzen werden. Dazu muss es uns gelingen, die Buchung einer stationären Präsenz so einfach zu gestalten wie die Buchung einer Online-Kampagne.

Im Falle von unserem Social Printing Unternehmen scheint dies genau der richtige Weg zu sein. Es wäre eine gute Möglichkeit, eine Fläche über store2be anzumieten und so den ersten Schritt in Richtung stationärer Handel zu wagen. Und dies ohne das Risiko, sich mit einer Ladenmiete zu übernehmen. Vielleicht würde es auch mehrere Buchungen über store2be geben, die dem jungen Unternehmen dabei helfen könnten, auch offline erfolgreich zu sein.

– Danke an die Gründer von store2be für das Interview!

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